Fototipp - Bildkomposition der Schlüssel zum sehenswerten Erfolg

© Fotograf: Marianne Bendix, verwunschen...., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marianne Bendix, verwunschen…., Blende-Fotowettbewerb
Fotografieren beinhaltet ein hohes Maß an fotografischer Kreativität. Wie heißt es doch so schön: Auf das Auge kommt es an. Dies wird vor allem dann augenfällig, wenn ein und dasselbe Motiv von unterschiedlichen Fotografen festgehalten wird. Die Unterschiede, die sich hier auftun können sind gravierend und offenbaren zugleich die vielfältigen fotografischen Optionen. Das A und O in der Fotografie ist die Bildkomposition. Diese kommt in der Regel nicht wie aus Geisterhand von selbst. Man muss ein Gespür dafür entwickeln – das ist auch der Grund dafür, warum man in der Fotografie nie auslernt. Natürlich kann man als Fotograf von Malern und anderen Fotografen lernen – Ziel sollte es sein, im Laufe seiner Schaffenskraft nach Möglichkeit eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Dass ist eine hehre Absicht. Wichtig dabei ist, dass man den Spaß an der Fotografie nicht verliert. Natürlich ist die eigene Bildsprache mit den persönlichen Weiterentwicklungen und den wachsenden fotografischen Möglichkeiten Veränderungen unterworfen. Das ist auch gut so, denn das zeigt einem auch selbst auf, welchen Prozess man als Fotograf bereits durchlaufen hat.

Übung macht bekanntlich den Meister und so ist es auch in der Fotografie – man wächst an seinen Aufgaben sowie Zielen und unterliegt einem Reifeprozess wie ein guter Wein oder Käse. Fotografen auf eine Stufe mit Musikern zu stellen, ist durchaus legitim. Bildkomposition bedeutet mit dem vorhandenen zu spielen, für Harmonie und Spannung zu sorgen, ohne dass Langeweile aufkommt. Bildkomposition bedeutet dabei auch, die eigene persönliche Note zu hinterlegen, denn ansonsten werden die Bilder möglicherweise austauschbar – wer will das schon. Im ersten Schritt gilt es, sein Motiv zu erkunden und sich darauf einzulassen – Das klingt banal ist aber essenziell. Gerade wenn man in die Fotografie einsteigt und noch über keinen großen Erfahrungsschatz verfügt, braucht dies länger als bei bereits eingefleischten Fotografen. Vor Augen sollten man sich hier immer führen, dass Fotografen bei allen Verrenkungen die sie für ihre Motive mitunter eingehen, keine Spitzensportler sind und es nicht auf die Anzahl der gemachten Aufnahmen ankommt.

© Fotograf: Hans Werner Jabs-Groß, Hilde beim Bade, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hans Werner Jabs-Groß, Hilde beim Bade, Blende-Fotowettbewerb
Die Fotografie setzen einige mit der Komposition eines Musikstücks gleich – irgendwo ist da was Wahres dran. Der Komponist legt fest, was zu hören ist – der Fotograf legt durch seine Bildkomposition fest, was der Betrachter sehen soll. In diesem Zusammenhang ist übrigens die immer wieder aufflammende Diskussion, ob ein Foto die Wahrheit sagt, interessant. Der Fotograf spielt natürlich mit den Möglichkeiten der Manipulation – dies geschieht allein schon durch die Festlegung des Bildausschnittes. Aber nicht nur damit, sondern auch durch die Fototechnik.

Durch die Wahl der Optik nimmt der Fotograf Einfluss auf die Bildkomposition, indem der Rahmen festgesetzt wird. Dabei steht das Weitwinkelobjektiv für einen großen Rahmen, das Normalobjektiv für einen mittleren Rahmen und das Teleobjektiv für einen kleinen Rahmen. Durch die Wahl der Optik können Bildelemente dementsprechend verdichtet abgebildet werden. Bei statischen Motiven, wie beispielsweise Landschaften und Bauwerken, haben Fotografen auf den ersten Blick alle Zeit der Welt für die Gestaltung, während in der Straßenfotografie auch der Zufall Regie führt. Dies lässt den Schluss zu, dass Landschaften sich einfacher in die Bildkomposition fassen lassen als quirlige Großstadtimpressionen. In der Praxis zeigt sich, dass dem nicht so ist. Gerade bei Landschaften liegt die Aufgabe des Fotografen, der beeindruckt ist von der dreidimensionalen Weite, darin, diese auf eine nur zweidimensionale Fläche zu bannen. Dazu ist die Gestaltung der Fläche notwendig, denn, mit einem Weitwinkelobjektiv eingefangen, ergibt sich eine große Vordergrundfläche und eine nicht geringere Himmelsfläche. Beide müssen interessante Formen aufweisen, wenn Landschaftsaufnahmen überzeugen sollen.

© Fotograf: Sebastian Schneider, Brücke am Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Sebastian Schneider, Brücke am Wasserfall, Blende-Fotowettbewerb
Wie in der Malerei so gibt es in der Fotografie – die ja nichts anderes bedeutet als mit Licht zu malen – Regeln. Der Goldene Schnitt gilt als das Elementargerüst mit dem sich Bildelemente so aufteilen lassen, dass der Betrachter Harmonie und Bildspannung aber keine Langeweile empfindet. Rein mathematisch betrachtet geht es beim Goldenen Schnitt um die Teilung einer Strecke in zwei Teile. Dabei verhält sich der größere Teil zum kleineren genauso, wie die gesamte Strecke zum größeren. Die Aufteilung wird als sehr angenehm empfunden, weil das Auge zwischen unterschiedlichen Größenverhältnissen hin und her pendelt. Einen klaren und gut strukturierten Bildeindruck erhält der Fotograf mit dem „Elementargerüst“ – doch Achtung, denn die Aufnahmen können schnell als starr wirken. Das Bildformat wird hier in die beiden Symmetrieachsen geteilt. Zu den beiden senkrechten und waagrechten harmonischen Teilungslinien werden noch die beiden Bilddiagonalen hinzugenommen.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2016

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