Fotophänomen Selfie - Selfie-Sticks zählen laut Magazin „Time“ zu den 25 besten Erfindungen in 2014

© Fotograf: Ulrike Götz, Selfie, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ulrike Götz, Selfie, Blende-Fotowettbewerb
Im Jahr 2013 wurde der Begriff Selfie vom Oxford Dictionary zum britischen Wort des Jahres gekürt – spätestens seit der letztjährigen Oscar-Verleihung ist das Selfie der Star. Selfies stehen für Selbstporträts, die Anwender mit ausgestrecktem Arm von sich machen. So mancher hat den Selfie-Trend gewiss rückblickend übertrieben – entstanden sind Aufnahmen, die bisweilen auch unter die Gürtellinie gehen. Der sicherlich streitbare Modegott Karl Lagerfeld bezeichnete Selfies gar als „elektronische Masturbation“ – ob man so weit gehen muss, überlassen wir jedem selbst. Fest steht, dass es mittlerweile unzählige Abwandlungen der Selbstporträts gibt seien es nun Belfies (Selfies von Hintern), Bifies (Selfies im Bikini), Bedstagram (Selfies im Bett direkt nach dem Aufwachen), Dronies (Selfies aufgenommen über Drohnen), Shower-Selfies (Selfies unter der Dusche), Suglies (Selfies besonders ugly, also hässlich), Duckface-Selfies (Selfies mit „Entenschnute“), Touri-Selfie (Selfies mit touristischen Attraktionen), Healthies wie „Gesundheit” (Selfies aus dem Fitnessstudio oder vom gesunden Essen) – diese Auflistung lässt sich beliebig erweitern bis hin zu Sellotape-Selfies (Klebe-Monster-Selfies).

Selfies sind übrigens nichts Neues – es gab sie bereits zu Zeiten der analogen Fotografie. Durch Smartphones wurden Selfies jedoch zu dem Trend, wie wir ihn heute erleben. Die Kameraindustrie hat den Selfie-Trend bei ihren Kameraweiterentwicklungen längst aufgegriffen, wie beispielsweise mit ausklappbaren Displays, über die man sich beim Selbstporträt im Blick hat. Gefördert wird der Selfie-Trend zusätzlich durch Zubehör wie Selfie-Stick (Selfie-Stange). Mit diesen lässt sich der Aufnahmearm verlängern, wodurch neue Stilrichtungen geprägt werden, wie beispielsweise neben dem Selbstporträt auch Sehenswürdigkeiten in Selfies zu integrieren. Gerade in touristischen Metropolen sind die Selfie-Sticks aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken, und zwar generationsübergreifend. Wie die „New York Times“ zur Jahreswende 2014/2015 berichtete, war es an Silvester kaum möglich gewesen, New Yorks Touristenzielen zu begehen, ohne von einer Stange gestupst oder gestoßen zu werden. Aber auch Sehenswürdigkeiten anderer Städte sind mittlerweile Hochburgen der Stangenfotografie, die auch in den touristischen Metropolen Deutschlands das Stadtbild zunehmend prägen.

Ihren Siegeszug traten die Selfie-Sticks in 2014 an – das Magazin „Time“ zählt sie zu den 25 besten Erfindungen in 2014 – auch, wenn sie nicht wirklich neu ist. Schon 1926 nutzte Arnold Hogg eine Stange, um daran seine Kamera zu befestigen. Laut „The Daily Dot“ ist damit Arnold Hogg der erste Mensch in der aufgezeichneten Geschichte, der das genutzt hat, was heute als Selfie-Stick bezeichnet wird.

Selfie-Sticks bestehen meistens aus einem rutschfesten Griff, einem Teleskoprohr sowie einem Schraubgewinde mit Adapter, in das das Smartphone geklemmt wird. Je nach Ausführung lässt sich die Länge des Teleskoprohres variieren – mehr als ein Meter ist möglich. In der Regel befindet sich am Griff des Teleskoprohres der Auslöser. Der schickt das Signal über Bluetooth an das Smartphone.

Mit Selfie-Sticks lassen sich unseres Erachtens neue fotografische Perspektiven erschließen. Wir können uns hier nicht den Ausführungen der Stuttgarter Zeitung anschließen, die ausführte „ein Selfie-Stick sei wie eine Wünschelrute, mit der der moderne Mensch neue Quellen der Selbstdarstellung erschließt. Das Ego-Labsal zusätzlicher Likes für das auf Facebook hochgeladene Foto entschädigt auch dafür, im realen Leben wie ein stöckchentragender Idiot auszusehen”.

Der Selfie-Trend wird sicherlich in die nächste Runde gehen. Für 2015 prognostizieren wir, dass Dronies (Selfies aufgenommen über Drohnen) an Bedeutung gewinnen. Dazu passt sicherlich auch die Erfindung der Kameradrohne Nixie, die man wie ein Armband am Handgelenk trägt. Auf Zuruf, so die Entwickler, schwirrt die Kameradrohne davon, um ein Bild seines Besitzers oder seiner Besitzerin zu schießen. Danach findet das Gadget, so stellen es sich die Entwickler vor, seinen Weg zurück und nimmt wieder seinen Platz am Handgelenk des Besitzers ein. Inwieweit allerdings die Selfie-Haarbürste, in die das Smartphone gesteckt wird, für einen neuen Trend im Bereich der Selfies sorgt, stellen wir in Frage.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2015

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