Die ganze Welt der Bilder - Was passiert mit meinem Film im Großlabor?

Großlabor Bildgalerie betrachten Prophoto

Am Ladentisch beim Photohändler oder im Kaufhaus bricht der Kontakt mit unserem belichteten Film beziehungsweise Filmen ab. Gespannt warten wir nun auf unsere Bilder, entweder rund eine Stunde, wenn die Filmentwicklung und die Bilder vor Ort ausbelichtet werden, oder aber ein paar Tage, wenn die Dienstleistung über Großlabore erfolgt. Welchen Weg unser Film dann geht, zeigen wir im folgendem auf.

Nur wenige Hobbyphotographen kennen das Großlabor, in dem ihre Bilder entwickelt werden, denn die Kunden des Labors sind Photohändler, Drogisten und Portraitstudios oder große Kaufhausketten. Dort geben wir unsere Filme ab und von da aus gehen sie ins Großlabor. Hier werden die Filme von Photolaboranten maschinell zu einem Band von 600 Metern Länge zusammengeklebt werden. Auch wenn Hobbyphotographen auf der photokina schon die großen Printmaschinen gesehen haben, so ist den wenigsten bekannt, daß sie mit Photopapierrollen von 800 Metern Länge beschickt werden. Die Filmbänder und Photopapierrollen bilden das Herzstück der Ablauforganisation.

Das Großlabor ist im Prinzip ähnlich aufgebaut wie eine Dunkelkammer bei uns zu Hause, nur daß hier statt einer Entwicklerdose ein neun Meter langer Entwicklungstank steht. Diesen Tank durchläuft das lange Filmband, nachdem die Filmpatrone vom "Splicer", einer Filmöffnungsmaschine, geöffnet wurde. Von da ab bis zum abschließenden Eintüten durchläuft das Filmband einen computergesteuerten Weg, ohne mit Menschenhand in Berührung zu kommen.

Wir schauen einer Mitarbeiterin zu: Vor ihr laufen drei Bildschlangen mit 10 x 15 cm-Hochglanzabzügen aus der Maschine. Mit einem Fettstift markiert sie unscharfe und falsch belichtete Prints, die später automatisch herausgeschnitten werden. Keine Aufnahme entgeht ihrem geübten Blick. Wir möchten wissen, wie viele Mitarbeiter in diesem Betrieb beschäftigt sind. Wir erfahren dabei etwas über die saisonale Auslastung eines Großlabors: Hoch-Zeit ist, wen wundert es bei einem so reisefreudigen Volk wie uns Deutschen, kurz nach der ersten Hälfte der großen Ferien. Je nach dem, wie die Ferien in den Nachbarländern liegen, "kommt nach der zweiten Reisewelle noch eins drauf", informiert der technische Leiter. Zu Spitzenzeiten arbeiten 200 Personen im Dreischichtenbetrieb, Tag und Nacht. Im Dezember sind es knapp die Hälfte, die im Zweischichtenbetrieb arbeiten. Und dann gibt es noch die "kleinen Spitzen zwischendurch": Nach einem Schönwetter-Wochenende steigt die Zahl der Aufträge um 15 bis 20 Prozent. Angesichts solcher Schwankungen erahnt man die große unternehmerische Leistung, die darin liegt, immer die erforderlichen Personalkapazitäten einzuplanen. Denn immer, auch zur höchsten Produktions-Spitze, werden geringste Lieferzeiten gewünscht. Also der Verbleib der Filme und Abzüge im Betrieb wird zeitlich auf das absolute Minimum reduziert. Und permanente Staubbekämpfung ist im Großlabor oberstes Gebot. Besucher staunen, wenn die Filmbänder und Photopapierschlangen ihre Wege hinter sich haben und der richtige Film und die richtigen Abzüge passend in der richtigen Tüte landen. Für die Mitarbeiter im Labor ist das alltägliche Routine, für uns faszinierend. Das "Wunder" ist jedoch leicht verständlich: Die Filme werden aneinandergeklebt und numeriert. Die Steuerungscomputer lesen diese Nummer und sorgen für eine Parrallelschaltung der Laufwege, also dafür, daß Filme und Bilder am Ende in der gleichen Tüte zusammenkommen. Zu Vertauschungen kommt es praktisch nie.

Während des Rundganges erfahren wir sehr viel über die Vorlieben der Hobbyphotographen, etwa, daß sie eine glänzende Oberfläche und das Format 10 x 15 cm bevorzugen. Und 99 Prozent der Belichtungen sind technisch einwandfrei, ein Umstand der auf die Fortschritte in der Kameratechnologie zurückgeführt wird.

Letzte Station des Rundgangs: Die Versandabteilung, mit ihren unzähligen Fächern und Säcken, gekennzeichnet mit Namen von Städten und Kunden, erinnert an Sortieranlagen großer Postämter. An der Wand hängt eine Deutschlandkarte mit sternförmig ausgehenden Linien, die eine ausgeklügelte Logistik verraten, die mit eigenen LKWs und hunderten von Fremdkurieren für kurze Lieferzeiten realisiert wird. Abends zwischen 19 und 20 Uhr und morgens zwischen 5 und 6 Uhr ist hier was los. Tausende von Aufträgen erreichen noch am selben Tag, an dem der Kunde den Film abgegeben hat, die Anlieferungsrampe, um am nächsten Morgen schon wieder auf dem Weg zum Auftraggeber zu sein.

Prophoto Tip
Die Auftragstasche, die Sie bei der Filmabgabe ausfüllen, ist das einzige "Verständigungsmittel" zwischen den Endverbrauchern und dem Großlabor. Eindeutige Angaben sind deshalb absolut wichtig. Hinweise wie "Abzüge nur von den guten Bildern" nützen nichts: Der Computer kann sie nicht "verstehen". Im Falle von irrtümlichen Doppelankreuzungen bei den Formatangaben wird meist automatisch das größere Format ausgedruckt, weil das größere Format das photographisch bessere ist. Der "Splicer" zieht die Filmlasche automatisch in die Patrone, bevor sie geöffnet wird. Deshalb ist es überflüssig, sie draußen zu lassen.
 

Fotografieren in der Praxis 06 / 2004

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