Fototipp - Brücken in der Nacht

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© Blende, Tobias Neubert, Blue Wonder at Blue Hour

Brücken, oftmals meisterliche Bauwerke, sind nicht nur verbindende Elemente, sondern überaus lohnenswerte Fotomotive – sowohl am Tag, in der blauen Stunde und, wenn beleuchtet, natürlich auch in der Nacht. Hier wird durch das Spiel unterschiedlich farbiger Lichter die Brückenarchitektur auf ganz besondere Weise hervorgehoben, so dass Brücken oftmals in der Nacht allein aus fotografischer Sicht noch Interessanter sind. Gehen diese beleuchteten Brücken über einen Fluss, dann kann man zudem ihre Spiegelungen in seine Bildinszenierung mit einfließen lassen. Ja, und das Gute an Brücken ist für Fotografen, dass sie nicht weglaufen und wir quasi alle Zeit der Welt haben, sie in Szene zu setzen. Aufnahmen von Brücken sind kein Selbstläufer und auch die Fotoausrüstung entscheidet mit über die Qualität der Aufnahmen. Das Smartphone kann getrost in der Hosentasche verbleiben, denn es ist alles andere als dafür ausgelegt, damit in der Nacht beispielsweise Brücken zu fotografieren. Eine hochwertige Kompaktkamera mit einem Zoombereich, der auch Weitwinkel mit abdeckt, sowie kompakte System- und Spiegelreflexkameras mit Weitwinkeloptik sind prädestiniert für das Ablichten von Brücken. Ein Stativ ist Pflicht und Vorteil ist natürlich ein Fernauslöser. Besitzt man diesen nicht, so kann man sich des Selbstauslösers bedienen – damit ist jedoch eine Verzögerung von zwei bis zehn Sekunden vom Drücken des Auslösers bis zum Beginn der Belichtung verbunden. Besser ist in jedem Fall ein Fernauslöser. Der Kameraakku gehört geladen und an einen Ersatzakku ist ebenso zu denken wie an Ersatzspeicherkarten. Auch, wenn die Nächte jetzt wieder wärmer werden darf man sich selbst natürlich nicht vergessen. Warm anziehen ist ebenso angesagt wie Verpflegung. Mit Durst und einem knurrenden Magen macht das Fotografieren nur halb so viel Spaß.

Zunächst gilt es natürlich, den besten Standort für seine Aufnahmen zu finden. Dies wird, sofern die Brücke über einen Fluß geht, vorzugsweise ein seitlicher vom Rand aus sein. Natürlich hat man auch die Option, die Brücke zentral abzulichten. Dies bedingt jedoch eine Schifffahrt oder eine gegenüberliegende Brücke – wichtig als Fotograf ist hier die Erschütterungen im Blick zu haben, die sicherlich auf einem Schiff noch etwas stärker ausfallen dürften. Das Stativ muss dann entsprechend ausgestattet sein, damit die Erschütterungen durch Verkehr, Wellengang, aber auch Motorvibrationen nicht zum Tragen kommen. Eine weitere Option ist die Wahl eines erhöhten Standpunktes – die Brücke wird quasi aus der Vogelperspektive fotografiert. Dies ist besonders dann interessant, wenn die Brücke befahren ist und man die Leuchtspuren der Autolichter mit einfangen möchte. Die Weitwinkeloptik ist prädestiniert für das Ablichten von Brücken in ihrer Gesamtheit. Natürlich kann man sich alternativ auch dem Panorama bedienen.

Aussagekräfte Aufnahmen von Brücken setzen natürlich eine Bildidee und einen ihr entsprechenden Bildaufbau voraus. Was soll hervorgehoben werden? Sind es beispielsweise die Ausmaße der Brücke, ist es die Spiegelung ihrer Lichter im Fluss oder geht es beispielsweise um räumliche Tiefe und damit die Einbeziehung des städtischen Lichtermeeres im Hintergrund. Man muss sich sicherlich herantasten, und deshalb lautet unsere Empfehlung, das Spiel mit unterschiedlichen Standpunkten einzugehen. Wichtig ist, dass die Kamera gerade ausgerichtet ist. Gitternetzlinien helfen ebenso wie die in zahlreichen Stativen eingebaute Wasserwaage. Auch, wenn die Rauschneigung bei aktuellen Kameras und erst recht bei Vollformatkameras immer mehr in den Hintergrund rückt, so sollte die ISO-Empfindlichkeit nicht zu hoch gewählt werden. Wir würden zu einem Wert zwischen 100 und maximal 200 raten, auch wenn damit eine Belichtungszeit von 10 bis 20 Sekunden einhergehen kann. Ratsam ist in jedem Fall eine Belichtungsreihe, denn Kameras neigen gern dazu, dass sie durchgehend dunkle Bereiche in durchschnittliche Mitteltöne verwandeln. Dem kann nur mit einer entsprechenden Belichtungskorrektur entgegengewirkt werden. Empfehlenswert ist natürlich auch ein Blick auf das Histogramm. Der Graph ist selbstredend nach links verschoben, da die dunklen Tonwerte überwiegen. Wichtig ist, dass er nicht beschnitten ist.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2015

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