Fototipp: Fotomotive müssen interessieren für emotional aufgeladene Bilder

© Fotograf: Friedhelm Peters, Wunderschönes Ruhrgebiet, Blende-Fotowettbewerb
„Wunderschönes Ruhrgebiet“ von Friedhelm Peters, Blende 2015 (Recklinghäuser Zeitung)
Fotobegeisterte – ob Knipser, Fortgeschrittene oder Ambitionierte – haben einen großen Vorteil, um den sie sicherlich viele Profifotografen früher oder später beneiden. Im Gegensatz zu ihnen können sie das Fotografieren wozu sie Lust haben. Das macht ihre Aufnahmen auch so einzigartig, denn Fotobegeisterte handeln instinktiv nach dem Motto von Lisette Model „Fotografiere niemals etwas, das dich nicht interessiert!“.

Motive verlangen nach Herz und Seele, denn erst dann erzählen Bilder Geschichten und sind emotional aufgeladen wie der „Blende 2015“-Beitrag von Friedhelm Peters. Wunderschön kann man da nur sagen. Wobei hier mit „Wunderschön“ aber nicht auf das Sendeformat des WDR angespielt wird, obwohl die Region dabei auch eine Rolle spielt. Wenn man ein Adjektiv wie wunderschön verwendet, bringt man damit zum Ausdruck, dass eine Sache ungewöhnlich schön ist und deshalb im Betrachter Bewunderung hervorruft sowie Entzücken erregt. Laut Duden wird wunderschön typischerweise mit Substantiven wie Bild, Melodie, Abend oder Landschaft verwendet. Irgendwie doch passend in Bezug auf die Aufnahme von Friedhelm Peters, aber auch seinen gewählten Bildtitel betreffend mit „Wunderschönes Ruhrgebiet“.

Was aber macht die Aufnahme von Friedhelm Peters für uns als Außenstehende so wunderschön und damit so sehenswert. Es sind viele Gründe. Friedhelm Peters ist Westfale und das Ruhrgebiet ist seine Heimat. Er hat eine tiefe Beziehung zu seinem Umfeld, mit dem er sich nicht nur identifiziert. Seine Heimatregion ruft in ihm tiefe Bewunderung hervor, hat seinen Charakter, seine Mentalität und sein Weltbild geprägt. Peters Anspruch mit seiner Aufnahme ist es zudem, uns das andere heutige Ruhrgebiet zu zeigen, wie man es oftmals gar nicht kennt, weil gerade bei den älteren unter uns noch die aktiven Zechen und Stahlhütten im Gedächtnis verankert sind. Natur und Ruhrgebiet das kann dementsprechend nicht zusammengehören – die Landschafts-Impressionen von Peters belegt jedoch das Gegenteil. Geschickt hat der Amateurfotograf zudem für seine stimmungsvolle Aufnahme den Morgen gewählt als die Ruhr noch in Nebel gehüllt ist. Diese Aufnahme strahlt Ruhe und alles andere als Langeweile aus. Grund dafür ist auch der geschickt gewählte Bildaufbau der den Betrachter durch die Aufnahme führt und entdecken lässt. Dass Peters das fotografische Spiel versteht untermauert die Aufnahme ebenfalls eindrucksvoll.

Solche Aufnahmen wie „Wunderschönes Ruhrgebiet“ sind nur möglich, wenn einen Fotografen das Motiv interessiert und er seine Seele in die Aufnahme hineinlegen kann. Dazu muss man sich Zeit nehmen, in die Landschaft eintauchen und beobachten. Manchmal ist es auch notwendig zwei-, dreimal die gleiche Örtlichkeit aufzusuchen, weil erst dann das Licht so ist, wie es die eigene fotografische Intention unterstreicht.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2016

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