Was versteht man in der Fotografie unter Lightpainting

Wie gelingen mit der Lichtmalerei einzigartige Aufnahmen

Was benötigt man an Fotoequipment für Lightpainting

© Fotograf: Joseph Schulze, Spiders, Blende-Fotowettbewerb
Joseph Schulze, Spiders, Blende-Fotowettbewerb

Lightpainting, auch als Lichtmalerei bezeichnet, setzt sich aus den englischen Begriffen „light“ – also Licht – und „paint“ – also malen beziehungsweise zeichnen – zusammen. Dunkelheit, der Linse zugewandte Leuchtkörper wie eine Taschenlampe und eine lange Belichtungszeit sind die notwendigen Zutaten für Lightpainting. Die Aufnahmen sind einzigartig und ein Spiegelbild der künstlerischen Kreativität. Und das spannende an Lightpaintig ist, dass Bildergebnisse nicht hundertprozentig vorhersehbar sind.

Örtlichkeiten für Lightpainting

© Fotograf: Gerd Greif, LIGHTPAINTING auf dem Erfurter Petersberg, Blende-Fotowettbewerb
Gerd Greif, LIGHTPAINTING auf dem Erfurter Petersberg, Blende-Fotowettbewerb

Dunkel sollte es sein, wenn es um Lightpainting geht. Das kann draußen unter freiem Himmel sein, im eigenen Studio oder beispielsweise in verlassenen alten Industrieanlagen. Welche Örtlichkeit man bevorzugt, hängt natürlich von der Intention ab. Für Einsteiger in dieses Themengebiet sind die eigenen vier Wände zunächst ratsam – der Raum sollte schon eine gewisse Größe von um die 20 m2 und mehr haben und auch nicht so zugestellt sein, damit man sich darin mit seinen Leuchtkörpern auch bewegen kann. Stolperfallen gehören aus dem Weg geräumt, denn da es nahezu dunkel ist, möchte man ungern über etwas fallen, was im Weg steht.

Warum ist es für Einsteiger ratsam, Lightpainting zunächst in die eigenen vier Wände zu verlegen? Ganz einfach, denn man muss sich an dieses Themengebiet herantasten und ein Gefühl dafür bekommen. Dazu gehört natürlich am Anfang auch die regelmäßige Bildbeurteilung. Auch, wenn die Kameradisplays immer größer und besser werden, so können die Aufnahmen über einen Computerbildschirm natürlich wesentlich besser bewertet werden. Nach der Bildkontrolle kann man dann gegebenenfalls gleich entsprechende Korrekturen vornehmen. Hat man zu Hause erste Erfahrungen gesammelt, so helfen diese einem dann, wenn das Shooting nach draußen verlegt wird.

Wie sollten die Akteure vor der Kamera gekleidet sein?

© Fotograf: Michael Lautenschlager, Selfie Light, Blende-Fotowettbewerb
Michael Lautenschlager, Selfie Light, Blende-Fotowettbewerb

Für die Akteure vor der Kamera empfehlenswert ist schwarze Kleidung. Auch an die Hände sollte man denken – hier bieten sich leichte Handschuhe an, mit denen die Bedienung der Leuchtkörper noch sichergestellt ist. Fehlt es einem an Mitstreitern, so kann man sich natürlich auch selbst vor die Kamera begeben. Eine Alternative zu sich bewegenden Personen sind Leuchtkörper an sich bewegenden Geräten zu befestigen. Das kann der Mixer ebenso sein wie der Ventilator oder die Bohrmaschine. Wichtig ist natürlich, die Sicherheit zu beachten und sich sowie andere, aber auch die eigenen vier Wände nicht in Gefahr zu bringen. Der Einsatz von Wunderkerzen beispielsweise sollte nach draußen verlegt werden, denn ansonsten ist der Ärger über mögliche Brandlöcher im Parkett oder auf dem Teppich groß.

Kameraausrüstung – was sollte diese beherrschen?

© Fotograf: Jens Ackermann, Mister Robotic - Beine aus Licht, Blende-Fotowettbewerb
Jens Ackermann, Mister Robotic – Beine aus Licht, Blende-Fotowettbewerb

Wichtig ist natürlich eine Kamera – mit einer hochwertigen Kompaktkamera ist man ebenso gut beraten wie mit einer kompakten System- und/oder Spiegelreflexkamera. Manuelle Fokussierung und ein „B“-Modus (Bulb) sind Pflicht. Möchte man noch mehr aus seinen Fotografien herausholen, dann sollte im RAW-Format fotografiert werden. Dies setzt natürlich die anschließende Bereitschaft zur Bildbearbeitung voraus. Sofern die Kamera die Option bietet, sollte die Rauschunterdrückung aktiviert sein. Mit einem Smartphone sollte man sich diesem Themengebiet der Fotografie nicht stellen. Es kann getrost in der Hosentasche verbleiben oder als künstliche Lichtquelle herangezogen werden.

