Fototipp - Eindrucksvolle visuelle Bildimpressionen dank Graufilter (ND-Filter)

© Fotograf: Helmut Strauß, Eine andere Welt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Helmut Strauß, Eine andere Welt, Blende-Fotowettbewerb
Schaut man sich aktuell in Fotocommunitys, auf Blogs und/oder in den sozialen Netzwerken um, so entdeckt man unter anderem überaus stimmungsvolle Landschaftsimpressionen, die eine ganz eigene Bildsprache von enormer visueller Kraft sprechen. Diese Fotografien sind Eyecatcher, auch weil sie uns beispielsweise Landschaften aber auch Plätze mit Menschenansammlungen anders wahrnehmen lassen als wir sie mit unseren Augen sehen. Solche Aufnahmen setzen den Einsatz von Graufiltern – vielfach auch als Neutraldichtefilter bezeichnet – voraus. Manche sprechen übrigens schon von der Wiedergeburt dieser Filter, weil sie bei Fotobegeisterten immer beliebter werden.

Graufilter und einige ihrer möglichen Einsatzgebiete

© Fotograf: Gerald Friederici www.wfgf.de, Unter Volldampf, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Gerald Friederici www.wfgf.de, Unter Volldampf, Blende-Fotowettbewerb
Mit einem Graufilter kann die einfallende Lichtmenge reduziert werden, um so eine längere Belichtungszeit zu erhalten oder mit einer größeren Blendenöffnung fotografieren zu können. Nichtkenner werden sich womöglich fragen, für was das gut sein soll werden doch beispielsweise lichtstarke Objektive propagiert. Möchte man zum Beispiel eine Wasseroberfläche, wie die des Meeres glätten, so geht dies nur mit einer Belichtungszeit von mehr als 15 Sekunden. Solch eine lange Belichtungszeit ist nur durch den Einsatz eines Graufilters möglich. Weitere Beispiele sind fließende Gewässer und Wasserfälle. Nur durch eine Langzeitbelichtung von mehr als eine Sekunde gelingt eine weiche und fließende Darstellung. Oder wie sieht es mit der Darstellung des Himmels mit seinem Wolkenspiel aus? Die Langzeitbelichtung führt zu einer ganz anderen Darstellung der Wolken, die dadurch wesentlich intensiver wirken. Graufilter kommen aber auch gern zum Einsatz, wenn man Personen und/oder Fahrzeuge verschwinden sollen oder man sie nur andeuten will. Das ist sehr reizvoll bei sehr belebten Plätzen. Liegt die Belichtungszeit hier bei zirka zwei Sekunden, dann verwischen Personen und Fahrzeuge. Wird eine Belichtungszeit von mehr als einer Sekunde gewählt, dann verschwinden alle bewegten Objekte. Viele Fotografen greifen auch zum Graufilter, um ein beeindruckendes Bokeh zu erhalten.

Graufilter und ihre Wirkungsweise

© Fotograf: Florian Dümig, Die Schönheit von Madeira, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Florian Dümig, Die Schönheit von Madeira, Blende-Fotowettbewerb
Graufilter, bekannt auch unter dem Namen ND-Filter (Neutral Density = neutrale Dichte) oder Neutraldichtefilter, sperren das gesamte sichtbare Lichtspektrum gleichmäßig und führen dadurch zu einer Lichtreduktion, ohne Farben und Kontrast zu beeinflussen. Die Anwendungen sind vielfältig und teils experimentell. Idealerweise hat ein solches Graufilter eine „waagrechte“ Transmissionskurve im sichtbaren Spektralbereich, d.h. alle auf das Filter durchdringenden Spektralfarben wirken mit gleicher Intensität auf den Empfänger (Film, Sensor,…). Bei einem durchfärbten Filterglas bestimmen die Beimengungen der Glasschmelze seine charakteristische Wirkungsweise. Bei einem Graufilter aus gefärbtem Filterglas ist dies nicht anders. Deren Beimengungen bewirken allerdings, dass im Rotbereich die Transmissionscharakteristik leicht erhöht wird. Dies liegt unbeeinflussbar in der chemischen Zusammensetzung des Glases begründet. Das bedeutet letztlich, dass dieser Rotbereich gegenüber den anderen spektralen Farbkomponenten überbewertet und somit stärker belichtet. Es entsteht daraus ein leichter Warmtoneffekt. Je stärker das Graufilter ist, umso mehr dominiert der Rotanteil. Bei Digitalkameras wird mittels Weißabgleich gegengesteuert, eventuell fallen nachträgliche Korrekturen mit einem Bildverarbeitungsprogramm an.

