Fototipp: Die Farbe rot

Fotografen lieben es, eine Farbe in ihren Aufnahmen in den Fokus zu rücken. Schlechthin als Farbe der Fotografen gilt rot. Als Signalfarbe ist sie von enormer Präsenz. Fotografen können mit ihr den Betrachter ganz gezielt durch ihre Aufnahme führen, wie es der „Blende“-Teilnehmer Jürgen Laudi in seinem Wettbewerbsbeitrag „Nonverbale Kommunikation“, die er zur thematischen Vorgabe „Schätze der Region“ einreichte, tut. Er entschied sich aber mit der Farbe Rot nicht nur für eine dominierende, sondern stellte dieser einen großen schwarzweißen Bildbereich gegenüber. Ein geschickter Schachzug! Durch diesen starken Kontrast gewinnen beide Bildelemente und machen das Werk so noch wirkungsvoller, interessanter für den Betrachter. Wie wichtig die Farbe Rot für die Aufnahme „Nonverbale Kommunikation“ ist, wird deutlich, wenn man sich statt ihrer die Frau in einem blauen, grünen oder beispielsweise gelben Mantel vorstellt.

Jürgen Laudi, nonverbale Kommunikation, Blende-Fotowettbewerb
Jürgen Laudi, „Nonverbale Kommunikation“ (Nordart 2015”, Kustausstellung in der Carlshütte, Rendsburg)

Warum ist Rot so beliebt?

Rot ist eine der Grundfarben und der Mensch, ob als Maler, Designer oder Fotograf, mischt sie mit anderen Farben, wie er gerade lustig ist – und wie der Modegeschmack es gerade vorgibt. Als Fotograf muss man zunächst wissen, dass Rot die kräftigste aller Farben ist. Naturfotografen lassen rote Objekte – eine Tulpe, einen gefleckten Käfer oder den glutroten Feuerball beim Sonnenuntergang – nicht irgendwo im Bild auftauchen, sondern setzen sie mit Bedacht dahin, wo ihre dominante Wirkung noch unterstrichen wird. Fotografen, die bewusst mit der Farbpalette arbeiten, achten auf die Gefühle, die Rot beim Betrachter weckt. Dabei ist zu beachten, wie die Farbe eingesetzt wird. Ein flächig verteiltes, abgestuftes, pastellartiges Rot steht für Wärme, für Geborgenheit, ja geradezu klischeehaft für Erotik. Ein scharf begrenztes rotes Objekt in einem Bild heißt: Achtung! Rot ist nämlich schon von Natur aus eine Signalfarbe.

So aufregend wie die Farbe Rot für den Fotografen ist, so wenig ist sie an irgendeine Disziplin in der Fotografie gebunden. In der Landschafts- und Naturfotografie stechen rote Objekte gegenüber dem vorherrschenden Grün oder Braun am deutlichsten hervor. Das kann der Sonnenball am Horizont sein, das Verkehrsschild an der einsamen Kreuzung oder die Rose im Garten, die als Königin der Blumen alles andere überstrahlt. Was trifft man nicht alles Rotes auf Reisen: Der Sand Australiens glüht auf Urlaubsbildern mit dem Sonnenbrand um die Wette. Rot ist der Barsch beim Tauchgang im Roten Meer und rot sind die Gewürztöpfe auf dem Markt in Indien. Wer gerne Menschen fotografiert, versucht zwar, rote Augen durch das Blitzlicht zu vermeiden – aber rote Lippen sind dafür seit Jahrtausenden ebenso der Blickfang schlechthin wie rote Stiefel.

Fotografen, die in ihren Fotografien auf die Wirkung der Farbe Rot setzen, können mit einem Polarisationsfilter wahre Wunder bewirken. Mit ihnen kann man die Präsenz von Farben, vor allem auch der Farbe Rot, schon bei der Aufnahme gut dosieren. Wer das zum ersten Mal ausprobiert, erlebt sein blaues, nein, rotes Wunder. Das Rot von Nachbars Ziegeldach im Sonnenlicht kann man dabei schon bei der Aufnahme in seiner Intensität entweder eher matt oder knallig erscheinen lassen.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2017

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