Fototipp: Bokeh - Bühne frei für das Hauptmotiv

© Fotograf: Robert Sommer, Im 7. Himmel, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Robert Sommer, Im 7. Himmel, Blende-Fotowettbewerb
Fotografieren bedeutet nicht nur mit Licht zu Malen sondern kreativ zu gestalten. Entscheidend ist, den Blick des Betrachters zu lenken und das gelingt bekanntermaßen durch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Das Hauptmotiv wird dementsprechend in der Regel scharf abgebildet – der Hintergrund versinkt bevorzugt in Unschärfe. Diese Wirkungsweise ist nicht unbekannt und wird deshalb auch intensiv in der Praxis angewandt. Ist heute die Rede von einem unscharfen Hintergrund so spricht man von Bokeh. Das Wort stammt aus dem japanischen und bedeutet so viel wie unscharf beziehungsweise verschwommen.

Um Bokeh ranken sich ganze Wissenschaften und dementsprechend intensiv wird es in Fotobüchern, auf Blogs und in Fachzeitschriften auch thematisiert. Hier ist dann vielfach auch von „gutem“ und „schlechtem“ Bokeh die Rede. Bokeh ist unserer Ansicht nach eine Frage des persönlichen Geschmacks weswegen es sicherlich auch nicht gerechtfertigt ist, von gutem oder schlechtem Bokeh zu sprechen. Weitere Begrifflichkeiten, die gern im Zusammenhang mit Bokeh auftauchen sind „weich“, „hart“, „ruhig“ und „unruhig“. Das ist sicherlich treffender und damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Hintergrund bei aller Unschärfe auch bewusst gestaltet werden kann, wodurch die visuelle Kraft des Hauptmotivs gegebenenfalls erhöht wird. Welchem Hintergrund – weich, hart, ruhig, unruhig -, man den Vorzug gibt ist zum einen eine Frage des Geschmacks und hängt zudem vom verwendeten Objektiv und natürlich auch vom Motiv ab. Die Art des von einem bevorzugten Bokehs unterliegt dabei sicherlich auch aktuellen Trends der gerade visuell angesagten Bildsprache.

Bei allen Diskussionen rund um Bokeh ist es wichtig zu wissen, dass Bokeh nicht gleich Bokeh ist. Die Ursache dafür liegt in der verwendeten Brennweite, der gewählten Blende und dem benutzten Objektiv. Kommen also beispielsweise 200 mm Objektive unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz so zeigt sich bei gleicher Blende (und gleicher Brennweite) ein unterschiedliches Bokeh. Viele beschreiben das Bokeh eines Objektivs deshalb auch oft als subjektive ästhetische Qualität der objektivabhängigen Unschärfe. Das die Hersteller mit ihrem unverkennbarem Bokeh natürlich werben liegt auf der Hand. Da jedes Objektiv also sein ganz typisches Bokeh hat, sollte man sich mit diesem auseinandersetzen, um es dann in der Praxis auch zielgerichtet für sich einzusetzen. Zoomobjektive, die oftmals nicht so lichtstark sind wie Festbrennweiten, wird ein weniger „schönes“ – wir würden eher von intensives – Bokeh nachgesagt.

Wichtig ist zudem zu wissen, dass der Hintergrund umso stärker aufgelöst wird, je länger die Brennweite ist. Kommt also ein Weitwinkelobjektiv zum Einsatz, so ist der Hintergrund selbst bei offener Blende als solcher gegenständlich noch erkenntlich. Anders verhält es sich, wenn ein mittleres Teleobjektiv eingesetzt wird. Bei geöffneter Blende hebt sich der Vordergrund deutlich vom unscharfen Hintergrund ab. Je länger die Brennweite gewählt wird, desto mehr verschwimmt der Hintergrund zu einer homogenen Fläche.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2016

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