Fotodrohnen: Sechs Regeln für sorgloses Fliegen

Auch wenn man kein Geld für solche Aufnahmen in einer Hotelanlage bekommt, fallen sie nicht mehr unter die reine Privatnutzung für Spiel und Spaß. Foto: Coptersale/Johannes Thor
Auch wenn man kein Geld für solche Aufnahmen in einer Hotelanlage bekommt, fallen sie nicht mehr unter die reine Privatnutzung für Spiel und Spaß.
Foto: Coptersale/Johannes Thor
Fotodrohnen, auch als Multikopter bezeichnet, werden immer beliebter und machen viel Spaß. Allerdings können sie ihren Besitzern auch viel Ärger und Kosten einbringen. In der Nähe von Hamburg etwa stürzte plötzlich ein mobiler Fotoflieger auf ein Auto. Zum Glück blieb es beim Blechschaden. Allerdings schlug dieser mit immerhin 1.500 Euro zu Buche. Damit solche oder noch schlimmere Probleme gar nicht erst auftreten, ist einiges zu beachten. Man fliegt nämlich auch als Privatperson keineswegs im rechtsfreien Raum, sondern muss sich an zahlreiche Vorschriften halten. Deren Unkenntnis schützt wie immer nicht vor Strafe und kann teuer werden.

1. Regel: Unterscheidung Spaß und Sport versus andere Einsatzzwecke

Wichtig zu wissen ist zunächst, dass zwischen privatem Einsatz für Spaß und Sport sowie anderen Zwecken, wie etwa der gewerblichen Nutzung, unterschieden wird. Werden Aufnahmen mit der fliegenden Kamera etwa für ein Hotel erstellt, dienen sie nicht nur dem eigenen Spaß oder der Sportausübung – auch, wenn sie von einer Privatperson unentgeltlich fotografiert wurden. Betreibt man das Fliegen und Fotografieren aber wirklich nur zum persönlichen Spaß und nutzt ein Fluggerät unter 5 kg, bestehen zum Glück deutlich weniger Vorschriften als für den gewerblichen Einsatz. Aber auch dann ist bei Weitem nicht alles erlaubt.

2. Regel: Flugort muss erlaubt sein

Wer Draußen beim Wandern seine Drohne ausführen möchte, sollte darauf achten, sie nicht in Naturschutzgebieten fliegen zu lassen. Foto: Coptersale/Phillip Hesse
Wer Draußen beim Wandern seine Drohne ausführen möchte, sollte darauf achten, sie nicht in Naturschutzgebieten fliegen zu lassen.
Foto: Coptersale/Phillip Hesse
Die Beschränkungen beginnen beim Flugort: Auch, wenn Luft keine Balken hat, ist es nicht erlaubt, seine Flugdrohne/seinen Multikopter überall starten und fliegen zu lassen. Beim Start von Privatgeländen – und das kann schon der Rasenbereich um eine Sehenswürdigkeit herum sein – ist vorher eine Erlaubnis des Grundstückbesitzers einzuholen. Auch nach dem Start ist das Fliegen nicht über jedem Ort und in jeder Höhe erlaubt. Wer etwa die tollen Starts und Landungen am heimischen Flughafen ablichten und mit den Großen um die Wette fliegen möchte, riskiert jede Menge Ärger. In Regionen von etwa 1,5 Kilometern rund um Verkehrsflughäfen ist die fliegende Kamera ohne spezielle Genehmigung nämlich nicht erlaubt. Achtung: Das Gebiet ist in der Regel kein simpler Kreis, so dass man sich bei Starts und Landungen in Flughafennähe eine entsprechende Karte besorgen sollte. Auch über dem Regierungsviertel in Berlin gibt es eine Flugverbotszone und in einigen Bundesländern ist es verboten, über Unfallgebiete und Atomkraftwerke zu fliegen. Und schließlich sind Naturschutzgebiete tabu. Davon gibt es übrigens mehr als viele denken. Und wer am liebsten in den Garten des Nachbarn fliegen möchte, sollte davon schon aus Rücksichtnahme wegen des nicht unerheblichen Lärms absehen. Auch bei der Flughöhe kann es Beschränkungen geben. Praktischerweise geht der Trend auf Herstellerseite dahin, Flugverbotszonen schon in der Software des Kopters zu hinterlegen, so dass man die Drohne gar nicht mehr in diese Bereiche steuern kann, sondern sie dann automatisch umkehrt. Bis das bei allen Geräten umfassend umgesetzt ist, ist aber dringend zu empfehlen, sich selbst etwas mit dem Luftrecht zu beschäftigen und im Zweifel lieber vorsichtig zu sein.

