Feuerwerke ziehen die Blicke an

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“Feuerwerk”
Moritz Maler

Von dem Tag an, an dem die ersten Feuerwerkskörper den Himmel erleuchteten, bis zum heutigen, an dem bei größeren Feuerwerken tausende Feuerwerkskörper abgebrannt werden, sind bereits schon mehr als 600 Jahre verstrichen. Angefangen hat alles vor mehr als 1.000 Jahren mit der Erfindung des Schwarzpulvers im alten China. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts soll dann die Kenntnis vom Schwarzpulver von holländischen Seefahrern nach Europa gebracht worden sein. Die ersten Anfänge des Feuerwerks waren nicht friedlicher Natur, erst 1379 fand das erste „Freudenfeuerwerk“ in Europa statt. Anlässlich des Pfingstfestes wurde ein heiliges Ritual mit einer funken sprühenden Taube, die sich an einem Seil entlang bewegte, gefeiert. Die Blütezeit erlebte das Feuerwerk im Barock und Rokoko - es gab kaum Anlässe, die dem Adel zu gering waren, um nicht ein Feuerwerk - das ein Zeichen für Reichtum und Macht war - abzubrennen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es bereits zahlreiche Feuerwerksfirmen, bei denen nun, durch Entwicklungen in der chemischen Industrie, die Möglichkeiten, zu noch brillanteren und schöneren Feuerwerken gegeben waren. Während der Weltkriege gab es für die pyrotechnische Industrie viel zu tun, doch mit Kriegsende begannen die harten Zeiten für die Feuerwerksfirmen. Einige Jahre nach den Weltkriegen wuchs das Interesse an Feuerwerken erneut und bald gehörten sie wieder zum Programm großer Veranstaltungen und zum Jahreswechsel. Soviel zur Geschichte des Feuerwerks.

Der Wunsch eines jeden ist groß, das Feuerwerksschauspiel in Bildern festzuhalten. Feuerwerksbilder wollen geplant sein, sollen sie überzeugen. Für seine Mühen wird man mit außergewöhnlichen Aufnahmen von absoluter Einzigartigkeit entschädigt, denn der Inhalt dieser Photographien ist niemals mehr reproduzierbar.

Wer sich in der Dunkelheit aufmacht, ein Feuerwerk zu photographieren, sollte sich entsprechend ausrüsten. Eine kleine Taschenlampe ist unabdingbar, ein Stativ ebenso unentbehrlich, Draht oder Kabelauslöser helfen, Verwacklungen zu vermeiden. Da das Feuerwerk nur schwer vorhersehbar ist, muss mit einem vermehrten Verbrauch von Film oder Speicherkarten gerechnet werden, die Batterien und Akkus gehören geladen.

Die richtige Standortwahl entscheidet mit über gute oder schlechte Photos. Da Feuerwerke meist auf Übersichtsaufnahmen aufgenommen werden, ist ein erhöhter Standort von Vorteil. Ein Hügel, am Berghang, Balkone oberer Stockwerke oder ein Standort am Seeufer sind ideal.

Für gute Feuerwerksbilder sollte die Empfindlichkeit auf ISO 100 eingestellt werden. Digitalkameras neigen bei Erhöhung der Belichtungszeit zu Bildrauschen. Dieses wird durch lange Belichtungen verstärkt, weil sich der Sensor erwärmt. Viele Digitalkameras verfügen über einen Nachtmodus, die Belichtungszeiten sind dabei jedoch nicht lang genug. Außerdem wird dabei in der Regel der Blitz ausgelöst, um im Vordergrund stehende Motive auszuleuchten. Dies ist bei Feuerwerksaufnahmen eher störend - der Nachtmodus gehört also ausgeschaltet.

Silvester- und professionelles Feuerwerk garantiert bei Blende 8 bis 11 gute Ergebnisse. Eine kleine Belichtungsreihe ist immer ratsam, denn Faktoren wie Umgebungshelligkeit, Dunst und so weiter spielen eine Rolle.

Wie aber ist das mit der Belichtungszeit? Allgemein lässt sich dies nicht beantworten, denn das hängt vom Szenario ab. Eine Möglichkeit ist, die Umgebung des Feuerwerks völlig außen vor zu lassen und die Explosionen am Himmel als Hauptmotiv zu betrachten. Dabei wird die Kamera auf den entsprechenden Blendenwert eingestellt und der Verschluss, sofern es die Kamera zulässt, auf unbestimmte Zeit geöffnet. Die entsprechende Einstellung ist meist mit „B“ oder „bulb“ gekennzeichnet. Ist die gewünschte Anzahl von Raketen erreicht, wird der Verschluss wieder geschlossen. Diese Methode ist vor allem für Weitwinkelaufnahmen geeignet. Sie kann auch für professionelles Feuerwerk angewandt werden, wenn das Feuerwerk von einem Punkt aus in den Himmel gefeuert wird. Dann kann der Bildausschnitt entsprechend eng gewählt werden, die Umgebung fällt kaum ins Gewicht. Je länger die Verschlusszeit gewählt wird, desto flexibler kann man arbeiten und desto mehr Explosionen und Lichtspuren bekommt man auf ein Bild.

Digitale Kompaktkameras bieten oft als maximale Belichtungszeit nur eine Sekunde, was für einfache Feuerwerksaufnahmen ausreichend ist. Da das Aufsteigen der Raketen und die nachfolgenden Explosionen aber auch mehrere Sekunden dauern können, ist eine entsprechend längere Belichtungszeit besser. Gut ausgestattete Kameras lassen Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden zu. Bei einigen Modellen - vor allem bei Spiegelreflexkameras - bleibt der Verschluss durch permanentes Drücken des Auslösers oder des Fernauslösers beliebig lang geöffnet. Der Fernauslöser ist hierbei die bessere Lösung, da man die Kamera nicht berühren muss und die Aufnahmen so auch nicht verwackeln.

Eine andere Methode ist, bildbestimmende Teile des Photos, wie Burgen, Schlösser, Kirchen oder beleuchtete Stadtsilhouetten, korrekt zu belichten. Die Belichtungszeit richtet sich dann nach diesen Bildteilen, das Feuerwerk muss dann eben in dieser Zeit an der richtigen Stelle aufleuchten. Dabei benötigt der Photograph ungleich mehr Filmmaterial oder Speicherkarten, schließlich kann der Verschluss der Kamera nicht einfach länger geöffnet bleiben, bis die Raketen im Bild sind.

Der bei Feuerwerk aufsteigende Pulverdampf kann dichte Schwaden ins Bild bringen, die das Auge in der Nacht gar nicht so sehr wahrnimmt. Da sich die Rauchschwaden immer mehr verdichten, empfiehlt es sich, gleich zu Beginn des Feuerwerks zu photographieren. So sind zumindest die ersten Bilder rauchfrei.
 

Fotografieren in der Praxis 12 / 2006

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