Fotoschule: Licht - Farbe, Härte, Richtung

Die Zutaten, die jede einzelne Fotografie ausmacht, sind vielfältig – hier geht es dem Fotograf wie dem Koch. Das Licht, die Zutat schlechthin, ist essenziell – Fotografieren heißt ja nichts anderes, als mit Licht zu malen. Als Fotobegeisterter ist es deshalb ratsam, sich intensiver mit dem Thema Licht auseinanderzusetzen, denn dieses ist alles andere als eine Konstante. Wie wandelbar das Licht im tages- und jahreszeitlichen Verlauf ist, wird vielfach nicht wahrgenommen. Das liegt daran, dass man sich mit der Thematik nicht auseinandersetzt, aber auch in unseren adaptierenden Augen begründet. Letzteres führt nämlich dazu, dass wir die Veränderungen gar nicht registrieren. Wer über eine Kamera mit Zeitrafferfunktion verfügt, für den ist es ein Leichtes, sich dies zu visualisieren, indem er die Kamera auf ein Stativ setzt und das gleiche Motiv in regelmäßigen Abständen am Morgen beginnend bis in den Abend hinein, ablichtet. Ein kleiner Tipp: In den Morgen- und Abendstunden sollte die Zeit zwischen den einzelnen Aufnahmen nicht zu groß gewählt werden.

© Fotograf: Ronny Lohrke, Dresden in der Blauen Stunde, Blende-Fotowettbewerb
Ronny Lohrke, Dresden in der Blauen Stunde, Blende-Fotowettbewerb

Goldene und Blaue Stunde – Einzigartiges Farbenspiel von Orange/Rot über Purpur zu tiefem Blau

Wie groß der Einfluss des Lichtes auf die Farbgebung ist, zeigt sich in der goldenen und blauen Stunde. Die goldene Stunde umfasst die unmittelbare Zeit nach Sonnenauf- beziehungsweise vor Sonnenuntergang. Das Licht in dieser Zeitspanne ist besonders warm und weich sowie von langen Schatten gekennzeichnet.

Die blaue Stunde umfasst das Zeitintervall kurz vor dem Sonnenauf- und kurz nach Sonnenuntergang. Die Bezeichnung für die blaue Stunde resultiert aus der charakteristischen Blaufärbung des Himmels. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren.

Tipp: Auf dem Weg zum fotografischen Erfolg ist es überaus nützlich, sich mit der sich ändernden Farbgebungen im Tagesverlauf auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, sein Farbsehen zu trainieren. Aufgrund der Reizüberflutung ist dies oftmals verkümmert, besteht doch im täglichen Leben nicht die Notwendigkeit, sich mit dem Farbspiel auseinandersetzen zu müssen.

© Fotograf: Klaus Rössner, Sundown, Blende-Fotowettbewerb
Klaus Rössner, Sundown, Blende-Fotowettbewerb

Lichthärte und -richtung

Nicht nur die Lichtfarbe ändert sich im Tagesverlauf, sondern ebenso die Härte und die Richtung des Lichtes – das hat natürlich auch erheblichen Einfluss auf die Wirkung von Aufnahmen. Landschaftsfotografen – aber nicht nur diese – fotografieren auch deshalb bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden. Mit diesem Licht lassen sich Motive perfekter modellieren, vielfach mit einem großen Schuss Romantik. Geht es nach dem Licht kann man sich und der Kamera in der Mittagszeit getrost Ruhe verordnen oder sich einfach in ein Café oder Ausflugslokal setzen.

Hartes und weiches Licht

In der Fotografie ist immer wieder von weichem und hartem Licht die Rede. Wie hart das Licht wirkt, hängt zum einen von der Größe der Lichtquelle ab, aber auch vom Abstand zum Motiv. Generell schafft eine kleine Lichtquelle ein direktes, hartes Licht. Nehmen wir als Beispiel das Fotografieren mit einem Aufsteckblitz, direkt eingesetzt ohne Zerstreuer und indirekt eingesetzt mit Zerstreuer beziehungsweise eine Ausleuchtung über die Decke. Das direkte Blitzen ist wesentlich härter als das indirekte, weshalb bei Personenaufnahmen beispielsweise bevorzugt indirekt fotografiert wird – auch um harte Schatten zu vermeiden. Werden Personen im Freien abgelichtet, so kommen Diffusoren beziehungsweise Reflektoren zum Einsatz, um ein weicheres Licht zu erhalten.

Aber nicht nur die Größe der Lichtquelle entscheidet über die Härte des Lichtes, sondern auch die Entfernung. Obwohl die Sonne weit weg ist, handelt es sich aufgrund ihrer Strahlkraft um eine harte Lichtquelle. Landschaftsfotografen beispielsweise bevorzugen seitlich einfallendes Licht, denn dies ist für sie ein Garant für Tiefe, aber auch Textur in ihren Aufnahmen.

© Fotograf: Andrea Werner, Licht und Schatten am Tiefwarensee, Blende-Fotowettbewerb
Andrea Werner, Licht und Schatten am Tiefwarensee, Blende-Fotowettbewerb

Weißabgleich

Noch ein letzter Tipp: Mit dem Weißabgleich haben Fotografen ein wunderbares Tool an ihrer Kamera, auf die jeweilige Lichtfarbe eingehen zu können.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2017

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