Fotografieren für Blogs

Ob ein Food-Blog oder ein Blog mit den eigenen besten Heimwerker- oder Nähideen: Selbst etwas zu gestalten, ist derzeit angesagt. Damit die eigenen Werke wirken, müssen sie natürlich ansprechend fotografiert werden. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Unschärfe
Ob selbstgenäht, gekocht oder gezimmert: Handwerken ist wieder in. Um die besten eigenen Stücke in Szene zu setzen, bedarf es gar nicht unbedingt einer teuren Ausrüstung – auch, wenn sie natürlich hilft. Allerdings ist eine Kamera mit einem größeren Sensor als die typische Kompaktkamera sinnvoll, wenn man den derzeit sehr modernen Bildlook mit partieller Schärfe erzeugen möchte (siehe Abbildung). Ein solcher ist mit Kompaktkameras nur sehr schwer hinzubekommen.

Wer sehr kleine Objekte ablichten möchte, dem hilft eine Kompaktkamera mit Naheinstellungsmodus beziehungsweise bei einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera ein Makrobbjektiv (oder zumindest eines mit entsprechender Einstellung) oder alternativ Zubehör, wie Nahlinsen oder Zwischenringe. Die sinnvolle Brennweite richtet sich ebenfalls nach dem Motiv und den eigenen Präferenzen. Zwischen 50 und 100 mm (umgerechnet auf Kleinbild) ist aber meist eine gute Basis. Wer hat, sollte eine Festbrennweite verwenden, da sie die besseren Bildergebnisse liefert und meist eine höhere Lichtstärke bietet. Wem der Look mit der partiellen Unschärfe gefällt, der benötigt eine Blende von 2,8 oder geringer. Ein Stativ, eine wichtige Stütze für Fotografen, ist überaus ratsam.

Equipment für einen ansprechenden Hintergrund

Entscheidend für ansprechende Bildergebnisse sind zudem der Hintergrund und das Licht. Beim Hintergrund sollte eine gleichmäßige Fläche bevorzugt werden. Ist es hinter dem eigentlichen Motiv nämlich zu unruhig, lenkt das von der eigentlichen Kreation ab. Am elegantesten ist ein nahtloser Hintergrund mit einer Hohlkehle zu erzeugen. Profis verwenden sie daher meist für Sachaufnahmen. Mittlerweile sind kleine Systeme zum Zusammenstecken auch schon für unter 100 Euro erhältlich. Wer nicht völlig ungeschickt im Basteln ist, kann sich auch selbst preiswert eine kleine Hohlkehle bauen (Anleitung z.B. hier beim fotoMagazin: http://www.fotomagazin.de/praxis/selbermachen/detail.php?objectID=3226&class=25&thema=94). Das Ablichten vor weißem Hohlkehlenhintergrund ist für Details gut geeignet, aber wirkt auch schnell steril.

Hintergründe
Viele Blogger begegnen dem, in dem sie einen interessanten Untergrund für ihr Objekt wählen. Besonders modern ist derzeit alles, was alt und gebraucht aussieht. Handwerklich geschickte Blogger behandeln die Bretter selbst entsprechend (Anleitung zum Beispiel unter http://www.food-vegetarisch.de/2014/03/food-fotografie-diy-quickie-fotohintergrund-in-krakeliertechnik). Wer weniger praktisch veranlagt ist, findet aber auch im Baumarkt Laminatbretter in entsprechenden Looks. Alternativ bieten sich Kisten vom Obst- oder Blumenhändler an, sowie Stoffe. Praktischerweise verraten einige Blogger, wie Eva Gründemann von Food Vegetarisch, welche Materialien sie verwenden (siehe Abbildung) und zeigen direkt daneben die damit umgesetzten Bilder.

Damit das Gekochte, Genähte oder Gebastelte ansprechend aussieht, sollte es mit wenigen passenden weiteren Requisiten ergänzt werden. Beim Teller mit Suppe kann es ein Geschirrtuch und ein hübscher Löffel sein, beim gehäkelten Kameragurt ein Wollknäuel und eine Häkelnadel. Solche Requisiten schaffen Atmosphäre und regen eher zum Nachmachen an als das nur das pure eigene Werk. Allerdings sollte man beachten, dass sie farblich stimmig sind. Kontraste können dabei ebenso ansprechend wirken wie eine Gestaltung Ton in Ton.

