Fotopraxis: Aus dem Leben - Fotografen vor der Linse

Fotografieren zählt mit zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigengen – nun anders wäre die Bilderflut auch nicht zu erklären mit über einer Billion Fotos in 2016 weltweit. Diese Zahl ist schon beeindruckend und man ist sicherlich kein Prophet, dass sie weiter nach oben gehen wird. Für den perfekt festgehaltenen Augenblick nehmen Fotografen sehr viel auf sich, wie der Wettbewerbsbeitrag „Blende-Fotograf bei Sturm und Schnee….“ von Roland Schweizer zur „Blende 2016“ und der thematischen Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“ eindrucksvoll zum Besten gibt. Zu jeder Jahres- und Tageszeit zieht es Fotobegeisterte nach draußen, da werden unzählige Kilometer und lange Fußmärsche auf sich genommen und für das Motiv nicht nur in die Hocke gegangen. Belohnt wird man für seinen Einsatz mit sehenswerten visuellen Impressionen, die pure Werbung nicht nur für die eigene Schaffenskraft sind, sondern auch für die Fotografie. Jeder, der aktiv der Fotografie nachgeht, verdient die Anerkennung sind doch die festgehaltenen Momente alles andere als Selbstläufer.

© Fotograf: Roland Schweizer, Blende-Fotograf bei Sturm und Schnee...., Blende-Fotowettbewerb
Roland Schweizer, Blende-Fotograf bei Sturm und Schnee…., Blende-Fotowettbewerb

Der größte „Feind“ eines jeden Fotobegeisterten ist die Zeit, denn die muss man sich nehmen auf dem Weg zum Bilderfolg. Natürlich fängt man den ein oder anderen sehenswerten Schnappschuss auch im Vorübergehen ein – in der Regel ist der fotografische Schaffensprozess doch zeitintensiv. Dazu gehört auch, mitunter den inneren „Schweinehund“ zu überwinden und beispielsweise früher als alle anderen unterwegs zu sein. In den Morgenstunden, in der blauen Stunde, gelingen nun einmal in der Regel wie vor Einbruch der Nacht, die sehenswertesten Landschaftsaufnahmen. Tierfotografen wissen auch ein Lied davon zu singen, wie viel Geduld und Ausdauer notwendig sind, bis dass Motiv so im Kasten ist, wie man es sich vorgestellt hat. Oftmals sind sogar mehrere Anläufe notwendig, denn Füchse und Co. warten nicht geduldig auf den Fotografen. Belohnt wird man für seinen Einsatz mit nicht alltäglichen Aufnahmen, die es dann zum Beispiel auch bei unserem Zeitungsleser-Fotowettbewerb „Blende“ ganz nach oben aufs Treppchen schaffen können. Hier erhält man die Anerkennung für seinen Einsatz.

Die Fotografie sorgt nicht nur dafür, die Wahrnehmung zu schulen, sondern trägt auch zur persönlichen Entschleunigung bei. Motive wollen erst einmal entdeckt werden. Rauscht man an ihnen quasi wie ein ICE mit über 300 Stundenkilometer vorüber, so wird man sie höchstens noch aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Geschwindigkeit bedeutet zugleich auch eine Reizüberflutung, die den Blick auf das Wesentliche verbaut. Bewusstes Fotografieren setzt voraus, der Reizüberflutung durch Drosselung der eigenen Geschwindigkeit zu entgehen. Motive wollen entdeckt und erobert werden – dafür sollte man sich Zeit nehmen. Natürlich beansprucht die visuelle Erfassung nur wenige Millisekunden. Möchte man das Motiv aber wirkungsvoll in Szene setzen und nicht nur sein Abbild schaffen, dann braucht das Zeit und Muße. Fotografien leben von Emotionen und zwar von jenen, die man als Fotograf spürt und vermitteln möchte – das braucht Zeit. Selbst wenn man das fotografische Handwerk mit dem Spiel mit Zeit und Blende wie im Schlaf beherrscht, so ist es ratsam, der Entfaltung der eignen Kreativität und der Lust am fotografischen Experiment auch die dafür notwendige Zeit einzuräumen. Fazit: Fotografen die nicht nur Abbilder schaffen wollen für die sind Entschleunigung und die Entdeckung der Langsamkeit essenziell.

