Fototipp: Der Herbst mit seinen vielen Gesichter - Nebelimpressionen

© Fotograf: Michael Ludolph, Blick vom Velmerstot, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Michael Ludolph, Blick vom Velmerstot, Blende-Fotowettbewerb
Der Herbst ist für Naturfotografen neben dem Frühling die Jahreszeit, in denen sich binnen weniger Sekunden Landschaften in einem völlig neuen Licht präsentieren können. Wer es liebt, die sich verändernden Landschaften hautnah zu erleben und wer zudem ein Anhänger des fotografischen Spiels von Zeit und Blende ist, der sollte sich gerade jetzt ganz viel Zeit nehmen und wann immer es möglich ist, auf Fototour gehen. Schlechtes Wetter gibt es für Fotografen nicht und deshalb schrieben die Veranstalter von Blende, in diesem Jahr die thematische Vorgabe „Ob’s stürmt, ob’s schneit, ob Sonnenschein – Wetterimpressionen“ aus. Dass die Blende-Teilnehmer auf ihrer Jagd nach ihren besten Wettbewerbsbeiträgen einiges auf sich nahmen, zeigt exemplarisch die Bildeinsendung von Michael Ludolph mit dem Titel „Blick vom Velmerstot“. Er führt zu seiner Aufnahme aus: „Da der Wetterbericht für die ersten Stunden des Tages Bodennebel angesagt hatte und ich mir schon vorstellen konnte was mich erwartet, habe ich mich bereits in der Dunkelheit auf den Weg zum Preußischen Velmerstot aufgemacht. Vom Aussichtsturm aus hatte ich einen faszinierenden Ausblick über das Bad Driburger Land. Mit dem Sonnenaufgang wechselte die Landschaft ihr Gesicht alle paar Minuten. Das Foto „Blick vom Velmerstot“ ist ein Bild aus einer ganzen Serie, die an diesem Morgen entstand.“

„Der frühe Vogel fängt der Wurm“ ist eine Redensart, die der Blende-Teilnehmer Michael Ludolph beherzigte, um seine sehenswerte Aufnahme „Blick vom Velmerstot“ für „Blende 2016“ einzufangen. Herbstnebel sammelt sich übrigens in der Regel in Senken und Tälern, weshalb man wie Michael Ludolph einen etwas erhöhten Standort wählen sollte, so dass man besser beispielsweise den Übergang vom Nebel zum klaren Himmel fotografieren kann. Einfach eine Wiese mit Nebel kann natürlich durch die Weite wirken. In der Regel ist es aber besser, ein Hauptmotiv ins Bild zu nehmen. Nur wenn es etwas zu sehen gibt, erzählen Ihre Bilder eine Geschichte und sind voller Emotionen.

Überzeugende Nebelimpressionen lassen sich mit Bridgekameras – auch als Superzoomkameras bezeichnet – sowie mit kompakten System- und Spiegelreflexkameras einfangen. Bevorzugt kommen kurze bis mittlere Teleobjektive zum Einsatz, mit denen sich hervorragend die Perspektive verkürzen lässt. Die Bildelemente rücken dadurch näher zusammen, wodurch sie sich, im Nebel liegend, besser zur Geltung bringen lassen. Die automatische Fokussierung kann mitunter schwierig sein, weswegen man sich für die manuelle entscheiden sollte. Sofern die Kamera darüber verfügt, sollte man den LiveView-Modus wählen – damit kann exakt scharfgestellt werden. Bei Nebel neigt die Kamera gerne zur Unterbelichtung weswegen eine Belichtungsreihe ratsam ist. Hat man die Zeitautomatik gewählt, so sollte man eine positive Belichtungskorrektur vornehmen. Im manuellen Modus kann die mögliche Unterbelichtung durch die Wahl einer längeren Verschlusszeit kompensiert werden.

Ratsam und empfehlenswert ist auch das Spiel mit dem Weißabgleich, denn möglicherweise erhalten die Aufnahmen das gewisse Extra, wenn die in Nebel gehauchte Landschaft nicht naturgetreu abgelichtet wird.

Liegt Nebel vor, dann sind die Lichtverhältnisse nicht eindeutig, weshalb man das RAW-Format wählen sollte. Einige Kameras bieten die Option, der Parallelaufzeichnung von JPEG und RAW. Damit hält man sich natürlich alles offen und muss seine Bilder – wie beim RAW – nicht mehr im Nachhinein bearbeiten. Weiß man definitiv, dass man seine Bilder nicht bearbeitet, dann macht es natürlich keinen Sinn, das RAW-Format zu wählen. Der Vorteil des RAW-Formates ist, dass diese Bilder noch Reserven haben, deren man sich beraubt, wenn nur das JPEG-Format gewählt wird. So kann der „ausfressende“ Himmel vielleicht noch gerettet werden oder Schatten erhalten doch noch ein wenig Zeichnung. Da RAW-Bilder größer sind, ist es wichtig, auf die Fototour ausreichend Speicherkarten mitzunehmen.

Ein Stativ ist immer ratsam und erst recht dann, wenn man bei identischem Ausschnitt Veränderungen über ein Zeitintervall sichtbar machen möchte. Sofern die Kamera darüber verfügt, sollte man die Serienbild- und/oder Zeitrafferfunktion aktivieren.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

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