Warum Fotografieren mehr ist als nur den Moment zu konservieren

Fotografen sind die Geschichtenerzähler von heute

Ein Bild erzählt nur dann mehr als 1.000 Worte, wenn es fehlende Sinneseindrücke vermittelt

© Fotograf: Bodo Langner, Vertreibung aus dem
Bodo Langner, Vertreibung aus dem “Paradies”, Blende-Fotowettbewerb

Fotobegeisterte, also jeder der den Auslöser betätigt, sind Geschichtenerzähler. Dabei bewahrheitet sich stets aufs Neue, dass Bilder mehr als 1.000 Worte zu erzählen vermögen. Dieses Sprichwort ist womöglich abgenutzt in der Häufigkeit, wie es immer wieder zum Einsatz kommt. Doch es hat bei allem fototechnischen Fortschritt nach wie vor hohe Relevanz und sollte bestmöglich das Fotomotto eines jeden sein, der der Fotografie nachgeht. Gerade bei den von Jahr zu Jahr wachsenden Bilderbergen ist es notwendig, mehr als nur Abbilder zu schaffen, möchte man sich von der Masse abheben. Das ist zum Beispiel auch dann wichtig, wenn man bei Fotowettbewerben wie „Blende“ mit seinen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen punkten möchte, sind doch zurückliegend zu dem jährlichen Fotocontest um die 80.000 Bilder bei den Ausrichtern – Tageszeitungen und Prophoto GmbH – dieser einzigartigen bundesweiten Gemeinschaftsaktion eingegangen. Oder denkt man an Instagram, das seit Jahren aufstrebende Bildportal.

© Fotograf: Fabian Künzel, Mystische Vollmondnacht , Blende-Fotowettbewerb
Fabian Künzel, Mystische Vollmondnacht , Blende-Fotowettbewerb

Fotografieren ist mehr als nur Augenblicke einzufangen

Fotografieren bedeutet den Moment zu Konservieren. Wie lang dieser Moment ist, das gibt der Fotograf vor – denkt man nur an die ultralangen Belichtungszeiten, beispielsweise in der Street- oder Landschaftsfotografie auf der einen und die extrem kurzen in der Highspeed-Fotografie auf der anderen Seite. Doch Fotografieren ist weitaus mehr, als nur Augenblicke einzufangen. Sollen Aufnahmen getreu des Sprichwortes „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“ folgen, so ist es notwendig, in den Fotografien fehlende Informationen zu verankern. Und vergessen sollte man nicht, dass Fotografien nur ein zweidimensionales Abbild einer dreidimensional wahrgenommenen Welt wiedergeben. Allein aus letztgenanntem Punkt ergibt sich, dass Fotografien niemals all das zeigen können, was Fotografen wahrgenommen haben. Und kommen dann auch noch, zum Beispiel in der Landschaftsfotografie, Teleobjektive zum Einsatz, so fehlen dem Betrachter noch mehr Informationen als wenn mit dem Weitwinkelobjektiv fotografiert worden wäre. Auf der anderen Seite bestimmt der Fotograf durch seine Objektivwahl (Normal, Tele, Weitwinkel, Makro) das, worauf er den Fokus legt und welche Geschichte er dem Bildbetrachter erzählen möchte.

© Fotograf: Andreas Kling, Badetag, Blende-Fotowettbewerb
Andreas Kling, Badetag, Blende-Fotowettbewerb

© Fotograf: Simone Bauer, Lebensfreude, Blende-Fotowettbewerb
Simone Bauer, Lebensfreude, Blende-Fotowettbewerb

Fotos mit Wow-Effekt vermitteln auch Sinneseindrücke

Schaut man sich beispielsweise seine Aufnahmen vom zurückliegenden Urlaub an, so vermögen diese all das wachzurufen, was man in dem Moment der Aufnahme empfunden hat. Sogar Gerüche kehren zurück. Und genau darum geht es, dem Betrachter auch die fehlenden Sinneseindrücke in seinen Fotos bestmöglich zu vermitteln. Das ist herausfordernd und ob diese beim Fotografen und Betrachter immer identisch sind, ist sicherlich nicht immer gegeben. Entscheidend ist das nicht – wichtig ist hingegen, dass überhaupt Sinneseindrücke für den Betrachter greifbar werden. Damit das gelingt, ist es ratsam, sich Zeit für seine Motive zu nehmen und festzulegen, welche Botschaften – also welche Geschichte – vermittelt werden sollen. Fotografen sollten sich hierfür auch öffnen, denn schlussendlich geben sie mit der Wahl des Motivs, mit der Festlegung des Ausschnitts, mit dem fotografischen Spiel von Schärfe und Unschärfe sowie der Fokussierung auf das Wesentliche etc. die zu erzählende Story dem Betrachter vor.

© Fotograf: Lorenz Dr.Körfgen, Capverden Vulkanlandschaft Fuego, Blende-Fotowettbewerb
Lorenz Dr.Körfgen, Capverden Vulkanlandschaft Fuego, Blende-Fotowettbewerb

© Fotograf: Vinh Kistner, Bahnunterführung, Blende-Fotowettbewerb
Vinh Kistner, Bahnunterführung, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 04 / 2018

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