Was versteht man in der Fotografie unter Bewegungsunschärfe?

Welche Möglichkeiten von unscharfen Bewegungen gibt es

Gewollte Unschärfe eine scharfe Sache

Unscharfe Bilder sind in der Regel ein Fall für die Löschtaste oder den Papierkorb. Meist handelt es sich dabei um fehlerhaft fokussierte oder um verwackelte Fotos, die so nicht beabsichtigt waren. Es gibt aber auch Formen der Unschärfe, die durchaus gewollt sind – hier spricht man von Bewegungsunschärfe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unscharfe Bewegungen aufs Bild zu bekommen. Wichtig ist, dass bei aller Bewegungsunschärfe es in der Aufnahme einen scharfen Bereich gibt.

Wie fotografiert man ein Objekt, das sich bewegt?

© Fotograf: Volker Dörflinger, Am Triberger Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb
Volker Dörflinger, Am Triberger Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb

Meistens bewegt sich das zu fotografierende Objekt selbst. Wie dies aber in Bildern einfangen? Der einfachste Weg ist, die Kamera festzuhalten und die Verschlusszeit so hoch zu setzen, dass dadurch die Bewegung im Bild sichtbar wird. Dieses Verfahren kann beispielsweise angewandt werden, wenn es darum geht, fließendes Wasser abzubilden. Eine Verschlusszeit von etwa 1/15 Sekunde oder länger liefert bereits entsprechende Ergebnisse, das Wasser fließt auch im Foto.

© Fotograf: Corinna Siems, Island-Wasser und Eis, Blende-Fotowettbewerb
Corinna Siems, Island-Wasser und Eis, Blende-Fotowettbewerb

In den meisten Fällen wird dafür ein Stativ nötig sein, damit die Aufnahme nicht auch noch verwackelt. Es empfiehlt sich außerdem, eine niedere ISO-Empfindlichkeitseinstellung zu wählen. Jede Stufe in der Empfindlichkeit nach oben halbiert die mögliche Verschlusszeit. Eine entsprechende Verlängerung der Verschlusszeit lässt sich ansonsten nur noch über die Blende steuern. Je weiter die Blende geschlossen wird (also je höher die Blendenzahl), umso länger wird die Zeit, die für eine korrekte Belichtung benötigt wird.

© Fotograf: Josef Graf, nah dran, Blende-Fotowettbewerb
Josef Graf, nah dran, Blende-Fotowettbewerb

Und richtig belichtet werden sollen ja auch die Aufnahmen, die mit langer Zeit aufgenommen werden. Die große Schärfentiefe, die eine weit geschlossene Blende mit sich bringt, ist dabei eher zu vernachlässigen, der Hintergrund wird ja durch die Bewegung eh unscharf.

Bewegungsunschärfe durch vertikales Verschieben

© Fotograf: Andres Gasser, Impressionen im Aachener Wald, Blende-Fotowettbewerb
Andres Gasser, Impressionen im Aachener Wald, Blende-Fotowettbewerb

Insbesondere in der Landschaftsfotografie sehr beliebt, ist die Wahl einer langen Verschlusszeit und dann die Kamera während der Aufnahme vertikal zu verschieben.

In der Streetfotografie ein sehr beliebtes Stilmittel

© Fotograf: Karsten Meier, Zwinger in Bewegnung, Blende-Fotowettbewerb
Karsten Meier, Zwinger in Bewegnung, Blende-Fotowettbewerb

Bewegungsunschärfe ist insbesondere in der Streetfotografie ein sehr beliebtes Stilmittel, um Menschen unkenntlich zu machen und damit u.a. den Urheberrechtsbestimmungen zu entsprechen aber auch, um die Hektik in den Städten zu visualisieren.

Graufilter (ND-Filter) für längere Belichtungszeiten am Tag

Wenn allerdings im gleißenden Mittagslicht fotografiert wird, dann kann es auch für wenig Empfindlichkeit und weit geschlossene Blende noch zu hell sein. Abhilfe schafft in so einem Fall ein neutrales Graufilter. Diese gibt es in verschiedenen Abstufungen für nahezu alle Objektivdurchmesser.

Mitziehen der Kamera

© Fotograf: Jochen Fischer, Pferderennen, Blende-Fotowettbewerb
Jochen Fischer, Pferderennen, Blende-Fotowettbewerb

Etwas herausfordernder wird es, wenn man nicht über ein aktuelles Kameramodell verfügt und als Fotograf die Kamera mit dem bewegten Objekt mitzieht. Dann wird das Hauptmotiv scharf abgebildet, der Hintergrund verwischt. Glück hat derjenige, der ein Stativ aufbauen und beispielsweise den zu fotografierenden Fahrradfahrer, Motorradfahrer oder Autofahrer zig Mal an der gewünschten Stelle vorbeifahren lassen kann.

© Fotograf: Jürgen Laudi, Wer bremst, hat verloren., Blende-Fotowettbewerb
Jürgen Laudi, Wer bremst, hat verloren., Blende-Fotowettbewerb

Ist das Stativ gerade aufgebaut, kann die Kamera einfach in Bewegungsrichtung des Objekts gedreht werden. Wesentlich flexibler ist man allerdings, wenn man freihändig oder beispielsweise auch mit einem Einbeinstativ arbeitet. Für alle gilt: Die Geschwindigkeit und deren Bildwirkung muss geschätzt werden, um die optimale Verschlusszeit wählen zu können. Dafür bedarf es einiger Übung.

Hintergrund in Unschärfe verwischen

© Fotograf: Michaele Schönberg, Ironman 2015, Blende-Fotowettbewerb
Michaele Schönberg, Ironman 2015, Blende-Fotowettbewerb

Eine andere Möglichkeit, den Hintergrund zu verwischen ist, die gleiche Geschwindigkeit wie das Hauptobjekt einzunehmen. Als Fotograf könnte man quasi nebenherlaufen. Da dies aber nicht praktikabel bis unmöglich ist, wird man auf einen fahrenden Untersatz umsteigen müssen. Und da man sich als Fotograf auf die Aufnahme konzentrieren sollte, braucht man Unterstützung durch eine zweite Person, die das Fahrzeug steuert. Zu beobachten ist so etwas beispielsweise bei Radrennen, wo Fotografen und Kameraleute oft als Sozius auf Motorrädern sitzen. Ansonsten gelten auch bei dieser Methode die gleichen Anforderungen wie beim einfachen Mitziehen: Eine entsprechend lange Verschlusszeit muss gewährleistet werden.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 07 / 2018

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