Digital goes analog - Doppelbelichtungen

Worin der Reiz der Doppelbelichtung liegt

Doppelbelichtung – Zwei Wege stehen Fotografen offen

Kanal mit Straße überlagert © Georg Schuh
Kanal mit Straße überlagert

Wie der zurückliegende „Blende“-Fotowettbewerb eindrucksvoll zeigt, werden auch im digitalen Zeitalter gerne und gekonnt softwarebasierte Filter und Bearbeitungen eingesetzt. Viele davon simulieren analoge Verfahren. Eine häufig genutzte Möglichkeit kreativ Bilder zu gestalten, war in analogen Zeiten die Doppelbelichtung. Einen kleinen Knopf am Boden der Kamera gedrückt und schon wurde der Film nicht weiter transportiert und das nächste Bild wurde auf das Vorherige belichtet. Bei Sensoren ist das naturgemäß nicht möglich. Etliche Kameras und Apps für Smartphones können inzwischen Doppelbelichtungen oder Mehrfachbelichtungen simulieren, indem die erste Belichtung im kamerainternen Speicher gehalten und dann mit der zweiten Belichtung verrechnet wird.

Grundsätzlich zwei Optionen für Doppelbelichtungen

Bekanntlich kann man aber problemlos mit Bildbearbeitungsprogrammen, die die Ebenentechnik beherrschen, nachträglich am PC Doppelbelichtungen erstellen. Deshalb stellt sich die Frage, ob es tatsächlich sinnvoll ist, diese Funktion der Kamera zu nutzen. Und ja, es ist sinnvoll. Und das auch noch in vielen Situationen. Zum Beispiel, wenn man seinen Freunden via Internet seine kreativen Bildkompositionen sofort zeigen möchte, man keine Lust auf lange Sitzungen am PC oder kein entsprechendes Programm hat. Es macht außerdem richtig Spaß und bringt Abwechslung in den Fotoalltag gezielt nach Doppelbelichtungsmotiven auf Fotopirsch zu gehen. Es entstehen durch die Inspirationen vor Ort ganz andere Bildkompositionen, als beim nachträglichen Bearbeiten am PC.

Auf was man bei Doppelbelichtungen mit der Kamera achten sollte

Was ist nun bei der Durchführung zu beachten? Nachdem das erste Bild im Kasten, bzw. auf der Speicherkarte ist, sieht man das Bild im optischen Sucher naturgemäß nicht mehr. Hier ist es hilfreich sich anhand der einblendbaren Gitterlinien des Suchers Kardinalpunkte oder Linien der ersten Belichtung, zum Beispiel den Horizont, zu merken, um danach das zweite Bild passend einzufügen. Will man dagegen im Vordergrund Überlagerungen realisieren, ist die Verwendung eines stabilen Stativs sinnvoll, damit vermeidet man leichte Verschiebungen im Hintergrund.

Nahaufnahme scharf mit defokussiertem Bild © Georg Schuh
Nahaufnahme scharf mit defokussiertem Bild

Je mehr man damit spielt, umso mehr wird man zu immer neuen Experimenten angeregt. Interessante Effekte lassen sich auch durch die Überlagerung von zwei Bildern mit unterschiedlicher Brennweite, ausgehend vom gleichen Standpunkt, erzielen. Bilder mit einer träumerischen, romantischen Anmutung gestaltet man durch die Überlagerung eines scharfen Bildes mit einem Unscharfen. Dazu schaltet man beim zweiten Bild den Autofokus ab und fokussiert manuell in den Nahbereich oder auf Unendlich, je nachdem ob sich das Hauptmotiv in der Ferne oder im Nahbereich befindet. Auch hier ist der Einsatz eines Stativs sinnvoll. Dabei genügt ein leichtes Reisestativ, da kleine Verschiebungen hier nicht von Bedeutung sind.

Durch Über- oder Unterbelichtung kann zusätzlich der Überlagerungseffekt beeinflusst werden, hier hilft nur experimentieren. Generell gilt, dass Überlagerungen mit ähnlichen Farb- bzw. Grautönen geringer sichtbar werden.

Olympus kompakte Systemkameras bieten dazu eine besonders komfortable Funktion. Aktiviert man die Doppelbelichtungsfunktion wird das durch ein Symbol angezeigt. Dann drückt man den Auslöser für sein Basisfoto. Und jetzt kommt der Clou. Das Foto wird jetzt weiterhin halb-transparent im Sucher oder auf dem Display angezeigt und nun kann man mit Muße seiner Kreativität freien Lauf lassen bei der Suche nach dem Motiv zum Überlagern. Nach dem zweiten Auslösen wird dann das Mischbild, wie es im Display zu sehen war, abgespeichert.

Möchte man von einem Basisbild ausgehend verschiedene Zweitbelichtungen machen, ist das auch kein Problem. Statt ein Bild aufzunehmen kann man ein auf der Speicherkarte befindliches auswählen und dieses erneut belichten, die Doppelbelichtung wird dann als Extrabild abgespeichert. Wählt man nun als Basis eine Doppelbelichtung aus, kann man eine Dreifachbelichtung kreieren und so weiter.

Ein Schritt weiter © Georg Schuh
Ein Schritt weiter

Es macht Spaß seiner künstlerischen Ader nachzugehen. Gerade auch, wenn Licht und Umgebung nicht optimal für herkömmliche Fotos sind, kann man mit Hilfe von Doppelbelichtungen dann doch spannende Ergebnisse erzielen. Lassen Sie sich von den Bildbeispielen inspirieren, vielleicht sehen wir dann ihre Werke bei dem nächsten „Blende“-Fotowettbewerb.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2018

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