Fotografie: Kreativfilter - Haben diese etwas mit Kreativität zu tun?

© Fotograf: Jens Gutberlet, ZEITENWENDE, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jens Gutberlet, ZEITENWENDE, Blende-Fotowettbewerb
Das Zitat „Kreativfilter haben mit Kreativität so viel zu tun wie Kunsthonig mit Kunst“ (Bob Shell) hat uns zum Nachdenken gebracht, denn inwieweit ist daran etwas Wahres. Bevor wir in das Thema einsteigen, wenden wir uns erst einmal der Erklärung des Ausgangsbegriffs zu. Was ist denn überhaupt ein Kreativfilter. Hierbei kann es sich um Software unterstützte Filter handeln, die über das Kameramenü aufgerufen werden oder aber um eine Glas- oder Kunststoffscheibe. Diese manipuliert gezielt den Lichteinfall in die Kamera, um einen gestalterischen Effekt zu erzeugen und/oder das Foto während der Aufnahme zu verfremden. Strenggenommen – wobei es natürlich auf die Interpretation ankommt – hat ein Kreativfilter eigentlich somit weniger etwas mit Kreativität zu tun, sondern eher mit dem gezielten Einsatz für einen beabsichtigten Bildeffekt. Aber schließt sich hier nicht auch wieder der Kreis? Ein beabsichtigter Bildeffekt setzt gedankliche Kreativität voraus und diese lässt sich unter anderem mit den besagten Kreativfiltern – auch gern mal als Effektfilter bezeichnet – realisieren. Auf der anderen Seite beflügeln die Optionen, wie sie Kreativfilter bieten, die eigene Kreativität.

Eine Aufnahme wird in unseren Augen nicht automatisch kreativ, nur weil ein bestimmter Kreativfilter vor das Objektiv geschraubt wird beziehungsweise ein kamerainterner Filter zum Einsatz gekommen ist. Filter sollten keinem Selbstzweck folgen sondern den Fotografen bei der Umsetzung seiner Bildidee kreativ unterstützen. Nehmen wir die Aufnahme „Zeitenwende“ von Jens Gutberlet, die er zu „Blende 2015“ eigereicht hat. Er hat sich bewusst für einen Filter entschieden, der für einen großen Gegensatz sorgt. Auf den ersten Blick scheint die Aufnahme, maßgeblich aufgrund des Hauptmotivs mit dem rostigen Pick-Ups, aus den späten 1960 Jahren zu stammen. Die Sepiatönung unterstützt diese zeitliche Referenz. Dann beginnt aber der Blick durch den Bildraum zu wandern und schnell merkt man, dass man dem ersten Eindruck auf den Leim gegangen ist. Die Brücke sieht viel zu modern aus, als dass sie von ihrer Bauart her in diese Zeit passen würde. Auch sind Bildschärfe und Kontrastlastigkeit nicht mit historischen Aufnahmen der späten 1960 Jahren vereinbar. Diese Gegensätze, herbeigeführt durch den Einsatz eines Kreativfilters, machen die Aufnahme von Jens Gutberlet so sehenswert.

Wenden wir uns erneut dem Zitat „Kreativfilter haben mit Kreativität so viel zu tun wie Kunsthonig mit Kunst“ (Bob Shell) zu. Kunsthonig wird künstlich hergestellt und hat mit Kunst – außer dem Namen – nichts gemein. Ebenso verhält es sich mit Kreativfiltern, die nur zum Selbstzwecke verwendet werden ohne einen bewussten Effekt erzielen zu wollen. Es bedarf jedoch eines gewissen Maßes an Kreativität, um gekonnt einen Kreativfilter für eine ganz bestimmte Bildwirkung zum Einsatz zu bringen.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2016

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1 Kommentare

Fotografiere mit der Olympus PEN und die hat richtig tolle Kreativfilter. An der Kamera klasse ist, dass sie eine Einstellung hat, wo beim Auslösen alle Kreativfilter durchlaufen.

von Paul
07. April 2016, 17:27:31 Uhr

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