Foodfotografie - Foodies zeigt her Euer Essen

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© Fotograf: Rainer Dindas, Schoko-Maracuja-Kuchen, Photoglobus

Quasi im Sekundentakt werden Aufnahmen von mehr oder weniger köstlichen Gerichten gepostet und/oder per Mail an Freunde verschickt, um sie an den Leckereien teilhaben zu lassen. Da geht es süß mit der Sahnetorte ebenso zu wie blutig mit einem saftigen Steak bis hin zum opulenten Salatteller, der die Augen der Vegetarier zum Leuchten bringt. Gerade, wenn das Essen schön angerichtet ist oder auch kurios anmutet, so verführt dies, diese kulinarischen Genüsse bildlich festhalten zu wollen. Aber auch eine Schale mit Pommes rot/weiß motiviert, den Auslöser zu betätigen – es macht einfach Spaß, Essen zu fotografieren. Schnell muss es natürlich gehen, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn das Eis vor der Nase zerläuft, die Salatblätter beim Fotoshooting welken oder der dampfende Schweinebraten erkaltet.

Dass die fotografische Liebe in puncto Essen nicht abebbt, ist sicherlich auch den Smartphones als „Immer-Dabei-Kamera“ zu verdanken. Sie bieten den großen Vorteil, dass die Aufnahmen unmittelbar in die Welt hinausgetragen werden können, die dann in sozialen Netzwerken entsprechend kommentiert werden. Die Fotografen und Hochlader nennen sich übrigens selbst gern „Foodies“ und sie sind verrückt danach, Essen zu fotografieren, und zwar nicht nur das fertige, sondern auch dessen Zubereitung. Wie zu lesen ist, ist für manche Foodies das Essen wichtiger als Sex – das aber nur am Rande.

Dass Extreme Gegenbewegungen auslösen, ist sicherlich nichts Neues und so haben die Foodies nicht nur Befürworter. Gegner der Foodies werfen ihnen Exhibitionismus vor und sprechen sogar von Food-Pornografie. Die Kritiker stören sich daran, dass durch die Bilder beispielsweise Neid geweckt wird, aber auch den Bildbetrachtern Unzulänglichkeiten der eigenen Kochkunst aufgezeigt werden. Hinzu käme vielfach die Glorifizierung von ungesundem, kalorienreichem Essen, das verführen würde. Andere wieder sehen in den Aufnahmen die Überschreitung der Intimgrenzen, denn Essen sei schließlich – wie Sex – Privatsache.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, warum Essen überhaupt fotografiert wird. Eva Barlösius, Professorin an der Universität Hannover und Autorin des Buches „Soziologie des Essens“, vertritt die Ansicht, dass man mit den Aufnahmen seine kulturellen Kenntnisse zum Besten geben möchte und „gutes Essen“ zu würdigen weiß. „Essen“, so Eva Barlösius, „ist ein Thema, das mit reflektierender, moralischer Lebensführung verbunden wird. Gleichzeitig zeigt man, dass man zu einer sozialen Schicht gehört, die dieses Gesprächsthema überhaupt beherrscht. Mit den Fotos zeigen wir, wie die anderen uns sehen sollen“. Aus diesem Blickwinkel heraus haben wir diese Art der Foodfotografie noch nicht betrachtet.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2014

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