Fototipp - Den Herbst im Fokus

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© Fotograf: Markus Neumann, Herbst-Stimmung am Jenbach, Blende-Fotowettbewerb
Bei diesem Foto handelt es sich um eine HDR-Aufnahme (3 Bilder) von den 2012 neu gebauten Jenbach-Stufen in Bad Feilnbach.
Nachträglich habe ich das Foto dann in Photoshop bearbeitet (als Vorlage diente mir hier das Gratis-Training “Digital Landscape” von Calvin Hollywood auf Youtube).

Jede Jahreszeit, wie wir sie in unseren Breiten erleben, hat allein aus fotografischer Sicht eine Menge zu bieten. Der Herbst – auch, wenn er den bevorstehenden Winter ankündigt – ist mit seiner Farbenpracht überaus reizvoll und lässt aus Fotografen noch bessere Maler werden, wenn Landschaften in den Fokus gerückt werden. Ob die Sonne lacht, es regnet und/oder windet oder Landschaften im Nebel versinken zu scheinen – hier gibt es ein Wechselspiel mit Impressionen, die sich im Sekundentakt ändern können.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – das gilt übersetzt auch für Fotografen. Früh aufstehen – vor Sonnenaufgang – ist die Devise, wenn es um das Festhalten von Landschaften in der Morgendämmerung geht. Natürlich sind all jene im Vorteil, die einen kurzen Anfahrtsweg zu einer sehenswerten und dementsprechend fotografierenswerten Landschaft haben. Im Vorfeld sollte man schon grob wissen, wo man als Fotograf seinen Standpunkt einnimmt. Bei hügeligen Landschaften sollte dieser natürlich erhöht liegen. Mit dem Rückgang der Temperaturen steigt die Wahrscheinlichkeit auf Nebel, der in eindrucksvoller Art und Weise Landschaften verhüllt. Mit dem Weißabgleich an der Kamera sollte man unseres Erachtens spielen. Ein wärmerer Weißabgleich garantiert mitunter stimmungsvolle Aufnahmen. Wird für einen stärkeren Kontrast gegen die aufgehende Sonne fotografiert, so muss gegebenenfalls eine Belichtungskorrektur um eine oder zwei Stufen nach unten erfolgen. Pflicht ist natürlich ein Stativ, genügend Speicherkarten sowie, neben geladenen Akkus, auch Ersatzakkus. Wenn der Ausschnitt steht, so empfiehlt sich die Serienbildfunktion, denn quasi im Sekundentakt ändern sich die Lichtstimmungen und somit die eingefangenen Landschaftsimpressionen. Wer es morgens nicht aus dem Bett geschafft hat der kann natürlich die Abendstunden mit der untergehenden Sonne nutzen.

Mystische Aufnahmen im Herbst garantieren in den Morgen- und Abendstunden auch Friedhöfe. Mit ihren Grabstätten, ihrer Geometrie, den Details an Grabschmuck und vielem mehr sind Friedhöfe reich an emotionalen Motiven. Gerade Friedhöfe mit Geschichte sind ein Eldorado. Der Herbst mit seiner Vergänglichkeit, in Kombination mit alten Grabsteinen, im richtigen Licht festgehalten, steht für hochemotionale Aufnahmen. Auf welche Ausrüstung man setzt, ist von den Motiven abhängig. Wer es auf Verzierungen, Inschriften oder beispielsweise Grabschmuck mit Herbstlaub abgesehen hat, dessen Kamera sollte über eine Makrofunktion verfügen beziehungsweise die Kamera mit Wechseloptik mit einem Makroobjektiv ausstatten. Geht es um das Herauslösen einzelner Grabsteine, so sind Telebrennweiten zu wählen. Raffinierte Schärfenführungen gelingen mit Tilt-Shift-Objektiven. Zahlreiche Fotografen wählen lichtstarke Zoomobjektive, da diese ihnen bei der Motivvielfalt den größten fotografischen Spielraum garantieren. Wichtiger als jedes einzelne Bild ist jedoch der respektvolle Umgang mit dem Ort des Todes. Fotografen sollten nie vergessen, wo sie sich befinden und dass sie von Menschen umgeben sind, die um ihre verstorbenen Angehörigen oder Freunde trauern. Der Ort der Ruhe darf vom Fotografen nicht gestört werden, auch, wenn ihm mitunter dadurch ein Motiv entgeht.

Prädestiniert für herbstliche Motive sind unsere Laubwälder mit ihren traumhaften Blattverfärbungen. Man muss dazu nicht während des Indian Summer in die USA reisen. Die frühen Morgen- und späten Abendstunden garantieren atemberaubende Aufnahmen durch die tiefstehende Sonne. Sehr beliebt unter Fotografen sind Gegenlichtaufnahmen, die für eine dramatische Lichtstimmung sorgen. Diese lässt sich übrigens durch Nebel verstärken. Oftmals hat man bei Gegenlicht jedoch mit den sogenannten Blendenflecken, die stern-, ring- oder kreisförmige Muster haben, zu kämpfen. Diese entstehen durch Reflexionen und Streuungen von Gegenlicht in einem Linsensystem. Welches Muster die Blendenflecken haben, wird von den verwendeten Blendenlamellen beeinflusst. Die Färbung der Blendenflecke kann sehr unterschiedlich ausfallen, da durch unterschiedlich starke Beugung bestimmter Lichtanteile sich auch Maxima bestimmter Farben bei einzelnen Reflexionsmustern herausbilden. Blendenflecke können mit geeigneten Linsenkonstruktionen, wie Streulichtblenden und/oder Polarisationsfiltern, zugunsten einer besseren Bildqualität unterdrückt werden. Hat man diese Filter nicht zur Hand, hilft ein Standortwechsel, indem die Sonne hinter einen Baumstamm verbannt wird.

Im Wald sollte man mit der Kamera auch den Blick in die Baumkronen eingehen. Da hier die Lichtverhältnisse – wie sonst im Wald auch – mitunter so sind, dass die Belichtungsautomatik der Kamera in die Irre geführt wird, sind Belichtungsreihen empfehlenswert. Sehr hilfreich ist es, wenn die Kamera über die Funktion Auto Exposure Bracketing (AEB) mit einer automatischen Belichtungsreihe von drei, fünf oder sieben Bildern verfügt.

Fotografieren in der Praxis 09 / 2014

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