Eintauchen in endlose Vielfalt

Timberwölfe - panische Angst Bildgalerie betrachten

Blende ,"Timberwölfe – panische Angst"
Wolfgang Hemmer

Der Landschafts- und Tierphotograph verbringt naturgemäß die meiste Zeit im Freien, denn hier findet er seine Motive. Weit reisen muss er nicht. Der Aufnahmeort kann ein Garten oder ein nahegelegener Park ebenso sein, wie das Rapsfeld oder der Laub- beziehungsweise Nadelwald um die Ecke oder der bepflanzte Blumenkasten auf dem Fensterbrett. Bevor der Naturphotograph sich jedoch aufmacht, in die Welt der endlosen Vielfalt und unbegrenzten Möglichkeiten einzutauchen, sollte er sich über drei grundsätzliche Fragen im Klaren sein: welcher Zeitpunkt der günstigste ist, wo er seine Motive finden und welche Ausrüstung das Optimum darstellen wird.

Der richtige Zeitpunkt für Aufnahmen in der Natur hängt weitgehend davon ab, was man photographieren möchte. Auf einen strahlenden Sommertag muss man nicht warten, wenn das Wetter für die Aufnahme nur von untergeordneter Bedeutung ist. Wer beispielsweise am liebsten das Meer oder den Himmel photographiert, der wird ein heraufziehendes Unwetter bevorzugen. Möchte man hingegen die filigrane Struktur von Laubbäumen im Bild festhalten, so tritt diese am deutlichsten im tiefen Winter zutage, wenn die Blätter gefallen sind. Ein heller und bedeckter Himmel ist ideal, wenn die Farbenpracht von Blumen zum Ausdruck gebracht werden soll. Es gibt natürlich auch Beschränkungen, die dem Photographen durch bestimmte Motive auferlegt werden. Wer Bienen, nistende Vögel oder springende Lachse photographieren möchte, wird seinen Zeitplan dem ihren anpassen müssen. Für den Photoamateur kann die Empfehlung ausgesprochen werden, sich zunächst mit den leicht zugänglichen Motiven vertraut zu machen und dort die nötige Übung zu erwerben.

Intensive Naturbeobachtungen sind das A und O für aussagekräftige und beeindruckende Aufnahmen in der freien Wildbahn. Sind die technischen Fähigkeiten in Fleisch und Blut übergegangen, so kann der Naturphotograph damit beginnen, sein Arbeitsgebiet weiter auszudehnen und immer neue Herausforderungen anzunehmen. Fast überall gibt es Naturschutzgebiete, die keine allzu lange Anreise erfordern. Manche wurden eigens für die Erhaltung interessanter Formen der Pflanzen- und Tierwelt oder geologischer Formationen eingerichtet. Reservate für wilde Tiere gibt es nicht nur in Afrika, sondern praktisch in jedem Land.

Die am besten geeigneten Kameras für die meisten Motive in der Natur sind analoge oder digitale Spiegelreflexkameras mit Wechseloptik. Aber auch mit Kompaktkameras mit einem großen Zoombereich oder mit Bridgekameras gelingen atemberaubende Aufnahmen. Der Vorteil der Spiegelreflexkamera besteht darin, dass der Photograph durch das Objektiv das Bild genau im Sucher beziehungsweise auf dem Display erblickt, das auf den Film oder Chip kommt. Das erweist sich schon beim normalen Aufnahmeabstand als Vorzug, erst recht aber bei Nahaufnahmen und bei Aufnahmen über größere Entfernungen, wenn das Aufnahmeobjekt ohne die Vergrößerung des Teleobjektivs kaum auszumachen wäre. Die Vielseitigkeit der Spiegelreflexkamera wird durch ein breites Sortiment an Wechselobjektiven erhöht, die rasch angesetzt und ausgetauscht werden können. Für Nahaufnahmen gibt es spezielle Makroobjektive, die eigens für solche Aufgaben konstruiert sind; man kann aber auch Normalobjektive zusammen mit einfachen Zubehörteilen, wie Balgengeräten, Nahlinsen oder Zwischenringen verwenden. Für Gesamtaufnahmen von großen Objekten, wie Bäumen, großen Tieren oder Landschaften, gibt es ein großes und lückenloses Sortiment von Weitwinkelobjektiven bis zu Fisheyeobjektiven, die einen Blickwinkel von 180 Grad haben. Die lange Brennweite des Teleobjektivs macht es möglich, ferne Objekte, wie Tiere, groß genug zu erfassen, also „heranzuholen“, einen kleinen Ausschnitt aus einem nahen Motiv auszuwählen oder störende Hintergründe in Unschärfe aufzulösen - beispielsweise in einem Zoo die Gitterstäbe oder einen Zaun hinter einem Blumenbeet.

Obwohl analoge und digitale Spiegelreflexkameras sowie Kompakt- und Bridgekameras durch ihre Handlichkeit bestechen, wählen viele Photographen vor allem für Landschaftsaufnahmen ein größeres Format, nämlich das Mittelformat. Eine gewisse Unbequemlichkeit durch das größere Gewicht wird gerne in Kauf genommen, denn wenn es um sorgfältige Komposition und größtmögliche Detailschärfe geht, dann ist das Mittelformat einfach unschlagbar. Da das Bild nur von einem einzigen Spiegel reflektiert wird, bevor es auf die Mattscheibe gelangt, ist das Bild also seitenverkehrt. Das kann bei manchen Nahaufnahmen verwirren, besonders wenn man Tiere in Bewegung photographieren möchte; diese laufen dann auf der Mattscheibe in die umgekehrte Richtung. Wenn das Tier auf der Mattscheibe nach links läuft, muss der Photograph die Kamera nach rechts mitziehen. Für viele Modelle gibt es als Extrazubehör einen aufschiebbaren Prismensucher, in dem das Sucherbild seitenrichtig erscheint.

Die Natur hat unendlich viel zu bieten. Es lohnt sich auf die Photojagd zu gehen und das festzuhalten, was man gesehen hat. Auf das Auge kommt es in der Photographie an, und davon hat der Mensch bekanntlich zwei.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2007

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