Fotografie - Faszination Weitwinkel

© Blende, Andre Bock, doppelter Regenbogen zur Goldenen Stunde Bildgalerie betrachten © Blende, Andre Bock, doppelter Regenbogen zur Goldenen Stunde

Fotografieren bedeutet nicht nur, mit Licht zu malen, sondern mit den sich bietenden Möglichkeiten zu spielen und neue Wege der kreativen Bildgestaltung für sich zu entdecken. Extreme Weitwinkeloptiken lassen eine ungewohnte Sicht auf die Dinge zu. Das macht sie überaus reizvoll, denn das Abgelichtete weicht von unseren sonst üblichen Sehgewohnheiten ab. Fotografen eröffnen dementsprechend gerade Weitwinkeloptiken, und erst recht extreme Weitwinkelobjektive, neue kreative Möglichkeiten in der Bildgestaltung und begeisterte Anhänger beispielsweise der Landschaftsfotografie erhalten fantastische Optionen, die ihre Motive noch wirkungsvoller zur Geltung bringen. Aber auch in der Schnappschussfotografie oder für alle Fotografen, die die Reportage, Straße oder Architektur im Fokus haben, bieten sich Weitwinkeloptiken geradezu an.

Gigantische Raumwirkung

Weitwinkelobjektive, und erst recht die extremen, stehen für eine gigantische Raumwirkung. Das Hauptmotiv im Vordergrund lässt sich dominant wiedergeben, während der Hintergrund sich mit grenzenloser Weite präsentiert. Die Bildkomposition gewinnt durch dieses Spiel zwischen Vorder- und Hintergrund an Gewicht. Entscheidend für die Raumwirkung ist natürlich, das Motiv im Vordergrund entsprechend zu platzieren. Zunächst – unser Tipp für Einsteiger – sollte sich jeder erst einmal mit der Optik des extremen Weitwinkels vertraut machen. Durch den großen Bildwinkel läuft man nämlich auch schnell Gefahr, dass zu viele Details außerhalb des Hauptmotivs im Vordergrund aber auch an der Seite abgelichtet werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass diese unwichtigen und störenden Elemente während des Fotografierens oftmals gar nicht wahrgenommen werden, sondern erst dann, wenn die Aufnahmen zeitversetzt am Rechner, Fernseher oder in der Projektion betrachtet werden.

Grenzenlose Tiefenwirkung

Das Geniale an extremen Weitwinkelobjektiven ist ihre Fähigkeit der Tiefenwirkung, die durch einen großen Schärfenbereich herbeigeführt wird. Dieser kann weiter gesteigert werden, indem man abblendet. Auf diese Art und Weise gelingt es einem, dass Vorder- und Hintergrund eine durchgängige Schärfe erhalten. Diese ist zum Beispiel erst recht dann angesagt, wenn durch perspektivische Fluchtlinien die Raumausdehnung eine weitere Steigerung erfahren soll. Landschaftsfotografen lieben diese Tiefenwirkung ebenso wie auch Fotojournalisten und Reportagefotografen, deren Anliegen es ist, den Bildbetrachter ins Geschehen einzubeziehen. Dies gelingt durch die Nähe zum Hauptmotiv, wie Menschen im Vordergrund in einem großräumigen Umfeld. Auch für Schnappschussfotografen ist das Weitwinkelobjektiv eine sehr gute Wahl, denn durch die enorme Schärfentiefe fällt eine ungenaue Fokussierung weniger stark ins Gewicht.

Kameraausrichtung

Weitwinkelobjektive, und erst recht extreme, verlangen unseres Erachtens nach einer korrekten, also geraden Kameraausrichtung. Ideales Hilfsmittel sind die Wasserwaage und die Gitterlinien. Je nach Kameramodell kann man beide sowohl im Sucher als auch im Live-View-Modus einblenden. Verfügt die Kamera nicht über diese Option, so hilft die Wasserwaage, die über den Blitzschuh an der Kamera befestigt wird, weiter. Ist man im Besitz einer Kamera mit auswechselbarer Einstellscheibe, dann hat man die Option einer Gittermattscheibe, mit der die Bildebene parallel zur Objektebene ausgerichtet werden kann.

Belichtungsmessung – Alles im richtigen Licht

Der extreme XXL-Bildwinkel von Weitwinkelobjektiven garantiert beeindruckende Tiefenwirkung mit mitunter extremen Kontrastunterschieden. Landschaftsfotografen wissen ein Lied davon zu singen mit dem Kontrastunterschied zwischen Himmel und Landschaft. Hier lässt sich vielfach sogar die Mehrfeldmessung täuschen – mit dem Ergebnis, dass der Vordergrund viel zu dunkel abgelichtet wird. Je nach Motivkontrast ist es empfehlenswert, eine Belichtungskorrektur mit +1 bis +2 EV vorzunehmen. Den Himmel muss man dabei natürlich im Blick haben, denn dieser sollte mit seinen Wolken und hellen Partien natürlich nicht ausbleichen. Eine weitere Option ist die HDR-Fotografie – diese bietet sich immer bei Motiven mit extremen Motivkontrasten an. Die Endaufnahme setzt sich aus mindestens drei Einzelaufnahmen zusammen. Immer mehr aktuelle Kameramodelle haben HDR übrigens als Feature. Pflicht bei der HDR-Fotografie ist natürlich ein Stativ, denn nur dadurch ist gewährleistet, dass man drei deckungsgleiche Aufnahmen hat, die zu einem Bild vereint werden.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2016

1 Kommentare

Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Artikel mit vielen Tipps! Das einzige, was ich darin vermisse, sind die verwendeten Brennweiten... also auch in den Beispielbildern. Ich selbst habe mir letztens das 18-35 mm f1.8 Art von Sigma zugelegt und habe damit bei einer Reise in Rom einiges vor. Davor wird aber geübt, und ich werde schauen, dass ich eure Tipps so gut wie möglich umsetze.

nubinou

von nubinou
28. Oktober 2016, 19:22:55 Uhr

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