Filmtypen - Ein Leitfaden

Filmtypen - Ein Leitfaden
Früher gab es in Fotogeschäften riesige Regale, in denen sich Filmpackung an Filmpackung reihte. Der kundige Verkäufer kannte alle Filme mit ihren Eigenheiten und der Fotograf überlegte, ob er nun lieber einen neutralen Diafilm oder einen mit satteren Farben nehmen sollte. Die großen Regale gehören heute der Vergangenheit an, aber Filme, die gibt es noch. Ein kleiner Leitfaden über Filmtypen und -größen.

Die Fotografie mit Filmen ist zu einem Nischengeschäft geworden. In Zeiten der Digitalfotografie zählen eher Bits und Bytes als Negative und Diarahmen. Die Zahl der Filmhersteller ist deutlich kleiner geworden als früher, große Marken sind ganz verschwunden. Aber in einem wieder aufstrebendem Segment mit einem Anflug von Nostalgie sind nach wie vor Filme nachgefragt.

Es gilt zunächst einmal, die Filmtypen zu unterscheiden, drei an der Zahl. Da ist zum ersten der klassische Schwarzweißfilm. Der liefert ein Negativ, von dem sich später Abzüge machen lassen. Im eigenen Labor im Bad oder Keller ist das kein Hexenwerk. Schwarzweißfilm ist die älteste aller bekannten Filmsorten, wenn man von ganz frühen Versuchen absieht. Und diese Filme sind nach wie vor erhältlich.

Was seit den 1970-er Jahren jeder kannte und im Schnitt so etwa dreimal im Jahr in die eigene Kamera einlegte, ist der Farbnegativfilm, meist kurz als Farbfilm bezeichnet. Er wird in einem standardisierten Prozess, C-41 genannt, entwickelt. Auch dabei erhält der Fotograf zunächst Negative, von denen dann Abzüge gemacht werden können. Auch eine C-41-Entwicklung im Heimlabor ist möglich, im Idealfall mit einer kleinen Entwicklungsmaschine, die die Prozesstemperatur von 39 Grad konstant einhält. Bis vor wenigen Jahren konnte C-41 überall auf der Welt fast an jeder Ecke in einem Minilabor entwickelt werden. Das Erstellen der Abzüge von den Negativen war eine Aufgabe für riesige Belichtungsmaschinen, die tausende Bilder in der Stunde ausspuckten. Wer das zu Hause machen wollte, einen Farbabzug vom Farbnegativ erstellen, der brauchte Geduld, weil das Treffen der richtigen Farbe mit allerhand Unwägbarkeiten verbunden war.

Berühmt-berüchtigt vom Diaabend ist der dritte Filmtyp, der Diafilm, oft auch Farbumkehrfilm genannt. Er liefert ein Positiv, also ein Bild in Größe des Films, bei dem die Farben und alles schon einmal stimmen. Auch der Diafilm wird in einem standardisierten Prozess entwickelt, für den es verschiedenen Namen, je nach Hersteller, gibt. Bekannt war Kodaks E-6-Entwicklungsprozess, für das Heimlabor gibt es einen vereinfachten Dreibadprozess, der heute noch erhältlich ist und bei richtiger Verarbeitung ebenso perfekte Ergebnisse liefert. Diafilme haben den entscheidenden Vorteil, dass die Farben unbestechlich korrekt auf dem Film wiedergegeben werden. Während es beim Erstellen von Abzügen vom einem Negativ viel Spielraum für die Farbgebung gibt, fällt dieser Schritt beim Diafilm ja weg. Und es gilt nach wie vor: Ein auf eine große Leinwand projiziertes Dia kann noch immer jedem Beamer Konkurrenz machen.

Neben diesen drei Grundtypen gibt es noch einige Spezialfilme. Der bekannteste dürfte Kodachrome sein, ein Farbdiafilm, der in einem aufwändigen K-14-Prozess mit 14 verschiedenen Bädern in Speziallabors entwickelt wurde. Wer noch einen Kodachrome-Film findet, kann ihn in die Vitrine stellen, am 30. Dezember 2010 wurde nach 74 Jahren der letzte Kodachrome-Film in einem Labor (Dwayne’s Photo) in Kansas/USA entwickelt. Kodachrome-Filme zeichneten sich durch große Schärfe und Farbbeständigkeit aus, viele der berühmtesten Farbfotos bis in die 1990-er Jahre wurden auf Kodachrome fotografiert. Ebenfalls vom Markt verschwunden sind Tungsten-Filme für Fotolampen mit warmem Licht (dieser Film hatte quasi den richtigen Weißabgleich eingebaut). Allerdings können diese Filme nach wie vor noch entwickelt werden.

