Fototipp: Blaue Stunde

Für die Fotografie gibt es unzählige Regeln – als Fotograf, und erst recht als Einsteiger, könnte man oftmals denken, der eigene fotografische Erfolg wird von einem Regelwerk bestimmt. Dem ist aber Gott sei Dank nicht so und zahlreiche Regeln, die man vielleicht eher als Tipps bezeichnen sollte, sind wichtige Ratgeber. Greifen wir hier die Blaue Stunde heraus. Inspiration, diese zu thematisieren, war der Wettbewerbsbeitrag von Klaus Rohn mit dem Bildtitel „Blaue Stunde“, die er zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Magie des Alltags“ bei „Blende 2016“ eingereicht hat. In seinen Ausführungen führt der Bildautor zu seiner Aufnahme weiter aus „Magie des Alltags, man muss nur genau hinsehen um sie zu finden…“. Trefflich hat Klaus Rohn seinen Bildtitel mit „Blauer Stunde“ gewählt, denn seine Aufnahme ist genau in diesem Zeitfenster entstanden und verleiht ihr die besondere Stimmung.

© Fotograf: Klaus Rohn, blaue Stunde, Blende-Fotowettbewerb
Klaus Rohn, Blaue Stunde – Magie des Alltags, man muss nur genau hinsehen um sie zu finden…

In der Landschaftsfotografie gelten als die besten Zeiten die frühen Morgen- und die nicht so späten Abendstunden. In der Literatur ist vielfach von der „Blauen Stunde“ die Rede. Der Grund dafür liegt in der Lichtfarbe. Wenn die Sonne aufgeht, ändert sich die Beleuchtung, da die Strahlen der tiefstehenden Sonne die Atmosphäre durchdringen. Die Farbe des Lichtes ist wärmer als am Tag, denn die Strahlen legen einen größeren Weg zurück. Da die kälteren blauen Anteile von der Atmosphäre herausgefiltert werden, enthält das Licht einen größeren Anteil an roten und gelben Strahlen. Schatten erscheinen dagegen blau, weil ihnen goldenes Sonnenlicht fehlt und sie das Blau des Himmels reflektieren. Je höher die Sonne am Himmel steht, desto größer wird der Kontrast zwischen den Farben. Am Mittag erreicht dieser Kontrast, insbesondere im Sommer, seinen Höhepunkt. Da das weiße Licht dann keine Färbung aufweist, ergeben sich auch keine Verschiebungen zwischen den Objektfarben. Die Schatten sind schwarz. Mit der untergehenden Sonne beginnt das Licht wieder wärmer zu werden. Das geschieht allerdings so allmählich, dass der Fotograf sein Farbsehen trainieren sollte, um es wahrzunehmen. Ist der Abend klar und bleibt die Sonne bis zum Untergang sichtbar, nehmen die Dinge eine übernatürliche Farbe an. Die Schatten werden länger und erscheinen blau. Die Oberflächenstrukturen werden interessanter.

Ist die Lichtfarbe warm – wie in den Morgen und frühen Abendstunden – so liegt eine einzigartige Stimmung vor, die mitunter sehr romantisch sein kann. Aufgrund der schwachen Lichtverhältnisse ist ein Stativ Pflicht, möchte man die Sensorempfindlichkeit nicht zu sehr nach oben schrauben, was mitunter das Bildrauschen fördert.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

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