Die Wirkung der Pose - Verzeichnung als Stilmitte

Bildgalerie betrachten “Stille”
Klaus Frieling

Die Aktphotographie ist gleichermaßen ein beliebtes Betätigungsfeld für Profi- wie für Hobbyphotographen. Die künstlerische Darbietung des Nackten stellt in der Photographie eine besondere Herausforderung an das Können des Modells und an den Photographen dar, denn die Kamera enthüllt mehr als jeder Pinsel oder Meisel. Entscheidend für die Wirkung einer Aktaufnahme ist die Pose, die das Modell einnimmt. Dreidimensionale Bildwirkung ist erstrebenswert und wird maßgeblich durch den Kamerastandpunkt, die Wahl des Objektivs, die Kameraeinstellungen und die Beleuchtung bestimmt. Regeln gibt es in der Photographie unendlich viele. Ob sie eingehalten werden, das muß jeder für sich entscheiden.

Beginnt man sich dem Thema Aktphotographie erstmalig zu stellen, ist es wichtig den nackten Körper zu studieren. Möglich ist dies nur, wenn zwischen dem Modell und dem Photographen ein Vertrauensverhältnis besteht. Professionelle Modelle werden weniger Schwierigkeiten damit haben, vor der Kamera nackt zu posieren. Dies läßt den Schluß zu, daß mit professionellen Modells in jedem Fall überzeugende Aktaufnahmen gelingen - dem ist aber nicht zwangsläufig so. Der Nachteil von Profis vor der Kamera ist oftmals, daß die Körperhaltungen einstudiert sind. Die Posen des Modells, ob Profi oder Amateur, sollten variieren von entspannter Gelassenheit bis hin zu unnatürlicher Gezwungenheit. Es gilt zu beobachten, zunächst ohne, dann mit Kamera.

Aktaufnahmen wirken vielfach anrüchig und haben nichts mit künstlerischen Darstellungen gemein. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und sicherlich ist es ihre Summe, die dazu führt, daß Aktaufnahmen mitunter sehr obszön wirken. Für den Aktphotographen gilt es dies zu vermeiden, wenn er nicht in die Erotikecke rutschen möchte. Hauptgrund für schamlose und ordinär wirkende Aktaufnahmen ist, daß sie meist zu viel zeigen - der Reiz liegt aber im Verborgenen und beflügelt die eigene Phantasie und die des Betrachters.

Die künstlerische Verzeichnung ist in der Aktphotographie ein beliebtes Stilmittel. Zurückhaltung ist jedoch angesagt, denn eine übertriebene Verzeichnung ist lediglich ein billiger Augenfang und ermüdet den Betrachter schnell - es sei denn, eine überzeugende geistige oder emotionale Idee stünde dahinter. Verzeichnungen verlangen eine sorgfältige Wahl der richtigen Methode. Das Hauptwerkzeug ist, neben der Entfernung der Kamera zum Modell, das Objektiv, von dessen Brennweite Art und Stärke der Verzeichnung abhängen. Ein Objektiv von kürzerer Brennweite als diejenige, die man für die betreffende Film- beziehungsweise Sensorgröße als normal bezeichnet, nimmt alles, was der Kamera nahe ist, enorm groß auf; das Objektiv einer Brennweite, die länger ist als die normale, bewirkt den gegenteiligen Effekt. Fast jeden beliebigen Grad der Verzeichnung erzielt der Photograph durch die Kombination Objektivwahl und Kamerastandpunkt. Extreme Verzeichnungen erhält der Photograph, wenn er dem Modell mit der Kamera bis auf wenige Zentimeter zuleibe rückt. Je mehr der Aufnahmeabstand verlängert wird, desto geringer fällt die Verzeichnung aus.

 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2006

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden