Fototipp: Keine Angst vorm Gegenlicht

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© Blende, Einar Turkowski, Im Licht

Landschaftsbilder brauchen ein bisschen Zeit. Die meiste davon nimmt das Warten auf den richtigen Augenblick, auf den richtigen Sonnenstand, in Anspruch. So steht es zumindest im Lehrbuch. Was aber tun, wenn dazu keine Zeit bleibt? Wenn man gerade auf einer Rundreise ist, dann diesen tollen Ausblick hat – und die Sonne genau im Gegenlicht steht? Zuerst: Ruhe bewahren. Gegenlicht ist kein Grund zur Panik. Und Landschaftsbilder im Gegenlicht werden auch nicht per se schlecht, sie sind nur anders.

Bei Porträts ist das ja einfach, wenn die Sonne nicht dort steht, wo sie soll. Dafür gibt es Blitzgeräte und Reflektoren, mit denen sich jeder Fotograf seine eigene Sonne zaubern kann. Bei Landschaftsaufnahmen ist das schon schwieriger. Denn auch, wenn so manche Kompaktkamera den Blitz auflöst: Der verpufft natürlich wirkungslos. Es ist nicht möglich, eine Landschaft künstlich auszuleuchten. Zumindest nicht mit Hausmitteln. Aber es gibt ein paar andere Tricks und Kniffe, die Landschaften im Gegenlicht ein bisschen besser aussehen lassen.

Bei der ersten Frage gibt es zwei Möglichkeiten: Soll die Sonne mit ins Bild oder lieber nicht? Eine Landschaft, die ein wenig im Dunst liegt und von hinten beleuchtet wird, sieht eher verträumt aus, im Gegensatz dazu sieht dieselbe Landschaft mit einer hoch stehenden Sonne schon eher wie ein sprichwörtlicher Backofen aus, auch wenn es gar nicht so heiß ist an dem Tag. Ob die Sonne mit ins Bild soll oder nicht, entscheidet dann über die Brennweite. Ein bisschen mehr Tele ist für die meisten Landschaftsaufnahmen besser, suchen Sie sich ein Hauptmotiv, also einen Berg, einen Baum oder eine Straße, die sich durch eine Wiese schlängelt. Dann weiß der Betrachter gleich, wo er hinschauen soll.

Wenn Sie der Sonne mit einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera entgegen fotografieren, ist das der Zeitpunkt, wirklich auch einmal die Gegenlichtblende (manchmal auch Streulichtblende genannt) aufs Objektiv zu setzen. Auch sonst ist das eine gute Idee – aber bei Gegenlicht ist es wirklich wichtig, denn gerade, wenn die Sonne nicht im Bild ist, kann es sonst zu Reflexionen auf den Linsen kommen. Und die sehen selten gewollt aus. Außerdem empfiehlt es sich, Bilder im RAW-Format zu machen. Denn zum einen hat ein Bild im Gegenlicht ein Maximum an Helligkeitsunterschied, da sollte der Fotograf jede Möglichkeit nutzen, diesen auch einzufangen. Zum anderen kann es sonst bei JPEG-komprimierten Bildern zu Farbabrissen kommen, die sich auch nachträglich nicht mehr korrigieren lassen. Also lieber das große Dateiformat wählen und eine zusätzliche Speicherkarte mitnehmen. Ein Polarisationsfilter hat bei frontalem Gegenlicht kaum Wirkung, aber sobald die Sonne ein wenig seitlich versetzt steht, kann er die Farben knackiger erscheinen lassen und auch den Eindruck des Dunstes im Bild ein wenig mindern. Und Dunst gibt es fast immer, wenn die Sonne hoch am Himmel steht.

Wenn die Hardware steht, dann gibt es nur noch eine Schwierigkeit. Wie soll das Bild überhaupt belichtet werden? Die Automatik ist der Feind des Gegenlichts, denn wer sich auf die Automatik verlässt, hat gute Chancen, die Landschaft als Schattenriss zu erhalten und dafür einen einigermaßen grauen Himmel. Bei der manuellen Belichtung muss der Fotograf einen Mittelweg finden. Der sieht im Idealfall so aus, dass die Landschaft nicht zu dunkel wird, der Himmel nicht zu hell.

Das kann man natürlich auf dem Display der Kamera überprüfen, besser ist es jedoch, einen Blick aufs Histogramm zu werfen. Das zeigt von links nach rechts die verschiedenen Helligkeitswerte, links ist schwarz, rechts ist weiß. Ein Bild sollte also keine Ausreißer in diese beiden Richtungen haben. Ideal ist es, wenn sich die Kurve gleichmäßig über den gesamten Bereich verteilt, ohne an den Enden wirklich anzustoßen, sonst ist das Bild einfach über- oder unterbelichtet beziehungsweise hat große weiße oder schwarze Flächen, beides nicht wünschenswert.

Das Histogramm macht das Leben wirklich einfacher, vor allem unter schwierigen Lichtsituationen. Von links nach rechts wie bereits erwähnt, zeigt es den Bereich von weiß bis schwarz, manchmal auch für jede Farbe einzeln. Nach oben, also die Größe der Kurve, gibt an, wie viel Bildfläche dieser Grauwert enthält. Wer also eine einheitliche Fläche fotografiert, sollte genau an einer Stelle eine Spitze im Histogramm haben und sonst nichts.

Landschaften im Gegenlicht neigen oft dazu, dass je weiter entfernt ein Bildteil ist, er umso verwaschener wirkt. Dazu tragen Dunst und eben das von hinten einfallende Licht bei. Man kann diesen Effekt ein wenig abschwächen, indem das Foto zumindest ein wenig schräg zur Sonne aufgenommen wird. Andererseits lässt sich damit auch die Weite der Landschaft dokumentieren. Helle Landschaften sind nicht schlecht, wichtig ist in diesem Fall nur, dass es zumindest in der vorderen Bildhälfte auch einen knackig scharfen, gut durchzeichneten Bereich gibt, der einen Kontrast zum Hintergrund bildet.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2014

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