Fototipp: HDR (High Dynamic Range) – Kontrastreiche Aufnahmen

Jede Epoche hat ihre Stilrichtung und heute ist HDR (High Dynamic Range) als ästhetische fotografische Ausdrucksform nicht mehr wegzudenken. Kritiker werden jetzt womöglich schon laut aufschreien, weil sie der Ansicht sind, dass HDR nun überhaupt nichts mit Ästhetik zu tun hat. Die Geschmäcker gehen bekanntlich auseinander. Anders als zu den Anfangszeiten von HDR wird dieses heute sehr zielgerichtet, wie von der Blende 2016-Teilnehmerin Doris Weißschnur, eingesetzt. Natürlich sieht man ihrem Blende-Wettbewerbsbeitrag „Die Mühlen von Kinderdijk“, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Magie des Alltags“, den Einsatz von HDR an. Dieser ist jedoch wohldosiert und unausweichlich, ist eine kontrastreiche Aufnahme gewünscht. Die Blende-Teilnehmerin Doris Weißschnur führt zu ihrer Aufnahme aus: „Der große Regen zieht vorüber und gerade nach einem klärenden Regenguss ist die Luft und das Licht besonders schön. Ich hatte schon lange den Wunsch, mir einmal diesen Ort anzusehen. Obwohl die Mühlen von Kinderdijk für mich nur etwa 2 Stunden entfernt liegen hat es zeitlich nie wirklich geklappt. Im Mai dieses Jahres war es dann doch endlich soweit. Es hat schon was von Magie, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Dies war einer der glücklichen Momente. Ich war glücklicherweise mit Stativ unterwegs und so konnte ich eine HDR-Aufnahme von 5 Belichtungen machen, um auch alle Höhen und Tiefen der Lichter einzufangen. Die vielen Millionen Mücken die nach dem Regen dort umherschwirrten waren der Preis für diese Aufnahme, trotz reichlicher Stiche würde ich es immer wieder tun.“ HDR, und das machen die Ausführungen von Doris Weißschnur deutlich, reicht alleine nicht aus für so seinen sehenswerten Blende-Wettbewerbsbeitrag wie er ihr gelungen ist.

© Fotograf: Doris Weißschnur, Die Mühlen von Kinderdijk, Blende-Fotowettbewerb
Doris Weißschnur, Die Mühlen von Kinderdijk, Blende-Fotowettbewerb

HDR sollte man nicht grundlegend verteufeln denn es hat seinen Nutzen und erweitert die kreativen Möglichkeiten. Für HDR-Aufnahmen wird eine Belichtungsreihe benötigt. Sie setzt sich aus mindestens drei deckungsgleichen Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung zusammen. Immer mehr aktuelle Kameramodelle unterstützen HDR – ist man nicht im Besitz einer solchen Kamera, so muss die Belichtungsreihe manuell erfolgen. 100-prozentig deckungsgleiche Aufnahmen setzen ein Stativ voraus. Es gibt inzwischen auch Software, mit der sich ein leichter Versatz der Aufnahmen ausgleichen lässt.

Fotografiert werden sollte im RAW-Format, denn das ist mit seiner Farbtiefe von 12 oder 14 Bit, je nach Kamera, wesentlich besser für das Zusammenfügen geeignet als das JPEG-Format mit 8-Bit-Farbtiefe.

Die mit einer Belichtungsreihe entstanden Aufnahmen können mithilfe von Photoshop oder anderer Bildbearbeitungssoftware zu einer Aufnahme mit einer Farbtiefe von 32 Bit zusammengefügt werden. Inzwischen gibt es spezielle HDR-Software wie beispielsweise aus dem Hause Franzis, Unified Color, HDR Soft oder Oloner. Diese aus drei oder noch mehr Aufnahmen zusammengefügte Aufnahme fasziniert am Monitor betrachtet nicht unbedingt. Das ändert sich ab dem Moment, wenn der 32 Bit umfassende Dynamikfarbraum des HDR-Bildes in einen für Standardgeräte darstellbaren Farbraum umgewandelt wird – also in eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit. Dies wird als Tonemapping bezeichnet, für das es unterschiedliche Verfahren gibt. An dieser Stelle entscheidet der Fotograf, ob seine Aufnahme realitätsnah oder aber surreal erscheint. So hat man die Option durch Kontrastanhebung helle und dunkle Säume um kontrastreiche Kanten im Bild entstehen zu lassen. Diese Halos sind übrigens für den typischen HDR-look verantwortlich. Eine weitere Option ist es, die Sättigung der Farben zu verändern. Als Fotograf sollte man mit den Möglichkeiten spielen.

Eine Alternative zum Tonemapping ist das Exposure Blending. Hier werden beispielsweise in Photoshop unterschiedlich belichtete Aufnahmen in Ebenen angelegt und die über- und unterbelichteten Bereiche der Einzelaufnahmen über eine Maske ausgeblendet. Auf diese Weise werden alle Daten der Ausgangsbilder zu einem Ergebnis überblendet, wobei der Bereich von 8 oder 16 Bit nicht verlassen wird.

HDR-Aufnahmen sind auch dann möglich, wenn man keine drei unterschiedlich belichteten deckungsgleichen Aufnahmen hat. In diesem Fall nimmt man seine Bilddatei, zieht von dieser mindestens drei Kopien und unterzieht diese verschiedenen Belichtungskorrekturen. Diese werden anschließend dann wieder zu einer Aufnahme vereint. Bei dieser Vorgehensweise darf man jedoch nicht die gleiche Qualität erwarten, als wenn eine Szenerie mit drei unterschiedlichen Belichtungen eingefangen wurde. Oftmals sind diese Aufnahmen durch das nachträgliche Erhöhen der Belichtung durch Bildrauschen gekennzeichnet.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

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