Fotografische Haltung - Was verrät uns diese über Sie als Fotograf

© Blende, Lena Bäcker, Fotoshooting auf dem Times Square Bildgalerie betrachten

© Blende, Lena Bäcker, Fotoshooting auf dem Times Square

Es ist sicherlich keine neue Feststellung, dass Fotografen – vom Einsteiger bis hin zum ambitionierten und natürlich Profifotografen – selbst traumhafte Motive darstellen bei ihrer Jagd nach Objekten. Da wird sich auf den Boden gelegt, in die Hocke gegangen, der Arm bis ins Unendliche ausgestreckt, sich hinter dem Stativ versteckt etc., um den Moment der Momente einzufangen. Oftmals geht es überaus witzig zu, dann sollte in jedem Fall das eigene Aufnahmegerät sozusagen schussbereit sein. Aber nicht immer sind die Positionsstellungen von Fotografen amüsant, sondern lassen einen erstaunen mit einer Haltung, die nicht zum fotografischen Erfolg führen kann. Einsteigern sagt man grundsätzlich eine schlechtere Haltung nach als den ambitionierten Fotografen. Wir mögen diese Verallgemeinerungen nicht und sind eher der Ansicht, dass Aufnahmegeräte vielfach dazu verleiten, eine ungünstige Haltung einzunehmen.

Smartphonefotografen, so unsere Feststellung, zeichnet aus, dass sie das wenige Gramm leichte Aufnahmegerät beim Fotografieren weit von sich strecken, meist einhändig und dann auch noch möglichst hoch, um an Größe zu gewinnen. Unsere Beobachtungen zeigen, dass wir hier nicht ausmachen können, ob fotografische Einsteiger eher dazu neigen als ambitionierte, die es ja eigentlich besser wissen müssten. Wenn es schnell gehen muss, dann ist die Haltung mit dem ausgestreckten Arm natürlich akzeptabel. Ansonsten sollten wir davon Abstand nehmen, denn die Gefahr des Verwackelns ist umso größer, je weiter der Arm ausgestreckt ist. Wenn Sie sich schon einmal darüber gewundert haben, dass Smartphone-Aufnahmen meist einen nicht gerade ausgerichteten Horizont haben und das Wasser sozusagen aus dem Bild läuft, so ist dies mit auf die nicht gerade förderliche Haltung zurückzuführen. Also das Smartphone beim Fotografieren nicht zu weit von sich strecken – der Arm sollte angewinkelt sein. Ihre Aufnahmen werden es Ihnen danken.

Fotogewohnheiten, wie die mit dem Smartphone, scheinen sich auch auf das Fotografieren mit Kameras zu übertragen. Nun, das ist irgendwie auch nicht verwunderlich – wir wissen ja alle, dass der Mensch zu Gewohnheiten neigt. Zu beobachten ist in jedem Fall, dass Kameras immer häufiger gern einhändig in die Luft gestreckt werden. Diese Angewohnheit wird natürlich auch noch gefördert, wenn das Kameradisplay als Sucher fungiert. Nun machen wir einmal eine sportliche Trockenübung. Nehmen Sie Ihre Kamera in die rechte Hand mit einem Finger auf dem Auslöseknopf und strecken Sie Ihren Arm so weit wie nur möglich nach vorne von sich weg. Welche Erfahrung machen Sie? Stimmen Sie uns zu, dass es mit jeder Sekunde schwieriger wird, der Handunruhe entgegenzutreten? Auch ein gerades Ausrichten der Kamera ist nicht wirklich möglich.

Ihre Haltung und die der Kamera entscheiden über Ihren fotografischen Erfolg. Unternehmen Sie einmal einen weiteren Selbstversuch, denn der verdeutlicht, auf welch wackligen Beinen wir Fotografen mitunter stehen. Stellen Sie sich einfach mal gerade hin, Beine und Füße geschlossen. Sie werden schnell feststellen, dass diese Haltung alles andere als zum Fotografieren geeignet ist. Im Stehen heißt die Devise, die Beine leicht auseinander zu stellen. Damit das Gewicht auf beide Füße verteilt ist, sollte der eine Fuß etwas vor dem anderen stehen. Die Position gibt Ihnen Stabilität, aber auch die erforderliche Lockerheit.

Nun fotografiert man nicht immer im Stehen, sondern zum Beispiel aus der Hocke beziehungsweise kniend. Hier sollte man auf der Ferse des einen Beins ruhen und den Ellenbogen auf das entsprechende Knie stützen. Die Kamera ist damit in einer absolut stabilen Position. Kauernd ist eine weitere Option. Hier formt man mit dem Körper quasi ein Stativ, die Ellenbogen ruhen auf den Knien und der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt. Diese Stellung ist äußerst kompakt und entspannt. Je nach Bodenbeschaffenheit und Witterungsverhältnissen kann man sich auch für liegend entscheiden.

Auch bei der Kamerahaltung können unterschiedliche Handpositionen eingenommen werden. Welche man wählt, ist vom Kameramodell, vom Gewicht der Kamera und gegebenenfalls vom Motiv abhängig. Möchte man beispielsweise über eine Menschenmenge hinweg fotografieren, so geht das nur mit nach oben ausgestreckten Armen. Diese Kamerahaltung ist nicht die stabilste und birgt auch die Gefahr von verwackelten Aufnahmen. Bei der horizontalen Kamerahaltung wird das Kameragewicht gleichmäßig auf die Hände verteilt, beide Arme nähern sich soweit wie möglich der Brust, um die Muskelanspannung zu reduzieren und die Stabilität zu erhöhen.

Das Kameradisplay – wie bereits oben ausgeführt – verführt viele Fotografen dazu, mit ausgestreckten Armen zu fotografieren, weil sich in dieser Haltung über das Bild auf dem Monitor der Motivausschnitt einfacher wählen lässt. Aber genau darin liegt auch die Gefahr: Das Halten der Kamera mit ausgestrecktem Arm erhöht die Verwacklungswahrscheinlichkeit. Obendrein führt diese instabile Haltung oft dazu, die Kamera beim Auslösen zu verreißen, sprich nach rechts oder nach vorn zu kippen. Ein schiefer Horizont, geneigte Wände und schräge Gebäude sind, neben Verwacklungsunschärfe, oftmals die Folge. Verfügt die Kamera auch über einen Sucher, so sollte dieser genutzt werden. Durch die angewinkelten, an die Brust angelegten Arme hält man die Kamera automatisch sehr viel ruhiger. Ist die Kamera nur mit einem Display ausgestattet, so sollten die Arme nicht zu weit ausgestreckt sein. Wird nicht mit Stativ fotografiert, lässt sich die Verwacklungsgefahr zudem durch tiefes Einatmen vor dem Druck auf den Auslöser und durch Anhalten der Luft beim Auslösen, gerade bei schwierigen Lichtsituationen, weiter reduzieren. Das Anlehnen an einer Hauswand oder beispielsweise das Aufstützen der Ellenbogen auf einer Mauer können für zusätzlichen sicheren Stand sorgen, wenn nicht mit Stativ fotografiert wird.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2015

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