Fotografieren Frauen anders als Männer?

© Fotograf: Michael Frenzel, Oh, diese Photographen, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Michael Frenzel, Oh, diese Photographen, Blende-Fotowettbewerb
Eine Frage, die immer wieder die Welt zu bewegen scheint, ist jene, ob Frauen anders fotografieren als Männer und wer von beiden mitunter der bessere Fotograf ist. Vorweg möchten wir schon jetzt nehmen, dass wir auf die Fragen keine allgemeingültigen Antworten haben – aus unserer Sicht kann es diese auch nicht geben. Der Grund liegt quasi auf der Hand. Ohne in Klischees zu verfallen, gibt es unserer Ansicht nach innerhalb der Geschlechter schon solch große Unterschiede, dass diese nichts Allgemeingültiges zulassen. Eine andere Frage, die wir uns stellen, ist, ob es für beide Seiten überhaupt von Bedeutung und somit von Wichtigkeit ist, ob Frauen anders als Männer fotografieren. Mögliche Antworten könnte unseres Erachtens nur ein Test mit unendlich vielen Bildern bringen, wo die User angeben, welche der Aufnahmen von Frauen und welche von Männern stammen. Aber was hat man letztendlich davon? Eigentlich nichts – außer, dass möglicherweise Klischees bedient werden und man Frauen wie Männer in eine Schublade packt. Ein Unterschied zwischen Frauen und Männern könnte eventuell in der Beziehung zu ihren Aufnahmen bestehen – oder verfallen wir in diesem Punkt wieder einem Klischee? Viel entscheidender als die Frage, „ob Frauen anders fotografieren als Männer“ ist die Tatsache, dass Frauen die Fotografie verstärkt seit der Digitalisierung für sich entdecken. Zu Zeiten der Analogfotografie war die Fotografie, gerade im Bereich der Amateurfotografie, eine Domäne der Männer. Das Familienoberhaupt fotografierte. Dies hat sich radikal gewandelt, und das obwohl die Fotografie nicht weniger technisch geworden ist. Das würde theoretisch den Schluss zulassen, dass die Frauen ihre Liebe für die Technik entdeckt haben.

© Fotograf: Mario Langbrandtner, nicht immer ist der Sänger ein  Blickpunkt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Mario Langbrandtner, nicht immer ist der Sänger ein Blickpunkt, Blende-Fotowettbewerb
Männern wird heute noch grundsätzlich eine größere Technikverliebtheit als Frauen nachgesagt – ob das in der aktuellen Zeit noch immer zutrifft, bezweifeln wir. Wir gehen von zwei Lagern sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen aus – den Technikverliebten und all jenen, für die die Technik nur Mittel zum Zweck ist, um sich seinem ganz persönlichen Ziel zu nähern. Die grundsätzliche Frage, die man sich in diesem Zusammenhang möglicherweise stellen sollte, ist, ob in der Fotografie die Technik nicht zu sehr herausgestellt wird und dabei das Bild mit seiner Macht, Kraft und Emotionalität in den Hintergrund gerät. Nun, allseits bekannt ist, dass ein einzelnes Bild mehr als 1.000 Worte sagt und dementsprechend sind textliche Ausführungen, die sich auf den Bildinhalt beziehen, aus unserer Sicht streng genommen auch nicht notwendig. Wenn es jedoch um die Frage geht, wie Aufnahmen entstanden sind, dann kommt man zwangsläufig wieder zur Fototechnik und Details wie Objektivbrennweite und Einstellungen von Zeit und Blende. Dass die Technik im Zusammenhang mit neuen Kameraentwicklungen immer wieder im Fokus steht, ist irgendwo auch verständlich, denn wie sollte man dem Konsumenten die vielseitigen Möglichkeiten der Aufnahmegeräte sonst aufzeigen?

In einem Artikel war kürzlich auch zu lesen, dass Frauen bevorzugt auf die Frage, mit welcher Kamera sie fotografieren, zwar die Farbe kennen, aber nicht unbedingt die Marke und schon gar nicht das Kamerasystem. Wir haben in den eigenen Reihen daraufhin einen kleinen Feldversuch unternommen und sind zu einem anderen Ergebnis gelangt. Die Marke hatten alle Befragten – ob Frau oder Mann – sofort parat. Hinsichtlich des verwendeten Kamerasystem kamen beide Lager dann ins schwimmen, wenn sie Angaben, mit Kameras mit Wechseloptik zu fotografieren und wir nachfragten ob mit einer Spiegelreflex- oder kompakten Systemkamera. Den Unterschied zwischen Kompaktkameras und Aufnahmesystemen mit Wechseloptik kannten generationsübergreifend im Übrigen alle.

Abstreiten möchten wir die weitverbreitete Annahme nicht, dass Frauen beim Kauf einer Kamera sich nicht nur von der Technik leiten lassen, sondern vornehmlich auch vom Design und, in jüngeren Jahren, wie übrigens auch die männlichen Nachwuchsfotografen, auch von der Farbe.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2014

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2 Kommentare

Die Technik der Analogfotografie hat viele Frauen abgeschreckt zu fotografieren. Seit der digitalen Fotografie sind die Frauen superstark im Kommen. Hier können sie ihre Sensibilität ausspielen. Ich tummle mich viel in internationalen Galerien und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Selbst bei Wildlife mischen die Frauen ganz oben mit. Chapeau für diese Frauen-Power. Als Weißkopfadler im Rentenalter ist es schön zu seiner fotografierenden Frau sagen zu können; "Haben wir nicht eine tolles Hobby!"

von Helmut Plamper
26. März 2014, 22:48:54 Uhr

Fotografieren Frauen anders als Männer? Habe ich sofort gelesen, warum? Weil es es schon stimmt, nicht dass da völlig unterschiedliche Bilder entstehen, sondern der Ansatz ist anders. Bei uns in der Familie war es meine Mutter die im Urlaub die Bilder mit eine Retina gemacht hat mit Belichtungsmesser, was mich fasziniert hat, ja die Technik. Dadurch hab eich angefangen zu fotografieren und bin jetzt Food Fotograf. Wiederum interessant weil in der Küche zuhause steht zu 99% die Mutter am Herd, bei den Profis die Männer. Selber habe ich erst das Hotelfach gelernt und kenne also auch die Küche und mache deshalb andere Food Bilder, klar im vergleich zu FotografenInnen. Jedoch stelle ich manchmal fest dass Frauen einen unterschiedlichen Ansatz haben ein Bild zu machen. Im Bereich Food nicht so stark wie bei People Shootings, dann vor allem Akt. Vielleicht ist es mal schönen Fotografinnen Männer Akt machen zu lassen und dann die Bilder mit den Fotografen zu vergleichen und das gleiche bei Frauen Akt Bilder...

von Steven Beltjes
26. März 2014, 19:37:11 Uhr

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