Effekte in der Portraitfotografie - wie Bilder zu einem Kunstwerk werden

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Mit einem Bild kann mehr gesagt werden, als 1.000 Worte ausdrücken. Ein bekanntes Sprichwort, dessen Wahrheitsgehalt sich in den vergangenen 100 Jahren immer wieder bestätigt hat. Bücher zur Zeitgeschichte sind voll mit Fotos, die in nur einem Bild – festgehalten im Bruchteil einer Sekunde – Geschichte lebendig erzählen. Fotos sind inzwischen nicht mehr das Produkt aufwendiger Vorbereitungen. Schnappschüsse entstehen heute „aus der Hüfte“ und landen in Netzwerken, für die Bilder zur Währung und zum Selbstzweck geworden sind. Instagram hat beispielsweise – basierend auf Zahlen von Futurebiz weltweit mehr als 1 Milliarde Nutzer.

Geteilt werden jeden Tag zehntausende Fotos. So inflationär Bilder heute eingesetzt werden, so atemberaubend kann die Wirkung eines Fotos immer noch sein. Es muss nicht das Foto vom höchsten Punkt der Erde sein oder in grellen Farben den Betrachter anschreien. Portraits haben genau die gleiche Kraft – sie können den Betrachter in ihren Bann ziehen und zum Staunen bringen. Aber: Um diese Wirkung zu erreichen, braucht es Vorbereitung und den genau richtigen Moment. Nur, wenn alles auf den Punkt stimmt, wird das Foto begeistern und zum absoluten Eyecatcher.

Mit dem Licht spielen: Für eine perfekte Stimmung

Das Licht spielt in der Fotografie immer eine besondere Rolle. Egal, ob Portrait oder Landschaft – ohne die richtigen Lichtverhältnisse bleibt jedes Foto einfach nur Durchschnitt. Welche Lichteffekte spielen in der professionellen Portraitfotografie eine Rolle? Einige Lichteffekte sind in vielen Portraits zu beobachten.

  • Rembrandt-Licht: Dieses besondere Beleuchtungssetup ist sehr verbreitet, da es vergleichsweise einfach in der Praxis umzusetzen ist. Um ein Rembrandt-Effekt zu erreichen, reicht dem Fotografen eine Lichtquelle und ein Reflektor. Das Licht steht dabei seitlich über dem Kopf des Models, der Reflektor gegenüber. Typisch für dieses Setup ist das Lichtdreieck auf der verschatteten Gesichtshälfte. Alternativ kann auch mit zwei Lichtquellen gearbeitet werden. Namensgebend ist der Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn, in dessen Bildern diese Form der Ausleuchtung immer wieder auftaucht.
  • Broad-Light: Bei diesem Lichtsetup entsteht eine gewisse Ähnlichkeit zur Ausleuchtung nach dem Rembrandt-Prinzip. Angeleuchtet wird die der Kamera zugewandte Seite des Models. Das Gesicht des Models ist von der Lichtquelle abgewandt, es entsteht wieder ein Lichtdreieck auf der verschatteten Seite.
  • Short-Light: In diesem Setup wendet das Model sein Gesicht dem Licht zu. Damit wird die verschattete Seite der Kamera zugewandt. Das Ergebnis ist eine Verzerrung des Gesichts in die Längsachse.
  • Butterfly-Light: Hier steht das Licht direkt in einem Winkel von bis zu 70° über dem Model. Es entsteht eine frontale Ausleuchtung, die einen schmetterlingsartigen Schatten entstehen lässt. Letzterer hat diesem Setup seinen Namen gegeben.

Gegenlicht-Aufnahme – für den weichen Bild-Look

Für viele Portraitaufnahmen wird eine Lichtquelle favorisiert, die das Model aus Richtung der Kamera ausleuchtet. Gerade in den Sommermonaten bietet sich die perfekte Gelegenheit, um mit Gegenlicht einen sehr weichen Look ins Foto zu zaubern. Gegenlichtaufnahmen haben den Vorteil, dass die Kante besonders weich werden und ein sehr warmer Look entstehen kann. Dabei bietet diese Form der Portraitfotografie verschiedene Gestaltungsspielräume. Die Lichtquelle kann direkt hinter dem Model positioniert werden oder leicht versetzt. Hierbei entsteht eine besondere Wärme, die vom Bild ausgeht. Im richtigen Moment abgedrückt kann das Gegenlicht eine starke Überblendung erzeugen und außergewöhnliche Lifestyle-Fotos entstehen lassen.

Den Moment einfangen: Bilder aus dem Alltag

Beim Thema Portraitfotografie drängt sich der Gedanke an gestellte Aufnahmen im Studio auf, denen die professionelle Handschrift sofort anzusehen ist. Die Kunst besteht darin, Portraits so aussehen zu lassen, als würden sie einen alltäglichen Moment einfangen. Um diesen Anspruch umzusetzen, werden einfach Dinge des Alltags ins Shooting integriert. Ein Beispiel ist die Arbeit mit Spiegeln. Das Model sitzt – etwa am Schminktisch – mit dem Rücken zur Kamera und blickt in den Spiegel.