Fotografen gehen mit ihrem Hobby einer Freizeitbeschäftigung nach, die den ganzen Körper beansprucht und Balsam für die Seele ist. Man kann sie auch als sportliche Aktivität – meist an der „frischen“ Luft – bezeichnen. Anders jedoch als beispielsweise der Jogger kommen Fotografen von ihren Streifzügen mit Bildern zurück, die in der Regel für große Glücksgefühle sorgen.

Die Fotografie ist dank ihrer vielen Sujets so vielseitig, dass sie sowohl bei denjenigen, die ihr aktiv nachgehen, als auch bei den passiven Bildgenießern, keine Langweile aufkommen lässt. Als Aktiver, und das spornt Fotobegeisterte auch immer wieder von neuem an, kann man sich jedes Mal neuen Herausforderungen stellen – einen Stillstand gibt es für sie in der Fotografie nicht.

Einfacher und Vielseitiger – und dass motiviert natürlich auch – ist die Fotografie durch die technischen Innovationen geworden. Durch smarte Lösungen wird man verstärkt auf dem Weg zum Bild in vielfältigster Weise unterstützt. Betrachtet man sich heute von Hobbyfotografen eingefangene Impressionen, wie sie beispielsweise zu „Blende 2016“ beispielsweise eingereicht wurden, so wären sehr viele dieser Amateuraufnahmen vor fünf bis zehn und mehr Jahren in der vorliegenden Qualität undenkbar gewesen. Dies lässt die Schar derer, die sich als Hobbyfotograf betätigen, weiter anwachsen.

Zum Leben eines jeden Hobbyfotografen gehört oftmals, dass es auch mal eine Zeitspanne geben kann, in der man nicht zur Kamera greift. Die Ursachen dafür können vielfältig sein, wie zum Beispiel in der schon angesprochenen fehlenden Zeit. Wichtig ist, so ist von vielen Fotobegeisterten zu hören, die diese Phase schon erlebt haben, dass diese nicht zu lang ist. Im Nachhinein ärgert man sich über die persönliche bildlose Zeit. Wie jedes Hobby so braucht die eigene Fotografie natürlich auch immer mal wieder Inspiration – auch diese findet man beispielsweise beim Fotowettbewerb „Blende“ mit den jährlichen thematischen Vorgaben. Eine weitere Option ist der Besuch von Fotofestivals, Fotoseminaren etc. und der Austausch bei sogenannten Fotostammtischen.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2017

4 Kommentare

...Mich hält Schneetreiben auch nicht davon ab zu fotografieren. Dazu brauche ich kein Selfi. Zeitgeist eben...

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
13. Februar 2017, 11:15:21 Uhr

Treffend und Glückwunsch. Ihr lebt die Fotografie. Sorry Lutz, das Foto wurde bestimmt danach ausgewählt, dass auch Schneetreiben uns nicht davon abhalten kann, uns Zeit für unsere Motive zu nehmen. Gruß Timo

Timo

von Timo
25. Januar 2017, 16:57:53 Uhr

Zum Thema "Fotografen vor der Linse" hatte ich letztes Jahr auf einer Fotoreise in Nordspanien eine kleine Diashow erstellt: https://www.youtube.com/watch?v=7v0CAqbDzsM&t=1s

Thomas

von Thomas
25. Januar 2017, 13:29:15 Uhr

Suspekt finde ich es wenn Fotos zur Selbstinszenierung gemacht werden, auch braucht man für dieses hier gezeigte Foto keine Zeit. Freund, Freundin mitgenommen, in die Hocke gehen, abdrücken und das war es dann. Bilder der Bilder wegen, das ist es was mich fotografieren lässt.

Lutz Klapp

von Lutz Klapp
25. Januar 2017, 12:46:50 Uhr

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