Fotografieren von Gewittern - Wenn es blitzt und donnert

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© Blende, Norbert Kratz, Saarburg

Dass das Wetter immer mehr Kapriolen schlägt, dürfen wir regelmäßig am eigenen Leib spüren – Gewitter machen auch selbst vor dem Winter in unseren Breiten nicht mehr Halt. Betrachten wir uns die mit diesen Wetterphänomenen verbunden Zerstörungen, so dürfte man kein Anhänger von Gewittern sein – manche flüchten sich gar in den Keller oder an einen Ort ohne Fenster. Uns begeistern Gewitter als Naturschauspiele allein schon aus fotografischer Sicht. Wir wissen gar nicht, welche Zeit wir für die begehrenswerteste halten. Wenn Gewitter am Tage aufziehen, dann tauchen sie Gebiete in ein ganz besonderes Licht von unverwechselbarer Stimmung und Schönheit, wenn sie sich mit Blitz und Donner auf ihrem Höhepunkt entladen, ist man wie paralysiert von den Impressionen am Himmel. Ja und wenn sie vorbei sind, dann sorgt ein wieder anderes Licht für tolle Impressionen. Gewitter sind dementsprechend ein Eldorado an Motiven und glücklich können sich all jene schätzen, die dann eine Kamera dabei haben, um das Schauspiel in grandiosen Bildern zu konservieren. Je nach Smartphonemodell können am Tage auch mit diesen Aufnahmegeräten recht gute Aufnahmen gelingen. Wir aber bevorzugen Kameras mit ihren im Gegensatz zu Smartphones größeren Sensoren und auch fotografischen Möglichkeiten. Nächtliche Gewitter braucht man hingegen mit dem Smartphone nicht festhalten – ihre Ausstattung ist dafür nicht geeignet und deshalb muss es dann eine Kamera sein.

Sich nicht gefährden

Für gute Bilder macht man ja vieles. Auch, wenn es noch so verlockend ist, so darf man sich für sie nicht in Gefahr bringen. Blitze sind elektrische Entladungen und wenn diese einen treffen, dann geht es um Leben und Tod. Dass bedeutet, niemals ungeschützt ins Freie zu gehen oder in eine Hütte am Waldrand. Auch unter einem Baum hat man nichts zu suchen – diese können als Blitzableiter fungieren. Die Idee, sich mit einem Regenschirm mit Eisenspitze ins Freie zu stellen, muss sofort verworfen werden, denn auch dieser kann zum Blitzableiter werden. Eigener Schutz ist also angesagt und deshalb sollte man sich bei Gewitter in einem Gebäude aufhalten. Dazu zählen auch überdachte Balkons. Ist man gerade mit dem Auto unterwegs, so ist dieses auch ein sicherer Ort, aber nur dann, wenn man sich nicht aus diesem lehnt – auch die Kamera muss drin bleiben. Für alle, die es nicht wissen: Stative sind riskante Blitzableiter – also bitte daran denken.

Ausrüstung

Eine spezielle Kamera für tolle Gewitteraufnahmen wird nicht benötigt. Wichtig ist, dass die Kamera die Langzeitbelichtung beherrscht. Perfekt ist natürlich eine Kamera, die manuelle Einstellmöglichkeiten bietet. Ist man im Besitz eines aktuellen hochwertigen Kameramodells, so muss man sich inzwischen über Bildrauschen keine so großen Gedanken mehr machen. Ist man ein Freund der digitalen Bildbearbeitung, so bietet es sich an, den RAW-Modus zu wählen – hier hat man allen Spielraum der nachträglichen Korrektur. Einige aktuelle Kameras bieten die Option, dass die Aufnahmen sowohl im JPEG- als auch RAW-Format gesichert werden. Dies setzt natürlich entsprechende Speicherkapazitäten voraus.

Zur guten Vorbereitung gehört es, die Kameraausrüstung griffbereit zu haben. Am besten fertig gepackt in einer Kameratasche. Für uns gehören hinein: die Kamera und Objektive von Weitwinkel bis Normalbrennweite (also etwa 17 bis 50 mm Brennweite). Ein Teleobjektiv macht nur dann Sinn wenn man sozusagen weiß wo der nächste Blitz einschlägt. Akkus gehören geladen – Ersatzakku nicht vergessen. Die Speicherkarte sollte leer sein und über eine hohe Kapazität verfügen. Eine Ersatzspeicherkarte sollte man in jedem Fall als Reserve mit dabei haben. Ein Stativ ist Pflicht, ob nun mit drei oder vier Beinen. Überrascht das Gewitter und hat man kein Stativ dabei, dann kann man natürlich die Kamera auch auf einer Mauer positionieren. Hier sehr nützlich ist der Bohnensack. Sehr hilfreich ist für uns auch das Joby Gorillapod. Der Fernauslöser macht das Fotografieren einfacher und ist deshalb mehr als empfehlenswert. Wer es noch komfortabler haben möchte, für den bietet sich der Intervallauslöser an.

Kameraeinstellungen in der Dämmerung und Nacht

Die Belichtungszeit ist bei Gewittern in der Dämmerung sowie in der Nacht lang zu wählen, möchte man Blitze wirkungsvoll einfangen. Das bedeutet, dass der Verschluss der Kamera schon offen sein muss, bevor sich der Blitz entlädt. Zu guten Ergebnissen, so unsere Erfahrungen, verhelfen die Grundeinstellungen ISO 100, 30 Sekunden und eine Blende f/11 mit einem Weitwinkelobjektiv mit 16-20 mm Brennweite. Natürlich können diese Grundeinstellungen nicht verallgemeinert werden, denn sie sind situationsabhängig, ob beispielsweise Vollmond ist. Hier kann die Blende gegebenenfalls kleiner gewählt werden. Wichtig ist die manuelle Fokussierung. Da sich die Blitze in weiter Entfernung entladen, einfach auf unendlich stellen.

Streulicht, das bei langen Belichtungszeiten auftreten kann, lässt sich durch eine Sonnenblende vermeiden. Wirkungsvolle Aufnahmen setzen voraus, dass kein seitliches Licht auf die Frontlinse fällt. In Foren ist zu lesen, wir haben diese Erfahrung noch nicht gemacht, dass bei Spiegelreflexkameras auch das Licht, das durch den Sucher auf der Rückseite einfällt, das Ergebnis verschlechtern kann. Hat man die Abdeckklappe für den Sucher nicht zur Hand, dann hilft es, ein Tuch drüberzulegen.

Gewitterfotografie bedeutet immer und immer wieder auszulösen – irgendwann geht der Blitz in die Falle. Nicht jede Aufnahme wird zum Volltreffer. Ob die Aufnahmen wirklich etwas geworden sind, lässt sich erst zu Hause am großen Monitor beurteilen.

Kameraeinstellungen am Tag

Es gewittert ja nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag – auch hier lassen sich stimmungsvolle Impressionen einfangen. Die Langzeitbelichtung führt am Tag unweigerlich zur Überbelichtung. Aus diesem Grund muss man auf Graufilter – auch als Neutraldichtefilter bezeichnet – zurückgreifen oder auf spezielle Auslöser für die Kamera. Diese sind nicht ganz preiswert. Inwieweit sie zum Erfolg führen, hängt von der Kamera ab. Handelt es sich hierbei um ein etwas langsameres Modell, dann ist der Blitz möglicherweise schon vorbei, bis die Kamera aufnahmebereit ist.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2015

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