Fotolabor: Was das Farb- vom Schwarzweißlabor unterscheidet

Alle Filme werden nach demselben Muster entwickelt: Entwickeln, Fixieren, Wässern, fertig. Nur bei Farbfilmen kommen da noch ein paar Besonderheiten dazu und bei Diafilmen sogar noch ein zusätzlicher Entwicklungsdurchgang. Die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen Schwarzweiß- und Farblabor.

© Fotograf: Anke Thoma, Villa Kunterbunt, Blende-Fotowettbewerb
Man kann verstehen, dass irgendwann die Zeit des Kodachrome-Films zu Ende war. Die Entwicklung dieses Farbdiafilms, der eigentlich aus drei Schichten Schwarzweißfilm besteht, war ein kompliziertes Unterfangen mit 14 Arbeitsschritten und allerlei Unwägbarkeiten. Schließlich kam die Farbe erst beim Entwicklungsprozess ins Bild. Das war kein Fall fürs Heimlabor, weltweit gab es nur wenige Speziallabore, die Kodachrome entwickeln konnten. Der normale Diafilm lässt sich dagegen auch im heimischen Labor sicher entwickeln, in einem verkürzten Drei-Bad-Prozess und ohne Unsicherheitsfaktor.

Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal zwischen Schwarzweiß- und Farbprozess ist die Temperatur. Während im Schwarzweißlabor bei 20 Grad gearbeitet wird, ist für den Farbprozess eine erhöhte Temperatur erforderlich. Farbnegative (C-41-Prozess) und Farbdiafilme (E-6-Prozess) werden in der Regel bei 38 Grad entwickelt. Und beide Prozesse sind empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, wobei der Diafilm wesentlich empfindlicher reagiert. Um diese Temperatur halten zu können, muss die Entwicklung in einem temperierten Wasserbad gemacht werden. Schließlich möchte man ja nicht das Labor in eine Sauna verwandeln und auf 38 Grad heizen. Man mag diese Temperatur zunächst für seltsam halten, allerdings wird das viel logischer, wenn man auf die Temperaturangaben in Fahrenheit schaut. Denn dort wird bei 100 Fahrenheit entwickelt, was eben knapp den 38 Grad entspricht. Die Herstellerangaben der Chemie sind dabei besonders zu beachten.

Diese vergleichsweise hohe Temperatur bringt ein Problem mit sich. Während bei Schwarzweißfilmen in der Regel 20 Grad reichen, die Chemie auf Temperatur zu bringen, muss bei der Farbentwicklung die Entwicklungsdose ständig oder zumindest immer dann, wenn nicht gekippt wird, in einem Wasserbad mit 38 Grad gehalten werden. Das ist allerdings etwas mühsam und deshalb gab es früher in fast jedem Hobby-Farblabor eine kleine Entwicklungsmaschine. Dabei wird die Entwicklungsdose mit den Filmen in einem Wasserbad liegend gedreht. So lässt sich die Temperatur konstant halten, außerdem wird die benötigte Chemiemenge verringert, es reicht wenn die untere Hälfte gefüllt ist, die Filme werden ja ständig gedreht. Diese Entwicklungsmaschinen werden heute in geringer Stückzahl wieder neu produziert, sind aber zum Teil auch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich.

© Fotograf: Henrike Kühne, Schneckenhaus, Blende-Fotowettbewerb
Während für Farbnegativfilme im Prinzip die gleichen Schritte wie für einen Schwarzweißfilm nötig sind – Entwickeln, Zwischenwässern, Bleichen und Fixieren (in einem Schritt möglich) und Schlusswässern – kommt beim Diafilm noch ein weiterer Schritt für die Umkehrentwicklung dazu. Dieser so genannte „Farbentwickler“ wird zwischen Erstentwickler und Bleichfix eingesetzt. Damit erhält man den vereinfachten Drei-Bad-Prozess, der für die Heimanwendung optimiert ist.

Der zweite kritische Punkt der Farbentwicklung ist der Faktor Zeit. Denn während es beim Schwarzweißfilm auf 40 Sekunden mehr oder weniger in der Regel nicht ankommt, kann das bei Farbfilmen sehr wohl eine Rolle spielen. Insbesondere bei Dias, da hier auch eine nachträgliche Korrektur wie beim Erstellen von Farbabzügen nicht mehr möglich ist. Das Einhalten der Zeiten setzt eine gewisse Ordnung im Labor voraus. Wer dann rechtzeitig temperiertes Wasser für die Zwischenwässerung bereithält, kann diese Probleme aber durchaus lösen. Farbfilmentwicklung ist nicht überaus schwierig, setzt aber genaues Arbeiten voraus.

Eine ganz andere Nummer sind allerdings selbst gemachte Abzüge von Farbnegativen. Denn dabei wird es wirklich sportlich – Ausdauer ist gefragt. Zum einen muss im Dunkel gearbeitet werden. Schließlich soll das Farbpapier ja alle Farben abbilden, es ist also nicht möglich, beispielsweise bei roter Beleuchtung zu arbeiten. Man greift deshalb auch bei der Papierentwicklung auf Dosen zurück statt der Entwicklungsschalen wie im Schwarzweiß-Labor. Die haben meist einen deutlich größeren Durchmesser als solche Dosen für Filme und werden oft „Drum“ genannt. Ist das belichtete Papier erst einmal in der Dose, kann es wieder in der Entwicklungsmaschine verarbeitet werden und da Entwicklungsdosen zuverlässig vor Licht schützen, kann dann auch im Hellen gearbeitet werden.

Um Farbabzüge zu erstellen, braucht man einen Vergrößerer mit Farbmischkopf, an dem die jeweiligen Farben einzeln gesteuert werden können. Es gibt lange Tabellen, welche Einstellung für welches Papier und bei welcher Zeit nötig ist. Dennoch wird man nicht um Versuche herumkommen, was zwangsläufig auch viel Ausschuss nach sich zieht. Wer Farbfotos im eigenen Labor abziehen möchte, muss in gewisser Weise leidensfähig sein.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2014

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