Fotografie - Grundlagenwissen Blende, Verschlusszeit, Empfindlichkeit

© Fotograf: Jürgen Waffenschmidt, klickphoto de-143-JWA, Photoglobus
© Fotograf: Jürgen Waffenschmidt, klickphoto de-143-JWA, Photoglobus
Die Optionen, die aktuelle Kameramodelle den Anwendern bieten, sind schier grenzenlos – und hier liegen unter anderem, neben der Optik, den größeren Sensoren und schnelleren Prozessoren, auch die großen Stärken gegenüber den Smartphones, die aus fotografischer Sicht schnell an ihre Grenzen stoßen. Kameras bieten Verbrauchern einen Blumenstrauß an Einstellungsmöglichkeiten – allein zur Belichtungssteuerung stehen dem Fotografen mit Automatik, Zeit-, Blenden oder Programmautomatiken sowie der manuellen Steuerung und Motivprogrammen unendlich viele Wege zur Verfügung. Als Fotograf hat man sozusagen die Qual der Wahl – aber für was man sich entscheidet, hängt vom Motiv, aber auch von der fotografischen Intention ab.

Festzustellen ist, dass sehr viele Verbraucher die vielfältigen Möglichkeiten ihrer Kameras aus Bequemlichkeit, Scheu, Unwissenheit nicht nutzen und im Automatikmodus fotografieren. Dieser wird oftmals auch als „Eselseinstellung“ bezeichnet, weil seine Abkürzung in der Regel iA ist. Damit wollen wir niemandem zu nahe treten, jedoch dafür sensibilisieren, den Funktionsumfang der Kameras auch zu nutzen. Es zahlt sich aus, glauben Sie uns. Schlechtreden möchten wir den Automatikmodus nicht, denn dieser ist für sehr viele Situation geeignet – aber eben nicht für alle. Und gerade, wenn man sich neue Themengebiete der Fotografie erschließen möchte, wie zum Beispiel der Langzeitbelichtung, dann wird einen die Automatik nicht zufriedenstellen.

© Fotograf: peter quander, Antarktis 2, Photoglobus
© Fotograf: peter quander, Antarktis 2, Photoglobus
Möchte man also seine fotografische Kreativität entfalten, so kommt man nicht umhin, sich Handwerkszeug anzueignen – da geht es den Fotografen nicht anders wie Köchen, denn Nudeln setzt man beispielsweise nicht in kaltem Wasser an, ein kleines spitzes Küchenmesser eignet sich nicht zum Umrühren und eine Pfanne ist nun einmal nicht geeignet, um eine Fleischbrühe aufzusetzen. Es gibt noch viele Beispiele, aber zurück zur Fotografie – und keine Angst vor den Begrifflichkeiten, denn so viele sind es nun auch nicht. Man muss sich nur einmal der Funktionsweise bewusst sein und wie sich Blende, Verschlusszeit, ISO gegenseitig beeinflussen. Den Rest macht dann die Praxis und nach kurzer Zeit geht alles in Fleisch und Blut über.

Blende

Die Blende bestimmt, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor trifft. Ist die Blende weit geöffnet (kleiner Blendenwert, häufig f2,8 oder f5,6), so trifft mehr Licht auf den Sensor, als wenn die Blende geschlossen ist (großer Blendenwert, häufig f22). Ist man im Besitz einer Kamera, bei der man Einfluss auf die Blende nehmen kann, so setzen Sie sie auf ein Stativ, visieren ein Motiv an und verstellen schrittweise die Blende von offen bis nahezu geschlossen. Achten Sie dabei auch auf den Hintergrund. Je nach Blendeneinstellung verschwimmt dieser in Unschärfe und das Hauptmotiv hebt sich von ihm ab (f2,8 oder f5,6) oder der Hintergrund ist definiert und kaum unschärfer als das Motiv (f 22).

Verschlusszeit

© Fotograf: Renate Meyer, Prachtlibelle, Photoglobus
© Fotograf: Renate Meyer, Prachtlibelle, Photoglobus
Kommen wir als nächstes zur Verschlusszeit. Nachdem wir nun die Wirkungsweise der Blende kennengelernt haben, liegt es auf der Hand, dass die Verschlusszeit in Abhängigkeit zur verwendeten Blende steht. Ist die Blende weit geöffnet (kleiner Blendenwert), so kann mit einer geringeren Verschlusszeit fotografiert werden, als wenn die Blende nahezu geschlossen ist (großer Blendenwert). Durch die Änderung der Verschlusszeit hat der Fotograf überdies unendlich viele Möglichkeiten, auf die Wirkung von Motiven – und somit auf die Bildgestaltung – Einfluss zu nehmen. Um die Wirkung für sich zu verinnerlichen raten wir das Fotografieren von Wasser über einen Wasserhahn in ein Spülbecken bei gleicher Blende und sich veränderten Verschlusszeiten von kurz (1/1.000 Sek.) bis lang (1 Sek.). Man wird auf diese Weise schnell feststellen, dass kurze Verschlusszeiten beispielsweise dafür prädestiniert sind, um Bewegungen einzufrieren.

ISO

Kommen wir nun zur Empfindlichkeit, die in ISO angegeben wird. Heutige Kameras sind wahre ISO-Künstler und mitunter sogar Nachtsichtgeräte. Der ISO-Wert bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher der ISO-Wert gewählt wird, desto lichtempfindlicher ist der Sensor. Das diese Einstellung auch Einfluss auf die Verschlusszeit hat, liegt auf der Hand. Bei ungünstigen Lichtsituationen wählen Fotografen eine höhere Lichtempfindlichkeit, um die Verschlusszeit zu verringern und somit noch aus der Hand fotografieren zu können, weil ein Stativ nicht zur Hand ist. Einher mit jeder ISO-Erhöhung geht also, dass die Verschlusszeit sich entsprechend reduziert, aber das Bildrauschen zunehmen kann. Dieses macht sich dadurch bemerkbar, dass die Pixel nicht mehr in der Farbe erscheinen. Empfehlenswert, so unserer Erfahrung, ist eine ISO-Empfindlichkeit von 200 zu wählen beziehungsweise fest vorzugeben.

Blende, Verschlusszeit und ISO hängen, das machen die Ausführungen deutlich, unmittelbar zusammen und sollten aus diesem Grund nie allein betrachtet werden.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2014

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