Fototipp: Gegen den eigenen Drall - Gerader Horizont

Aktuelle Kameramodelle – und auch etliche ältere Modelle – verfügen über Gitternetzlinien, eine Wasserwage oder über ein anderes Hilfsmittel, um den Horizont gerade auszurichten. Ein gerader Horizont entscheidet maßgeblich über die Bildwirkung. Wie heißt es doch so schön: wenn schief, dann richtig schief, denn dann geht der Betrachter davon aus, dass es sich um ein Gestaltungsmittel handelt. Ist die Aufnahme hingegen nur minimal nicht in der Waagrechten, so kann dies das beste Motiv zu Nichte machen. Insbesondere bei Aufnahmen mit Wasserflächen fällt es ins Gewicht, wenn der Horizont nicht gerade ist. Auf den ersten Blick erscheint es einfach, den Horizont im Bild ohne die besagten Hilfsmittel gerade auszurichten. Doch dem ist nicht unbedingt so, hat doch jeder einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Drall, die Kamera zu kippen. Der „Blende 2017“—Teilnehmer Patrick Warnke hat bei seiner Wettbewerbsaufnahme „Stille“, die er ohne die Hilfsmittel Gitternetzlinien oder beispielsweise Wasserwage aufgenommen hat (auch wenn seine Kamera über diese Features verfügt) insbesondere auf einen geraden Horizont geachtet.

© Fotograf: Patrick Warnke, Stille, Blende-Fotowettbewerb
Patrick Warnke, Stille, Blende-Fotowettbewerb

Der „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Stille“ ist eine Momentaufnahme, die nicht nur vom geraden Horizont lebt, sondern auch von der Farbreduzierung und den wenigen Bildelementen. Patrick Warnke: „90 Prozent meiner Aufnahmen sind ungestellte, zufällige Momentaufnahmen, die meistens am Strand entstehen, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe oder wir einfach ein paar Stunden am Strand verbringen.“ Das Wichtigste ist für den begeisterten Fotografen, der mit einer Olympus OMD 5 fotografiert, den Auslöser zu betätigen und darauf zu achten, dass der Horizont gerade ist. Die fotografische Herausforderung liegt für Patrick Warnke bei seinem Wettbewerbsbeitrag in der Perspektive, der zu seiner Aufnahme ausführt: „Da ich zu dem Typ Mensch gehöre, der immer auf Sicherheit plädiert, habe ich natürlich mehrere Bilder gemacht, die fast alle toll geworden sind. Ich muss gestehen, dass ich meistens im Modus P fotografiere. Ich weiß, dass es als Idiotenprogramm betitelt wird, aber ich bin davon überzeugt, dass die Kameras viel drauf haben. Und zu meiner Verteidigung: Ich fotografiere meistens in der Natur oder auf der Straße, wo ich schnell Situationen einfangen möchte und ich es oft mit schnell wechselnden Licht zu tun habe. Oft bearbeite, korrigiere oder besser gesagt verfeinere ich meine Bilder in Lightroom und gebe ihnen dort den letzten Touch.“

Patrick Warnke begeistert an seiner Aufnahme einfach alles. „Ich wusste, bevor ich den Auslöser drückte, dass die folgenden Bilder einfach besonders werden. Dieses Gefühl oder vielleicht sogar das Wissen stellt sich sehr selten bei mir ein. Ich finde natürlich fast alle meiner Bilder schön, aber selten eins Besonders. Es passte einfach alles. Die Wolken am Himmel, die die Sonne verdecken, aber trotzdem genügend Licht durchlassen, was das Wasser widerspiegelt. Das Wasser der Ostsee, was selten so ruhig vor einem daliegt und dann die Surfer, die erst in die eine Richtung paddelten und dann wieder zurück und mir somit etwas Zeit gaben, den entscheidenden Moment festzuhalten. Es war einfach ein glücklicher Tag, ich hatte den Akku aufgeladen, die Speicherkarte eingelegt (was oft nicht der Fall ist) und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 12 / 2017

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