3. Regel: Fliegen nur auf Sicht und nicht über Menschen

Drohnen dürfen nur in Sichtkontakt geflogen werden. Foto: Coptersale/Roman Teufel
Drohnen dürfen nur in Sichtkontakt geflogen werden.
Foto: Coptersale/Roman Teufel
Ist man in der Luft, hören die Regeln aber keineswegs auf: Auf einem Festival etwa mal eben tolle Aufnahmen von oben zu machen, ist eine schlechte Idee. Das Fliegen über Menschenansammlungen ist aus Sicherheitsgründen mit gutem Grund generell verboten. Würde jemanden ein Fluggerät mit Kamera auf den Kopf fallen, könnte es schließlich sogar zu Todesfällen kommen. Auch muss der Kopter immer in Sicht bleiben und so gesteuert werden. Die bei den meisten Drohnen eingebaute GPS-Steuerung darf nicht autonom genutzt werden. Das ist nachvollziehbar: Man selbst würde sich ja auch höchst ungern Auge in Auge mit einem unkontrollierten Fluggerät sehen.

4. Regel: Zusätzlich generelle Vorschriften rund ums Fotografieren beachten

Und selbst, wenn man fliegen darf, heißt es lange nicht, dass auch das Fotografieren erlaubt ist. Das gilt zum Beispiel für die Aufnahmen von der sich nackt sonnenden Nachbarin auf deren Privatgrundstück ebenso wie für militärische Anlagen. Alle sonst geltenden Regeln und Vorschriften rund ums Bild von den Persönlichkeitsrechten bis hin zu Urheberrechten sind für die Luftaufnahmen natürlich auch zu beachten. In einigen Fällen wie etwa Aufnahmen „aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich einer Person“ – worunter etwa der Garten der sonnenden Nachbarin fällt – sowie militärisch relevanten Bereichen und Geräten kann sogar das Fotografieren schon strafbar sein und nicht erst das Veröffentlichen. Es droht eine Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Spätestens, wenn man die Bilder aber auf Facebook zeigt oder sonst wo ins Internet stellt, kann man viel Ärger bekommen und es drohen darüber hinaus Strafen.

5. Regel: Spezielle Haftpflichtversicherung nicht vergessen

Selbst wer sich an alle Regeln und Vorschriften hält, muss eine spezielle Haftpflichtversicherung für eventuelle Schäden abschließen. Haftbar ist man nämlich als Drohnenpilot auf jeden Fall und in der Regel greift die typische Privathaftpflichtversicherung bei solchen Schäden nicht. Thomas Götz-Basten vom Fairsicherungsladen Freiburg empfiehlt: „Prüfen Sie in Ihren Versicherungsbedingungen, ob der ‚Gebrauch von Luftfahrzeugen‘ mit versichert ist. Mir sind jedoch nur zwei Versicherungen bekannt, die dies kostenfrei tun.“ Ansonsten ist eine kostenpflichtige Erweiterung nötig oder Umstieg auf eine solche Privathaftpflicht-Versicherung zu erwägen. Letzteres ist der Profi-Tipp und oft die preisgünstigste Variante. Die Alternative sind Spezialversicherungen, die für die private Nutzung ab etwa 80 Euro/Jahr aufwärts erhältlich sind. Preisgünstiger wird es über Gruppenversicherungen von Modellflugverbänden wie der Deutschen Modellsport-Organisation oder Foto-Communities wie etwa Drohnen-Forum.de. Man sollte allerdings unbedingt auf die Versicherungsbedingungen im Detail achten, denn bei Modellflugverbänden sind Fotodrohnen oft explizit ausgeschlossen. Auch weitere Beschränkungen, wie etwa die auf nur ein einziges Fluggerät, können enthalten sein. Dann kann sich das vermeintliche Schnäppchen als teure Versicherungslücke entpuppen. Wer meint, eine solche Versicherung sei nur etwas für Angsthasen, sollte sich vor Augen führen, dass ein Unfall mit „Personenschaden“ – wie es im Versicherungsdeutsch so unschön heißt – durch lebenslange Rentenansprüche extrem teuer werden kann. Versicherungsprofi Götz-Basten empfiehlt daher, die Deckungssumme so hoch wie möglich zu wählen und dafür auch Mehrkosten in Kauf zu nehmen.

6. Regel: Üben, üben, üben

Ein Unfall ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn eine Drohne sicher zu beherrschen, ist nicht so einfach. Der erfahrene Kopterpilot Johannes Thor etwa warnt: „Moderne Drohnen wiegen einen oft in falscher Sicherheit, weil die Kopterposition dank GPS automatisch gehalten wird und man denken könnte, das sei auf das eigene Können zurückzuführen. Reißt das GPS-Signal jedoch ab, wie es etwa im Funkschatten von Gebäuden schnell passieren kann, muss man selbst die Steuerung übernehmen. Ich empfehle daher allen angehenden Kopiterpiloten Flugübungen auf einer unbelebten Wiese oder einem Modellflugplatz, bis man sein Gerät sicher auch manuell beherrscht.“

Die vielen Regeln trüben den Fotodrohnen-Spaß zwar auf den ersten Blick, stellen aber sicher, dass die Freude am Fliegen für einen selbst und uns alle auch langfristig erhalten bleibt. Von daher ist allen Piloten der fliegenden Kameras dringend die Beachtung empfohlen.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2014