Das Objektiv fängt die Szene indirekt über den Spiegel ein. Ein sehr schönes Motiv für dieses Setup können auch spielende Kinder sein. Besonders natürlich wirken Fotos, in denen sich der Blick des Models und die Kamera nicht treffen.

Der gestalterischen Freiheit sind im Zusammenhang mit Szenerie und Requisite keine Grenzen gesetzt. Letztlich bleibt es dem Fotografen überlassen, für welches Setup er sich entscheidet. Ausschlaggebend werden die Rahmenbedingungen sein – sprich geht es um eine Auftragsarbeit, für welche die Auftragsbeschreibung entscheidend ist oder ein Shooting „für die eigene Mappe“.

Beispiele für Shootings mit alltäglichen Requisiten:

  • Aufnahmen in Wohn-/Geschäftsräumen
  • Aufnahmen mit Autos/Motorrädern/Fahrrädern
  • Aufnahmen mit Büchern usw., die das Model teils verdecken
  • spielerischer Umgang mit verschiedenen Posen.

Das Einarbeiten verschiedener Requisiten in die Aufnahme lässt sich mit verschiedenen Posen kombinieren. Auf diese Weise entstehen ein fließender Übergang und eine Verbindung zwischen Requisite und Model.

Mit der Witterung spielen: Die Elemente nutzen

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Manuel Tennert

Was für Hobbyfotografen eine Herausforderung ist, ist für den Profi Alltag. Es geht um das Spiel mit den Elementen – sprich das Wetter ins Foto einzubauen. Gegenlichtaufnahmen lassen diesbezüglich einen ersten Ansatz erkennen. In der Portraitfotografie stoßen Fotografen erst viel später an Grenzen. Auf den ersten Blick unpassende Witterung wie:

  • Regen
  • Sturm
  • Schnee

lassen sich – mit etwas Geschick und Gefühl für den richtigen Moment – gekonnt in Szene setzen.

Einfaches Beispiel: Das Model steht im Regen direkt hinter einer Scheibe, die Kamera fokussiert auf die Tropfen auf der Scheibe. Es entsteht ein weichgezeichneter Look, der besonders in Schwarzweiß-Aufnahmen besonders gut zur Geltung kommt.

Eine zweite Idee wäre der Griff zum Regenschirm. Mit dessen Hilfe lassen sich außergewöhnliche Szenen im Bild festhalten. Perfekt arrangiert, eröffnet das Wetter Spielraum in einem Ausmaß, der sich in keinem Fotostudio umsetzen lässt. Was, wenn die Witterung doch nicht mitspielt – es wird Wind gebraucht, gerade herrscht totale Flaute? In diesem Fall hilft nur eines: Der Griff zu technischen Hilfsmitteln. Bodenventilatoren sind nur ein Beispiel dafür, wie Natürlichkeit und Technik ineinandergreifen können.

Weitere Tipps für besondere Effekte

Professionelle Portraits sind die Summe aus Know-how und besonderen Effekten. Mit Licht lässt sich genauso spielen, wie mit dem Blickwinkel. Statt für ein Portrait sich immer nur auf Augenhöhe mit dem Model zu bewegen, darf sich ruhig auch einmal in der Vertikalen bewegt werden. Diese Veränderung kann ein durchschnittliches Foto bereits außergewöhnlich machen. Ein spezieller Effekt ist die Portraitfotografie bei Dunkelheit.

Kameras mit entsprechenden Motivprogrammen frieren über den Blitz das Model ein, belichten aber lange genug für die typische Atmosphäre der Nachtaufnahmen. Damit Fotos entstehen, die wie aus dem Leben gegriffen wirken, bietet sich das Aufnehmen von Serien an. Hier wird „aus der Bewegung“ fotografiert – was außergewöhnliche Bilder entstehen lassen kann. Ebenfalls nicht an Aussagekraft zu unterschätzen ist der Fokus weg vom Gesicht und der Person hin zu Körperteilen.

Richtig in Szene gesetzt, entwickeln diese Aufnahmen eine ganz eigene Dynamik und Erzählweise. In eine ähnliche Richtung gehen Blickrichtungswechsel des Models. Mit diesem Effekt entsteht eine gewisse Distanz, die aber gleichzeitig anziehend wirken kann. Somit lassen sich ganz besondere Perspektiven einfangen.

Fazit: Perfekte Portraits mit den richtigen Effekten

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Wayhome Studio

In Deutschland besitzen – zumindest laut Branchenverband BITKOM – etwa 57 Millionen Menschen ein Smartphone. Dessen Nutzung schließt das Fotografieren und Teilen der Bilder mit andern Usern ein. Im Hinblick auf die Ergebnisse und Effekte sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras den Kameras „aus der Hosentasche“ immer noch deutlich überlegen. Sichtbar wird dies unter anderem in der Portraitfotografie. Hier lässt sich mit den richtigen Effekten ein Ergebnis erreichen, das einen nicht nur zum Staunen bringt. Richtig in Szene gesetzt, kann ein Portrait den Betrachter fesseln und mit auf eine Reise nehmen. Solche Bilder entstehen selten aus der Hüfte, es braucht einen Blick für den Moment und im richtigen Augenblick den Finger am Auslöser.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2018

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