Das Angebot an Graufiltern ist mit ND 0.3, ND 0.6, ND 0.9, ND 1.8, ND 2.0 und ND 3.0 umfangreich. Sie unterscheiden sich in der Stärke voneinander. Glücklich können sich all jene schätzen, die über so ein Sortiment verfügen, denn dann können sie je nach Situation und Intention den passenden Graufilter wählen. Steht man nun vor einer Anschaffung so würden wir je einen mit geringer, mittlerer und starke Dichte wählen. Beim Kauf muss man darauf achten, dass die Hersteller die Stärke ihrer Filter unterschiedlich angeben. Dies hat zur Folge, dass man bezüglich der Belichtungszeit möglicherweise nicht einfach auf eine Tabelle zurückgreifen kann, um die Belichtungszeit zu ermitteln.

Belichtung – Welche ist die beste?

© Fotograf: Jens Fischer, Frühs am Strand, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jens Fischer, Frühs am Strand, Blende-Fotowettbewerb
Allgemeingültiges, wie lang nun die Belichtung sein muss/sollte, kann man nicht sagen, denn wie lange man belichtet, hängt natürlich maßgeblich vom verwendeten Graufilter, der Blende und natürlich von der Intention ab – das macht ja auch das fotografische Spiel mit der Belichtungszeit so spannend. Als Einsteiger in die Langzeitfotografie heißt es, mit den Belichtungszeiten in Kombination mit der Blende zu spielen und sich dementsprechend für Belichtungsreihen zu entscheiden. Auf diese Art und Weise erhält man wunderbar ein Gespür, welche Auswirkungen die Verlängerungen der Belichtungszeit mit sich bringen. Versierte, die schon Erfahrung mit Langzeitbelichtungen gesammelt haben, greifen auch gern auf Tabellen zurück oder berechnen diese. Gerade das Berechnen erachten einige als mühsam und für diejenigen gibt es inzwischen auch Apps. Das ist einfach, denn man benötigt nur die Belichtungszeit ohne Graufilter und den Verlängerungsfaktor des Graufilters.

Aufnahmemodus – Welcher sollte es sein?

© Fotograf: Cindy Christin Lembke, Kurz vorm Aufstieg?, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Cindy Christin Lembke, Kurz vorm Aufstieg?, Blende-Fotowettbewerb
Dass man den Automatikmodus bei Langzeitbelichtungen verlassen sollte, versteht sich von selbst. Der M-Modus, also der Aufnahmemodus, bei dem alle Einstellungen manuell vom Fotografen vorgenommen werden, erweist sich in über 90 Prozent der Aufnahmesituationen als die beste Wahl. Man könnte auch denken, dass die Blendenpriorität/Zeitautomatik (z.B. A- oder AV-Modus) eine gute Wahl ist. Hier wird die Blende vorgegeben und die Belichtungszeit wird automatisch von der Kamera ermittelt. Dieser Modus bietet sich jedoch höchstens für den Erhalt der Anfangsbelichtungszeit an – mehr aber auch nicht, denn die Kamera ist nicht in der Lage, die korrekte Zeit zu berechnen. Das gleiche gilt auch für die Blendenautomatik.

Langzeitbelichtung – Stativ ist Pflicht

© Fotograf: Thomas Henze, Die Bode, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thomas Henze, Die Bode, Blende-Fotowettbewerb
Bei Langzeitbelichtungen, und um nichts anderes handelt es sich, wenn mit einem Graufilter fotografiert wird, ist ein Stativ Pflicht. Dem Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ ist der Vorzug vor dem Einbeinstativ – oftmals auch als Monopod bezeichnet, zu geben. Wichtig ist, auf einen stabilen Stand zu achten und jegliche Erschütterung während der Aufnahme zu vermeiden. Aus diesem Grund ist ein Fernauslöser ratsam, denn schon durch das händische Auslösen der Kamera kann es zu Verwacklungen kommen. Sofern man ein neues Kameramodell besitzt, das über die Option verfügt, per Tablet oder Smartphone gesteuert werden zu können, so stellt dies natürlich eine Alternative zum Fernauslöser dar. Wird mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert, so sollte man die Spiegelvorauslösung nutzen, um die Wahrscheinlichkeit möglicher Verwacklungen weiter zu minimieren.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2016

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1 Kommentare

Endlich weiß ich, wie ich auch solche Bilder hinbekomme. Danke

von Theresa
13. April 2016, 15:11:02 Uhr

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