Dagegen ist ein Spezialfilm heute noch erhältlich, der Ilford XP2 beziehungsweise Kodak BW 400 CN. Das ist ein Schwarzweißfilm, der wie ein Farbfilm in C-41 entwickelt wird. Da für Schwarzweißfilme die Verarbeitung für jeden Filmtyp angepasst werden muss, ist es schwierig, diese in großen Labors entwickeln zu lassen. C-41 ist dagegen ein immer gleicher Prozess. Die Abzüge davon sollten dann aber auf klassisches Schwarzweißpapier gemacht werden, sonst gibt es ein Farben-Roulette.

Neben dem Filmtyp gibt es noch ein bedeutendes Unterscheidungsmerkmal: Die Filmgröße. Und damit ist nicht die Länge gemeint, die mal 24 oder 36 Bilder sein kann. Neben einigen Spezialformaten wie Pocket oder Disc (allesamt nicht mehr erhältlich) gibt es auch hier drei grundlegende Größen.

Die bekannteste dürfte der Kleinbildfilm sein. Unempfindlich verpackt in einer metallenen Dose war er über Jahrzehnte das Mittel der Wahl für Amateure, aber auch für Reporter. Im Englischen heißt dieser Film übrigens nicht „small“ oder etwas ähnliches, sondern wird nach seiner Breite benannt: 35 Millimeter.

Eine ganze Nummer größer und auch nicht so sicher verpackt ist der Mittelformatfilm. Knapp sechs Zentimeter breit (exakt 56 Millimeter Bildformat), war er vor dem Kleinbildfilm da und wurde in zwei Größen ausgeliefert: 120 und 220. Und damit ist dieses Mal die Länge gemeint. Ein 220er-Film ist knapp doppelt so lang wie ein 120er, allerdings ist das Format 220 heute praktisch nicht mehr erhältlich. Während beim Kleinbild das Format des Bilds meist gleich ist (24 mal 36 Millimeter), kann es beim Rollfilm ganz unterschiedlich sein. Von 6 mal 4,5 cm bis 6 mal 9 cm.

Das größte Filmformat schließlich sind Planfilme, ein Bogen ein Bild. Und da gibt es dann Negative, die mitunter so groß wie ein Schulheft sind. Planfilme sind für Laufboden- oder Balgen-Kameras gemacht, diese riesigen Geräte, bei denen der Fotograf den Kopf unter ein Tuch steckt, um auf der Mattscheibe das Bild sehen zu können. Planfilme (englisch „sheet film“) sind nach wie vor erhältlich und hängen bezüglich Auflösung noch fast jede Digitalkamera locker ab.

Ein Spezialgebiet sind dann noch die Sofortbildfilme. Polaroid hatte diesen Filmtyp groß gemacht, tatsächlich setzten aber auch viele Profifotografen Sofortbild ein, allerdings im Planfilmformat. Damit ließ sich überprüfen, ob bei aufwändigen Produktionen Licht und Schärfe stimmten. Sofortbildfilme sind nach wie vor erhältlich, von allen Filmtypen aber wahrscheinlich die kleinste Nische, die sich jedoch seit rund drei Jahren einer verstärkten Nachfrage erfreut.

Ganz verschwunden ist inzwischen dagegen das Filmformat APS, das einst angetreten war, Kleinbild zu ersetzen. Allerdings erwies sich hierbei das zu kleine Negativformat als Hindernis und dann kamen auch schon die Digitalkameras auf den Markt. 2011 wurde die Produktion von APS-Filmen eingestellt. Hin und wieder sind dagegen noch Filme für das Mini-Format Minox erhältlich. Dabei handelt es sich meist um unkonfektionierte Kleinbildfilme.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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