Fototipp – Der Weg ist das Ziel

Motive gibt es in Hülle und Fülle, doch wer zusätzlich das Besondere sucht, dem sollte mitunter kein Weg zu weit sein, wie der diesjährige „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „the last house from norway“, eingereicht von Andy Donath, zur thematischen Vorgabe „Schätze der Region“, eindrucksvoll aufzeigt. Der „Blende“-Teilnehmer führt zu seiner Aufnahme aus: „Dieses Bild ist im wunderschönen Norwegen auf den Lofoten aufgenommen worden. Die Inselgruppe der Lofoten sind für mich eine der größten Schätze der ganzen Welt. Nicht nur wegen der unglaublichen Natur und Landschaft, sondern auch wegen der Kultur und Freundlichkeit der Menschen die dort leben. Ich wurde dort so herzlich empfangen, dass es mich beeindruckt hat. Für mich persönlich ein wahrer „Schatz der Region“. Ich habe diesen Spot nur durch Zufall und viel Glück entdeckt. Es war das letzte Haus an einer einsamen und abgelegenen Straße auf den Lofoten in der Nähe von Reine. Ich sah es von weiten und bin ca. 20min durch knietiefen Schnee bei minus 13Grad gestampft für dieses Bild. Ich war so überwältigt von diesem Motiv, dass ich es einfach fotografieren musste. Es handelt sich dabei um eine Langzeitbelichtung mit ND und Verlaufsfiltern.“

© Fotograf: Andy Donath, the last house from norway, Blende-Fotowettbewerb
Andy Donath, „the last house from norway”, Blende-Fotowettbewerb

Auf der Suche, gerade nach nicht alltäglichen Motiven, sollte man als Fotobegeisterter kein Bewegungsmuffel sein. Dies gilt nicht nur für die Wegstrecken, die man mitunter wie der „Blende“-Teilnehmer Andy Donath zurücklegen muss, sondern auch hinsichtlich der eigenen Aufnahmeposition ob nun kniend, liegend oder wie auch immer. Belohnt wird man für seinen körperlichen Einsatz mit Motiven, die fernab des Gewohnten sind. Der Weg ist sozusagen das Ziel, auch wenn man mitunter nicht immer weiß, was einen dort erwartet. Gerade als Natur- und Landschaftsfotograf sollte man – natürlich ohne die Natur zu zerstören – auch außerhalb der eingetretenen Pfade auf Motivjagd gehen und zwar nicht nur deshalb, um Motive jenseits des Alltäglichen zu entdecken, sondern auch, um Landschaften intensiver zu erleben.

Landschaftsfotografien sind wie Seelenzustände. Der „Blende“-Wettbewerbsbeitrag von Andy Donath zeigt weitaus mehr als nur ein Abbild der Realität. Er transportiert Emotionalität, weil er das Gesehene für sich auf seinem langen Fußmarsch durch den Schnee erobert und sich auf sein Motiv eingelassen hat. Natürlich versteht Andy Donath auch die Klaviatur des Bildermachens indem er sich bewusst für eine Langzeitbelichtung mit ND- (Neutraldichte-) und Verlaufsfiltern entschieden hat.

Fotografien von Landschaften mit visueller und emotionaler Nachhaltigkeit sind kein Selbstläufer. Landschaften müssen erobert und erlebt werden. Das bedeutet, sich Zeit für sie zu nehmen, sie zu entdecken und Visionen entwickeln. Neben der verwendeten Ausrüstung spielen der Standort, die Uhrzeit und die Perspektive eine, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle. Die Fototechnik ist Mittel zum Zweck. Zunächst kommt es auf das Auge, die Komposition des Gesehenen und natürlich auf den richtigen Zeitpunkt an.

Die beste Zeit, eine Landschaft zu fotografieren, ist der Moment, in dem das Licht wechselt. Also wenn die Nacht zum Tag wird oder wenn die Sonne langsam untergeht. Deshalb ist es wichtig, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen und auch einen Zeitpuffer einzuplanen. Gleiches gilt übrigens bei schlechtem Wetter. Am dramatischsten werden Fotos, die aufgenommen werden, wenn sich das Wetter gerade wieder bessert. Das heißt: Der Fotograf muss losgehen, so lange es noch regnet.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, Europas größter Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen, ist seit Jahrzehnten ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so einer sehenswerten Aufnahme, wie sie Andy Donath gelungen ist, zu gelangen. Damit soll nicht inspiriert werden zum Kopieren, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

1 Kommentare

Ohne Zweifel ist dies ein umwerfend schönes Bild, dass in herausragender Technik aufgenommen wurde. Ich habe selbst am Wettbewerb teilgenommen und gönne auch jedem den Sieg. Allerdings habe ich ein wenig Probleme, wie das Thema hier im Artikel dargestellt wurde. Für mich sind Schätze der Region eben nicht die tollen Urlaubsbilder, die ich selbst auch zu bieten habe, sondern viel mehr Schätze der Region, in der ich lebe. Es ist hier sehr viel schwerer, einen bildhaften Schatz auszugraben und durchaus auch mit beschwerlichen Wegen und schwierigen Kamerastandpunkten und Aufnahmetechniken zu rechnen. Das macht es für mich nicht aus. Ich habe mich bewußt für 3 Schätze meiner Heimatregion entschieden und war mir schon fast klar, dass ich damit gegen solche Aufnahmen abstinken werde. Schade! Das Bild ist trotzdem gut, aber eben für ein Reisethema in meinen Augen ....

Annett

von Annett
14. Dezember 2016, 12:29:52 Uhr

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