Die verwendete Optik bestimmt den Radius, indem man sich mit seinen Leuchtkörpern bewegen kann, und was man außerhalb dessen fotografisch noch einfangen möchte. Mit der Weitwinkeloptik kann ein deutlich größerer Bildausschnitt eingefangen werden als mit einer Telebrennweite. Kommen Akteure mit ihrer Lichtkunst zum Einsatz, so ist ein größerer Abstand zwischen Kamera und ihnen ebenso ratsam wie die Wahl einer längeren Brennweite. Geht es um das künstlerische Gestalten mit Licht im Nahbereich, dann ist natürlich das Makroobjektiv die erste Wahl. Die Bandbreite von Lightpainting ist schier unerschöpflich. Ein Stativ ist Pflicht – ratsam ist ein Drei- oder Vierbeinstativ.

Welche künstlichen Lichtquellen kommen in Frage?

© Fotograf: Gerd Trömmler, Magische Ringe, Blende-Fotowettbewerb
Gerd Trömmler, Magische Ringe, Blende-Fotowettbewerb

Ohne künstliche Lichtquellen geht es beim Lightpainting natürlich nicht, denn sie stehen für das Malen mit Licht. Für welche man sich entscheidet, hängt natürlich von der Bildidee und der eigenen Intention ab. Sehr beliebt sind Taschenlampen, die jeder von uns zu Hause hat. Tolle Bildergebnisse liefern aber auch unterschiedlich eingefärbte Leuchtstäbe, Lichterketten, Laserpointer und die schon erwähnten Wunderkerzen. Natürlich können die unterschiedlichen Lichtquellen miteinander kombiniert werden, was für besondere Effekte sorgt. LED-Taschenlampen bieten den großen Vorteil, dass sie dem Fotografen eine tagesähnliche Farbe garantieren und die Batterien auch lange Zeit halten. Wer sich für Glühlampen entscheidet, der erhält einen wärmeren Ton.

Lightpainting sind Langzeitbelichtungen von Bewegungen

© Fotograf: Jens Ackermann, White Mandala, Blende-Fotowettbewerb
Jens Ackermann, White Mandala, Blende-Fotowettbewerb

Bei Lightpainting handelt es sich um Langzeitbelichtungen von Bewegungen einer oder mehrerer Lichtquellen oder durch Bewegung der Kamera. Es stehen einem also zwei Optionen beim Fotografieren offen. Entweder wird das Licht in Richtung der Kamera gehalten und während der Belichtung bewegt, um Formen oder Linien zu erzeugen oder umgekehrt, indem die Kamera in bestimmte Richtungen bewegt wird, um durch die Veränderung der Position der stationären Lichtquellen im Bildausschnitt Linien zu erzeugen. Lightpainting braucht prinzipiell Dunkelheit – ist aber bei Einsatz von ND-Filtern auch bei Tageslicht möglich. In diesem Fall wird jedoch ein entsprechend helleres Leuchtmittel benötigt.

Auf die Choreographie kommt es an

© Fotograf: Benjamin Schwenk, Domes under the Tree, Blende-Fotowettbewerb
Benjamin Schwenk, Domes under the Tree, Blende-Fotowettbewerb

Entscheidend ist die Choreographie und für sie ist es hilfreich, dass die Bildvisionen bereits im Kopf vorliegen, bevor das Licht den Sensor der Kamera berührt. Je mehr Akteure vor der Kamera mit ihren Lichtquellen das Kunstwerk ergeben, desto wichtiger ist es, sie in Einklang zu bringen und die Bewegungsabläufe vorab einzustudieren. Die Lichtquellen können auf unterschiedlichste Art und Weise sozusagen in Schwingung versetzt werden, sei es durch Bewegung der Hände, unter Zuhilfenahme eines Rührmixers oder beispielsweise einer Bohrmaschine. Hier lohnt sich das Experiment ebenso wie mit den Lichtquellen, um die Wirkungsweise in Erfahrung zu bringen.

Blende – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist Blende ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Blende schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

Blende-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2018

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