Fotografische Langzeitprojekte

Kontinuität zahl sich aus

© Fotograf: Marc Hecht, Wolzhäuser Kirche im Wandel der Jahreszeiten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marc Hecht, Wolzhäuser Kirche im Wandel der Jahreszeiten, Blende-Fotowettbewerb
Jeden Tag oder jede Woche immer zur gleichen Zeit eine Aufnahme von sich, den Kindern, dem Partner, dem Blick aus dem Fenster oder jedes Jahr mit den Eltern und/oder Geschwistern immer wieder eine Gruppenaufnahme in der gleichen Anordnung. Das ist ebenso ein fotografisches Langzeitprojekt wie die wöchentliche Dokumentation der Schwangerschaft, das Fotografieren ein und derselben Baumes im Wandel der Jahreszeiten über mehrere Dekaden oder die Veränderung unseres Lebensraumes über mehrere Jahre in festen Intervallen fotografisch festzuhalten. Personen können bei fotografischen Langzeitprojekten also ebenso im Fokus stehen wie andere Sujets, die Veränderungen unterliegen.

Langzeitprojekte umfassen eine Zeitspanne – wie lang diese ist hängt vom gewählten Motiv ab. Steht der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung, so kann das Zeitintervall ebenso wie bei einem Baum oder bei Stadtansichten mehrere Jahrzehnte umfassen. Ist das Motiv die Schwangerschaft beim Menschen, so sind es maximal neun Monate.

Fotografische Langzeitprojekte erfordern Geduld, Disziplin und einer Vision, denn die Veränderungen werden erst sichtbar mit jeder Aufnahme die sich an die vorherige reiht. Schon bei der Planung und der Ideenentwicklung sollte man sich überlegen, was möglich in der Umsetzung ist. Angenommen man möchte sich zusammen einmal im Jahr mit seinen Geschwistern ablichten, so lässt sich so ein Langzeitprojekt natürlich leichter realisieren, wenn man räumlich nicht zu weit voneinander entfernt wohnt. Sind die Geschwister hingegen über den ganzen Erdball verteilt und ist man in dem Wissen, dass sich alle nur alle fünf Jahre einmal sehen, dann steht die Umsetzung unter keinem guten Stern.

© Fotograf: Berthold A. Seifert, Rhöner Schuetzenfest, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Berthold A. Seifert, Rhöner Schuetzenfest, Blende-Fotowettbewerb
Steht der Mensch im Fokus des fotografischen Langzeitprojektes, dann ist es natürlich auch wichtig, die Bereitschaft bei den Beteiligten entsprechend zu wecken. Dies gelingt unterstützend beispielsweise, wenn man visuelle Ergebnisse von anderen Langzeitprojekten heranzieht. Wichtig ist natürlich, dass Langzeitprojekt bei den Beteiligten lebendig zu halten. Dies gelingt perfekt, indem man sie an den fotografischen Ergebnissen in regelmäßigen Abständen teilhaben lässt und ihnen beispielsweise Abzüge zuschickt oder eine Collage, die immer wieder um die letzte Aufnahme ergänzt wird und beispielsweise dann als Fotoposter zugeschickt wird. Prädestiniert für die Visualisierung sind gerade zum Abschluss eines Fotolangzeitprojektes selbstgestaltete Fotobücher. Diese enthalten dann nicht nur die z.B. großformatigen Gruppenaufnahmen, sondern auch von jedem Abgebildeten eine paar Informationen zu den Ereignissen seit der letzten Gruppenaufnahme.

Geht es einem in dem fotografischen Langzeitprojekt um die Dokumentation der Veränderung des Lebensraumes, einer Straße, eines Viertels, so ist es wichtig, möglichst immer die gleichen fotografischen Standpunkte einzunehmen. Anspruch sollte es sein, dass die Ausschnitte der Einzelaufnahmen möglichst identisch sind. Veränderungen können so besser visuell vermittelt werden.

Fotoausrüstung

Jedes Aufnahmegerät ist theoretisch für die Umsetzung eines fotografischen Langzeitprojektes geeignet. Geht es einem um die tägliche Dokumentation des eigenen ICHS, dann bietet sich das Smartphone an. Inzwischen gibt es zahlreiche Apps, die einen nicht nur bei der Verwaltung der Aufnahmen unterstützen, sondern einen auch erinnern, damit das Festhalten des täglichen Momentes nicht vergessen wird.

Besteht das fotografische Langzeitprojekt darin, einmal im Jahr eine Gruppenaufnahme mit seinen Geschwistern, Eltern, Kindern zu machen, so bietet sich dafür der jährliche gemeinsame Gang zu einem Fotografen beispielsweise an. Natürlich kann man auch selbst fotografisch aktiv sein. Hier würden wir die Kamera bevorzugen und entweder auf eine kompakte System-, Spiegelreflex- oder hochwertige Kompaktkamera zurückgreifen. Toll an vielen aktuellen Kameramodellen ist, dass man sie über das Smartphone und Tablet auch Fernsteuern kann, so dass man nicht auf jemanden angewiesen ist, der einen fotografiert. Natürlich kann man auch auf einen Fernauslöser zurückgreifen. Ein Stativ ist in jedem Fall Pflicht.

Liegt das fotografische Langzeitprojekt in der Natur so würde unsere Wahl ebenfalls auf eine kompakte System-, Spiegelreflex- oder hochwertige Kompaktkamera fallen. Diese Kameras garantieren einfach einen größeren kreativen Spielraum und damit auch ein Vielfaches an Möglichkeiten.

Lohnenswert als fotografisches Projekt sind auch Zeitrafferaufnahmen die man dann zu einem Zeitraffervideo zusammenfügt. Die Zeitspanne reicht je nach Intention von wenigen Minuten über mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2016

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