Fotografie schärft die Sinne

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© Blende, Horst Schneider, Rotkehlchen

Die Fotografie steht für Spaß, Kommunikation, Dokumentation und natürlich dafür Erinnerungen möglichst dauerhaft zu bewahren. Aus unserer Sicht steht die Fotografie aber noch für sehr viel mehr. So stellen wir an uns immer wieder fest, dass wir durch die Fotografie unsere Welt sehr viel intensiver wahrnehmen. Wir befinden uns quasi auf Entdeckungsreise, sobald wir mit unserer Kamera losziehen. Hätten wir diese nicht dabei, so sind wir uns sicher, dass wir an vielem Sehenswerten vorbeigegangen wären, auch dann, wenn wir unser Smartphone dabei haben. Durch die Fotografie schaffen wir zudem eine Entschleunigung und dadurch die Schärfung unserer Sinne. Auch, wenn einen sicherlich der ein oder andere für verrückt erachtet, weil man beispielsweise auf das entscheidende Licht wartet, bevor man den Auslöser betätigt, so nehmen wir dadurch unsere Umgebung sehr viel intensiver wahr.

Der größte Feind der Fotografie ist möglicherweise die Zeit, so unsere Feststellung. Natürlich können auch tolle Aufnahmen im Vorübergehen entstehen, aber grundsätzlich braucht man Zeit, um Motive an sich heranzulassen, für sie aufgeschlossen zu sein und natürlich auch, sie entdecken zu wollen. Ein möglicher weiterer Feind sind die Erwartungen an sich selbst, mit einer möglichst hohen Ausbeute an sehenswerten Aufnahmen heimkehren zu wollen. Diesen Druck sollten wir ablegen, denn er begrenzt uns in unserem fotografischen Handeln und unserer Experimentierfreude.

Fotografieren setzt auch voraus, inne zu halten. Nehmen wir hier als Beispiel die Architekturfotografie. Der große Vorteil an diesem Themengebiet ist schon einmal, dass Gebäude nicht weglaufen. Gerade bei der intensiven Auseinandersetzung mit einem Gebäude ist es oftmals unser Ziel, es aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln festzuhalten. Dies verleitet uns zur Flüchtigkeit bei der Hast nach dem nächsten Blickwinkel. Wir haben hier für uns die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist und man lieber die Zeit in die Bildkomposition stecken sollte, als die Anzahl der Fotografien durch immer sich verändernde Blickwinkel zu erhöhen.

Auch, wenn es banal klingen sollte, so machen wir die Erfahrung, dass Entschleunigung im eigenen fotografischen Handeln eine wichtige Voraussetzung für gute Aufnahmen ist. Dazu gehört auch, sich Zeit für eine exakte Kameraausrichtung zu nehmen und sich Zeit zu nehmen, bis im richtigen Augenblick der Auslöser betätigt wird. Wir müssen die Hektik, die uns im täglichen Leben umgibt, abstreifen, wenn wir der Fotografie nachgehen, denn erst dann entfalten wir auch unseren kreativen Schaffensprozess.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2014

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