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8 Kommentare

Prima Angaben von euch Danke

Hakan Kücükoglu

von Hakan Kücükoglu
17. Juli 2017, 05:33:00 Uhr

Wenn der gesunde Menschenverstand funktionieren würde, dann gäbe es kaum Probleme. Leider ist es aber nicht so, da jeder auf Aktion aus ist. Das ist doch geil ein paar Unfallfotos zu machen, egal, ob es dem Verletzen gefällt in so einer Lage gefilmt zu werden oder die Rettungskräfte massiv behindert werden. Trotz Menschenverstand und gesetzlicher Regelung fliegt gerade eine Drohne Kreise über meinem Grundstück, deshalb habe ich mal nach den gesetzlichen Grundlagen geschaut und bin auf diesen Artikel gestoßen. So wie die Drohne flog, sicher nicht auf Sichtweite, sondern per Kamera. Wer weiß, ob ich nicht nachher im Internet zu betrachetn bin. Soviel zu den gesetzlichen Regelungen und dem gesunden Menschenverstand. Dabei ist das mit dem gesunden Menschenverstand ganz einfach : 1. Was würde passieren, wenn es jeder machen würde. Und 2. Würde es mir gefallen, wenn mir das jemand antun würde ??!! Es wird Zeit, dass weniger nur an sich gedacht wird und mehr das Umfeld wahrgenommen wird ! Habt Spaß mit den Teilen aber denkt daran, ihr seid nicht allein !! Gruß Werner

Werner Schmidt

von Werner Schmidt
11. Juni 2017, 17:39:34 Uhr

Ich beschäftige mich auch damit so eine Drohne zu kaufen, aber ich stelle immer mehr fest, dass die Regularien einen immer mehr einschränken. Gut, über Menschenansammlungen, über Unfallgebiete usw. ist es schon richtig dass man da keine Aufnahmen aus Sicherheitsgründen sowie des Persönlichkeitsrechts machen darf. Eigentlich kann man mit einem gesunden Menschenverstand auch darauf kommen. Auch die Verbotszone um Flugplätze sind akzeptabel. Aber was immer mehr stört sind die ganzen Beschränkungen wenn man in der "Pampa" fliegen will. Im Moment sagt man 100m hoch und 300m weit, auch wenn man die Drohne und alles noch gut sehen kann. Weiter und höher ist nicht mehr. Was soll man denn mit den ganzen Regulaieren dann noch alles machen? Da geht doch nichts mehr wirklich. Möchte man in die Berge und tolle Aufnahmen machen dann klappt es nicht wegen diese Beschränkungen. Lohnt es sich überhaupt noch so ein Gerät zu kaufen? Die jetzigen Regularien sind nur vorübergehend, wer weiß was noch kommt. Bin da ein wenig hin und her gerissen was den Kauf angeht

 Daniel

von Daniel
08. Januar 2017, 12:55:46 Uhr

Ich finde das Thema äußerst interessant. Viele wissen gar nicht über diese Regeln bescheid. Zum anderen ändern sich diese Regeln auch sehr häufig. Man sollte nämlich auch eine Quadrocopter Versicherung abschließen. Ich hab mal eine aktuelle [url=http://quadrocopterkaufen.org/quadrocopter-kaufen-ratgeber/flugerlaubnis-und-genehmigung/]Seite[/url] rausgesucht, die alle aktuellen Informationen zusammenfasst.

Michi

von Michi
21. November 2016, 23:06:38 Uhr

Ich kann mich Johny nur anschließen, ich werde meine Drohne wieder verkaufen. Eigentlich darf man ja gar nix, man muß schon fast ein Jurist sein um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Es sollten die Verkäufer dieser Geräte verpflichtet werden Kunden vorab über diesen Irrsinn aufzuklären. Aber wer kauft dann schon noch so ein Fluggerät!

Hans

von Hans
27. Oktober 2015, 10:11:07 Uhr

In Deutschland muss mann für alles zahlen. Die Versicherungen verdienen ihr Geld. Heut zu Tage, ist es nichts erlaubt, also ich fühle mich wie im Knast. Wozu dann so ein Teil kaufen, wenn ich den nirgendwo einsetzten darf. Auf Flugplätze macht es kein Spaß zu fotografieren. Es sei lieber im Stadt oder die Natur zu Filmen als spezielle Flugplätze. Ärgerlich

Johny

von Johny
06. September 2015, 21:28:37 Uhr

Danke für diesen Beitrag! Bei den Versicherungsbedingungen muss übrigens unbedingt darauf geachtet werden, dass zum Beispiel Waypoint- und Follow Me funktionen erlaubt und gedeckt sind! das bieten nur wenige versicherungen an, zum beispiel die hier: http://drohnen-versichern.de/versicherungsumfang-private-drohnen-haftpflicht/

Hans Dremel

von Hans Dremel
11. August 2015, 13:20:11 Uhr

Wenn bald auch so eine Drohnen Map bei uns zur Verfügung steht, würde das sicher einigen helfen

Matthias

von Matthias
05. Mai 2015, 14:41:17 Uhr

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