Fotomotive selbst schaffen - Miniaturfiguren in der großen Welt

© Fotograf: Susanne kramer, Pause, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Susanne kramer, Pause, Blende-Fotowettbewerb
Die Fotografie ist ein höchst kreativer Prozess, und Motive gibt es in Hülle und Fülle. Wem diese nicht ausreichen, der kann natürlich auch seine eigene Motivwelt schaffen, wie die Blende 2014-Teilnehmer Susanne Kramer, Tabea Holzapfel und Ingo Schuster. Bestückt mit Miniaturfiguren, die sie in die reale Welt platzieren, erzählen sie Geschichten. Neben der Fotografie als gestalterischer kreativer Prozess, und dem Spiel mit Schärfe sowie Unschärfe sind es die Inszenierungen, die den Reiz solcher Aufnahmen ausmachen. Voraussetzung dafür ist, die Welt noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise wahrzunehmen, und zwar sozusagen aus dem Mikrokosmos heraus. Dazu ist es notwendig, in kleinen Dingen das Besondere für seine Inszenierungen zu finden. Das können kleine Steine am Wegesrand ebenso sein, wie beispielsweise Pfützen, der Bordstein, aber auch Pflanzen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt – man kann sich sozusagen in alle Richtungen austoben. Je realer die Miniaturfiguren wirken, desto größer ist natürlich die Täuschung des Betrachters. Wichtig ist das Spiel mit den Proportionen, denn das schafft zusätzlich eine völlig neue Sicht auf die Welt, in der sich die Miniaturfigur behaupten muss. Je nach Inszenierung kommt es für den Betrachter sogar zu einer Identifikation mit diesen kleinen Figuren, die übrigens nicht zu klein gewählt werden sollten, damit sie auch bildwirksam positioniert werden können. Einige Hilfsmittel braucht man zudem, um sie „festzukleben“, damit sie nicht umfallen. Sehr beliebt ist hier Vaseline, Wimpernkleber oder beispielsweise doppelseitiges Klebeband.

© Fotograf: Ingo Schuster, Bei der Arbeit, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ingo Schuster, Bei der Arbeit, Blende-Fotowettbewerb
Kompaktkameras, sofern sie mit Makromodus über entsprechende Optik verfügen, liefern durchaus überzeugende Bildergebnisse beim Ablichten von Miniaturfiguren in der realen Welt. Einen deutlich größeren gestalterischen Spielraum garantieren jedoch kompakte System- beziehungsweise Spiegelreflexkameras mit Makroobjektiv. Das Angebot an Makroobjektiven ist umfangreich. Die meisten Hersteller bieten universelle Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 50 bis 100 mm an. Diese Objektive sind recht leicht, klein und in der Regel günstiger als Telemakroobjektive. Sie bieten sich zum Beispiel nicht nur für das Fotografieren von Blüten und Pilzen an, sondern auch für selbst geschaffene Motivwelten mit Miniaturfiguren. Telemakroobjektive mit 180 oder 200 mm Brennweite gehen natürlich auch – sie gestatten einen größeren Aufnahmeabstand, der bei dieser Art der Fotografie auch von Vorteil sein kann.

© Fotograf: Tabea Holzapfel, Miniatur wirkt lebensgroß, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tabea Holzapfel, Miniatur wirkt lebensgroß, Blende-Fotowettbewerb
Eine preiswertere Alternative zu Makroobjektiven stellen Zwischenringe dar. Hierbei handelt es sich um einen hohlen Tubus, der zwischen Kamera und Objektiv angebracht wird. Mit Zwischenringen gelingt es, die Nahdistanz zu verringern und den Vergrößerungsgrad zu erhöhen. Die gängigsten Größen von Zwischenringen liegen bei 12, 25 und 36 mm. Zu beachten ist, dass Zwischenringe Lichtschlucker sind. Je höher die Vergrößerung ausfällt, desto mehr Licht geht verloren.

Eine weitere mögliche preiswerte Alternative zu Makroobjektiven sind Nahlinsen, die wie Filter auf das Objektiv aufgesetzt werden, um mit normalen Objektiven Makrofotografie zu ermöglichen. In ihrer Wirkung sind Nahlinsen vergleichbar mit einer Lesebrille. Die Stärke wird wie bei diesen in Dioptrien angegeben. Nahlinsen liefern übrigens einen interessanten Weichzeichner, wenn auf das Abblenden verzichtet und bei der Fokussierung auf den Nahbereich gesetzt wird. So lassen sich Motive durch gewollte Weichzeichnung hervorragend hervorheben.

© Fotograf: Susanne kramer, Bauarbeiten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Susanne kramer, Bauarbeiten, Blende-Fotowettbewerb
Wichtig ist in jedem Fall ein Stativ. Wird in Bodennähe fotografiert, muss es dafür auch tauglich sein. Und auf eine optimale Ausleuchtung mit Blitzgerät und gegebenenfalls Reflektor und Diffusor ist natürlich auch zu achten.

Dieses Themengebiet der Fotografie macht einfach Spaß und wir können nur die Empfehlung aussprechen, sich diesem zu stellen. Hier kann man auf eine ganz andere Art und Weise seine Kreativität zur Entfaltung bringen und grandiose Bildserien schaffen.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2014

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