Fotostudio - Hunde als Fotomodell

© Fotograf: Beate Kiemes, Kleine Lucy, Photoglobus
© Fotograf: Beate Kiemes, Kleine Lucy, Photoglobus
Wer sagt eigentlich, dass Fotomodelle immer nur zweibeinig sein müssen? Klar, der Hund, das Familienmitglied, wird natürlich auch fotografiert. Aber dann meist draußen, beim Spielen, wenn der Vierbeiner über die Wiese tollt. Dabei ist ein Hund auch ein tolles Motiv, um im eigenen Fotostudio abgelichtet zu werden. Und im Prinzip – jedoch mit einigen Besonderheiten – funktioniert es dort so, wie beim Fotografieren von Menschen.

Die besten Bilder gibt es meistens, wenn der Fotograf auf Höhe des Objekts ist, das gilt für Menschen genauso wie für Hunde. Es ist also angeraten, dass der Fotograf in die Knie geht – mindestens. Die wenigsten Hunde sind schließlich so groß, dass man sie auch aus halber Höhe frontal von vorne fotografieren kann. Gerade im Studio soll der Hund ja aber vielleicht nicht so sehr auf dem Boden stehend oder sitzend posieren. Der alte Trick ist lange bekannt: Man nutz, ein kleines Podest, auf dem der Hund Platz nimmt, und redet ihm ein bisschen gut zu.

© Fotograf: Frank Hoffmann, Collie, Photoglobus
© Fotograf: Frank Hoffmann, Collie, Photoglobus
Ideal ist es natürlich, wenn man beim Ablichten seines Hundes im Fotostudio zu zwei ist. Für den Fotografen ist es ansonsten schon eine große Herausforderung, sich auf das Fotoshooting zu konzentrieren und gleichzeitig den Hund zu unterhalten beziehungsweise in Pose zu bringen. Im Gegensatz zu menschlichen Models versteht der Hund es nicht, wenn man ihm sagt, den Kopf noch ein wenig mehr nach links oder beispielsweise nach oben. Hunde kennen schlichtweg die Regieanweisungen aus dem Fotostudio nicht. Am besten ist deshalb eine Bezugsperson des Hundes dabei. Die kann ihn mal zwischendurch loben sowie streicheln und beispielsweise mit einer Handbewegung zeigen, wie rum er den Kopf drehen soll. Leckerlies sind natürlich auch Pflicht und überfordern Sie Ihr Hundemodell nicht. Eine kleine Spieleinlage kann Wunder bewirken.

Überhaupt sollte sich ein Fotograf, der Tiere ablichtet, in Geduld üben. Das ist in freier Wildbahn so, das ist aber genauso, wenn man mit dem Hund im Fotostudio ist. Zeitdruck ist vielleicht etwas, mit dem ein professionelles Fotomodell umgehen kann, ein Tier kann es nicht. Und wenn erst einmal die Menschen nervös sind, dann kann man fest davon ausgehen, dass sich auch anwesende Vierbeiner davon anstecken lassen. Also lieber etwas mehr Zeit einplanen und vor allem: Pausen machen. Auch ein Hund braucht mal eine Pause, vielleicht einen kurzen Gang an die frische Luft. Ohnehin sollte sich ein Shooting mit Tieren nicht ewig in die Länge ziehen, besser ist es, ein kürzeres Shooting zu machen, anschließend in Ruhe die Ergebnisse überprüfen und dann vielleicht noch ein zweites Mal Fotos machen.

© Fotograf: Frank Hoffmann, Collie, Photoglobus
© Fotograf: Frank Hoffmann, Collie, Photoglobus
Ansonsten sind im Fotostudio mit seinen vielen Möglichkeiten der Kreativität des Fotografen kaum Grenzen gesetzt. Ganzkörper- oder Teilaufnahmen, Highkey und Lowkey, weißer oder dunkler Hintergrund, es gibt nichts, was nicht auch mit Hunden möglich wäre. Und dabei muss es nicht immer der Hund mit braunem Fell vor einer weißen Wand sein. Da die meisten Hunde ein eher gedecktes Fell haben, drängt sich die Kombination aus dunklem Fell und dunklem Hintergrund geradezu auf. In einem Studio kann die Beleuchtung des Hintergrunds durch einen separaten Blitz meistens unabhängig vom Vordergrund gesteuert werden. Es ist also kein Problem, einen dunkelgrauen Hintergrund zu zaubern, indem der eben nur schwach angeblitzt wird. Wer sich sein Studio selbst einrichtet, liegt mit einem grauen Hintergrund richtig, der lässt sich mittels Blitz in fast allen Helligkeitsstufen einsetzen. Und wenn es ein bisschen Farbe sein darf: Spezielle Farbfolien für Blitze bringen zusätzliche Akzente auf den Hintergrund.

Steht oder sitzt der dunkle Hund vor dem einigermaßen dunklen Hintergrund, besteht allerdings die Gefahr, dass Hintergrund und Fell miteinander verschmelzen – das ist nicht das, was beabsichtigt ist. Überhaupt sollte das Fell ja auch glänzen und nicht etwa matt auf den Bildern aussehen. Dies wird recht einfach erreicht, indem ein Aufhellblitz von schräg hinten eingesetzt wird. Wichtig ist dabei, dass er zum einen nicht zu hell ist, schließlich soll es nicht aussehen, als leuchte der Hund, zum anderen muss er gerichtet werden, damit es nicht etwa zu Reflexionen im Objektiv kommt. Letzteres wird dadurch erreicht, dass eine Wabe eingesetzt wird, die nur ein sehr gerichtetes Licht zulässt. Dieses lässt sich dann auch entsprechend steuern.

© Fotograf: Harald Fuchs, EAGLE - my best friend..., Photoglobus
© Fotograf: Harald Fuchs, EAGLE – my best friend…, Photoglobus
Schließlich gilt es dann nur noch, die üblichen Fallstricke zu umgehen. Zum Beispiel das zwar sehr beliebte, aber deshalb nicht bessere Scharfstellen auf die Nasenspitze – weil das zentrale Autofokusfeld genau dorthin zeigt. Natürlich müssen auch beim Hund die Augen scharf sein, nicht die Nase und auch nicht die Ohren. Das kann mitunter ein bisschen sportlich sein, richtig zu fokussieren, vor allem, wenn der Hund ein langes Fell hat. Da aber kein Weg daran vorbei führt, gibt es nur die Möglichkeit, im Zweifelsfall auf manuellen Fokus umzustellen. Ein helles Einstelllicht erleichtert das Fokussieren.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2014

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