Ansprechende Drapierung schafft eine neue Sicht

Auch die Drapierung des Objektes selbst kann eine entscheidende Rolle spielen. Ein Kameragurt etwa sieht schneckenförmig zusammengerollt hübscher aus als einfach nur herunterhängende als lange Strippe, ein mit einer frischen Erdbeere garniertes Kuchenstück appetitlicher als eines ohne.

Vor allem bei Selbstgekochtem ist Sauberkeit und Kleckerfreiheit Pflicht. Um sich bei der Drapierung inspirieren zu lassen, hilft es, mit dem eigenen Werk etwas zu spielen und einiges auszuprobieren. Natürlich kann man sich auch bei anderen Blogs Ideen holen. Ein Service wie Pinterest ist eine wahre Fundgrube für ansprechende Blog-Fotos.

Ist die richtige Form gefunden, hapert es oft daran, dass das Objekt einfach nicht so darin verharren möchte. Geübte Sachfotografen halten deshalb kleine Kammern, Boxen in verschiedener Größe und Knete vor. All dies kann helfen, ein Objektiv in eine bestimmte Position zu bringen und dort zu fixieren. Je nach Aufnahmewinkel verschwinden sie und stören nicht.

Der Aufnahmewinkel ist überhaupt noch ein wichtiger Faktor für die Bildwirkung. Viele Blogger fotografieren von vorn schräg oben. Es lohnt sich, beim jeweiligen Motiv aber auch mal auszuprobieren, ob die Aufnahme direkt von oben oder von vorne nicht das interessante Bild ergibt.

Das Licht

Sind Kamera, Hintergrund und Requisiten sowie der Bildaufbau geklärt, fehlt noch ein entscheidender Faktor für das gute Blog-Bild: Das Licht. Oft ist diffuses Licht am bestes geeignet. Reflektoren sind hier quasi in ihrem Element. Eine Alternative stellt das Fensterlicht dar. An einem hellen, aber bedeckten Tag herrschen optimale Bedingungen. An einem sonnigen Tag hilft eine Markise – die aber eine gewisse Farbstichigkeit hervorrufen kann – oder ein mit weißem Tuch bespannter Rahmen ähnliche Bedingungen herzustellen. Steht die Kamera auf einem Stativ, spielt es auch keine Rolle, wenn die Belichtungszeiten etwas länger ausfallen. Blitz oder Dauerlicht hat den Vorteil, immer verfügbar zu sein, muss jedoch entfesselt von der Kamera eingesetzt werden, um gute Ergebnisse zu erbringen. Auch ist die Beherrschung etwas schwieriger zu erlernen. Dafür kann man damit reproduzierbare Ergebnisse erzielen, was bei Tageslicht viel schwieriger ist.

Weiterlernen

Wer sich tiefer in die Materie einarbeiten möchte, findet in zahlreichen Blogs weitere hilfreiche Infos. Auch das Buch „Fotografie al dente“ bietet einen guten Überblick. Obwohl sein Schwerpunkt die Food-Fotografie ist, ist vieles auf Selbstgebasteltes übertragbar.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2014

1 Kommentare

Ein schöner Artikel mit wirklich guten Tipps! Ich beschäftige mich auch schon eine Weile mit dem Thema und werde diesen November sogar einen Workshop dazu anbieten. Wer sich also für das Thema interessiert, kann sich auf der folgenden Seite für einen 8stündigen Workshop anmelden, in dem man so einiges über gute Fotos und Tipps und Tricks für Blogger-Fotos (für jeden Geldbeutel) lernt. Würde mich freuen, wenn ich dem einen oder anderen dabei helfen kann, bessere Fotos für seinen Blog zu machen. http://www.eventbrite.de/e/fotografie-fur-blogger-tickets-12634206251?aff=ehomecard Viele Grüße Nina

Nina

von Nina
04. September 2014, 11:05:28 Uhr

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