Foodfotografie: Fotografieren in Kneipen, Restaurants …

© Fotograf: mari bu, appetitliche vielfalt, Photoglobus
© Fotograf: mari bu, appetitliche vielfalt, Photoglobus
Essen zu fotografieren ist absolut beliebt. So mancher Wirt zeigt sich darüber mittlerweile so genervt, dass er in seinen Räumlichkeiten das Fotografieren sehr zum Ärger seiner Gäste verbietet. Für diese erschließt sich der Grund des Verbotes nicht, denn werden beispielsweise diese Aufnahmen in sozialen Netzwerken gepostet, so können sie auch tolle Werbung für den Wirt sein. Wie sieht es aber mit der Rechtsprechung aus – darf ein Wirt das Fotografieren seiner Speisen verbieten? Die Rechtsanwälte Wilde, Beuger, Solmecke haben uns ihre Ausführungen auf ihrer Homepage http://www.wbs-law.de, für unsere User zur Verfügung gestellt.

Verbot des Fotografierens aufgrund des Urheberrechts

Der Wirt könnte wegen des möglichen Urheberrechtsschutzes für seine Speisen berechtigt sein, ein solches Verbot auszusprechen. Das Urheberrecht schützt alle möglichen Werke. Voraussetzung ist dabei stets, dass etwas geschaffen wurde, das einen kreativen oder künstlerischen Wert hat. Es muss eine gewisse Schöpfungskraft erkennbar sein, eine sogenannte Schöpfungshöhe erreicht werden. Wann eine solche Schöpfungshöhe erreicht wird, ist eine Frage des Einzelfalls.

© Fotograf: Rainer Dindas, Fruchtsalat, Photoglobus
© Fotograf: Rainer Dindas, Fruchtsalat, Photoglobus
Beim Anrichten von Speisen würde man wohl nur von einem Werk sprechen, wenn die Anrichtung des Essens so außergewöhnlich kreativ ist, dass ausschließlich ein bestimmter Starkoch zu einer solchen Anrichtung fähig ist. Denkbar ist ein solcher Fall auch bei der Zubereitung des Essens im Rahmen einer Kochweltmeisterschaft. Eine außergewöhnliche und spektakuläre Anrichtung wird beim Besuch in einem gewöhnlichen Restaurant kaum angenommen werden können. Würde man zudem die bloße Anrichtung des Essens als eine Art Kunstwerk ansehen, würde dies noch ganz andere Probleme aufwerfen. Kunstwerke dürfen grundsätzlich nicht verändert werden. Das Essen wird jedoch regelmäßig zum Verspeisen angerichtet, was einer Vernichtung des Kunstwerkes gleichkäme. An dieser Stelle würde das Ganze schon sehr kuriose Züge annehmen.

Das Urheberrecht wird an anderer Stelle relevant. Nämlich dann, wenn ein Foto, das ein Gast vom Essen gemacht hat, später vom Wirt für eigene Werbezwecke genutzt wird. Das Urheberrecht schützt an dieser Stelle nicht den Wirt, sondern den Gast. Der Gast hat durch das Fotografieren eine eigene Leistung erbracht, die durch § 72 UrhG geschützt wird. Lichtbilder werden auch ohne hohe Anforderungen an die Schöpfungshöhe geschützt. Stößt ein Wirt im Internet auf ein Foto, das von seinem Essen gemacht wurde und lädt dieser das Foto dann beispielsweise auf seiner eigenen Website hoch, verhält er sich unrechtmäßig. Hier kann der Gast, als Urheber des Fotos, gegen den Wirt vorgehen und eine Abmahnung aussprechen.

Verbot des Fotografierens durch AGB

© Fotograf: Tatjana Schmidt, Tortellet, Photoglobus
© Fotograf: Tatjana Schmidt, Tortellet, Photoglobus
Der Wirt könnte das Fotografieren der Speisen durch den Aushang wirksam vertraglich ausgeschlossen haben. Im Falle von Massenverträgen, wie sie in einer Gaststätte geschlossen werden, reicht für die wirksame Einbeziehung von AGB ein sichtbar platzierter Aushang. Der Aushang muss an einer geeigneten Stelle so angebracht werden, dass er dem Kunden ins Auge fällt und von ihm nicht übersehen werden kann. Dabei ist allerdings zu beachten, dass ungewöhnliche Regelungen, die ein Kunde an der Stelle nicht erwarten kann, nicht Teil des Vertrages werden. Das Verbot, die Speisen zu fotografieren, ist im Gaststättenbereich unüblich. Die Regelung ist an dieser Stelle für den Gast überraschend, sodass diese von Gesetzes wegen nicht in den Vertrag mit einbezogen wird. Ein vertraglich wirksames Verbot, die Speisen zu fotografieren, kann durch das bloße Aufhängen eines Schildes nicht angenommen werden.

Verbot des Fotografierens durch Ausübung des Hausrechts

© Fotograf: Rainer Dindas, Lachs auf Vollkornbratling an Zucchiniweinsoße, Photoglobus
© Fotograf: Rainer Dindas, Lachs auf Vollkornbratling an Zucchiniweinsoße, Photoglobus
Ein Wirt darf bestimmen nach welchen Regeln er seine Gäste bewirtet. Er kann im Rahmen seines Hausrechts bestimmen was erlaubt ist und was nicht. Gewährt er einer Person das Zutrittsrecht, steht es ihm frei, im Rahmen dieses Zutrittsrecht zu bestimmen was diese Person tun darf. Das Aufhängen des Schildes mit dem Verbot, die Speisen zu fotografieren, ist als Ausübung des Hausrechtes zu sehen. Die Möglichkeit der Kenntnisnahme des Verbots durch einen gut platzierten Aushang ist ausreichend. Wer das Verbot missachtet und trotzdem Fotografien anfertigt, verhält sich rechtswidrig. Der Wirt hat bei einer Verletzung seines Hausrechtes ein Unterlassungs-, Beseitigungs- und eventuell auch ein Schadensersatzanspruch. Somit kann dieser vom Gast bei Übertretung des Verbots verlangen, dass dieser das Foto löscht und gegebenenfalls auch die Räumlichkeiten verlässt.

Fazit: Das Fotografieren ist rechtlich gesehen ein komplexes Thema. Insbesondere in Zeiten von Facebook und Twitter wird man sich immer wieder mit Fällen auseinandersetzen müssen in denen sich Menschen gegen das übermäßige Posten aller möglichen Aktivitäten im Internet wehren.

(Quelle: http://www.wbs-law.de/urheberrecht/wirt-verbietet-gaesten-das-fotografieren-der-speisen-44461)

Fotografieren in der Praxis 02 / 2014

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden