Fototipp: Mit dem Selbstauslöser unterwegs

Der Selbstauslöser, ein tolles Kamerafeature, kommt bevorzug zum Einsatz, wenn es beispielsweise um ein Gruppenfoto geht, auf dem man als Fotograf selbst mit abgebildet werden möchte. Dass der Selbstauslöser aber auch wunderbar zum fotografischen Spiel und Experiment eingesetzt werden kann, beweist der „Blende 2017“-Wettbewerbsbeitrag „Unterwegs“ von Armin Greither. Er ist leidenschaftlich gern in den frühen Abend- und Nachtstunden in mittelalterlichen Städten unterwegs und hält Ausschau nach Fotomotiven. Enge Gassen, Durchgänge, Tore, Straßen mit Pflastersteinen und alles bei nächtlicher Beleuchtung sind für ihn spannende Motive. Dazu noch Personen, die im Bild stehen oder durch das Bild laufen, verstärken für ihn die Bildwirkung. An Bildideen mangelt es Greither nicht. In jeder Stadt, in der es sich aufhält, versucht er für sich visuelle Impressionen einzufangen. Die Aufnahme „Unterwegs“ entstand während eines Wochenendtripps in Villnius.

© Fotograf: Armin Greither, Unterwegs, Blende-Fotowettbewerb
Armin Greither, Unterwegs, Blende-Fotowettbewerb

Aus der Fotopraxis für die Fotopraxis: Was gilt es bei solchen Aufnahmen zu beachten?

Wie ist der Blickwinkel, was ist störend und wie ist die Lichtwirkung der Straßenlaterne. Wie wirken Personen im Bild. Der Blickwinkel war für den „Blende“-Fotografen Greither gleich ausgemacht mit dem Torbogen im Hintergrund. Dann war für ihn die Überlegung: Lass ich eine Person verwischt ins Bild laufen oder bilde ich Menschen scharf ab. „Beides hat“, so Greither, „seinen Reiz und beide Überlegungen in einem Bild wäre ideal. Mit ein paar Probebildern hatte ich die gewünschte Blende und Belichtungszeit sowie die ISO-Zahl an der Kamera eingestellt. Nun musste ich nur noch auf Personen warten und als die Dame im Tordurchgang stand, bin ich selbst während der Aufnahme ins Bild gelaufen. Die Kamera, Sony A 6000 mit 4/10-18 mm Objektiv (manuelle Einstellung), hatte ich auf einen Mauerabsatz gestellt und mit Selbstauslöser mit Zeitverzögerung ausgelöst. Ich mußte ja selbst ins Bild laufen.“

Die größten Herausforderungen sieht Greither in der perfekten Linienführung, Belichtung mit der passenden Verschlußzeit sowie seinem Einsatz als Fußgänger. Geduld ist eine weitere Tugend, über die man als Fotograf bei solchen Aufnahmen verfügen sollte. Er war sicherlich bis zu 30 Minuten an dieser Stelle. Immer wieder kamen Personen vorbei oder entgegen und er machte zahlreiche Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten (1/8, 1/15, 1/20 usw.). Das hatte zum Teil schon gepasst, nur das gewisse extra fehlte ihm noch. „Diese Gasse war nicht stark frequentiert und ich bin auch aufgefallen, es hatte aber keinen gestört. Da es dann doch etwas gedauert hatte, bis Fußgänger kamen, bin ich selber ins Spiel gekommen“, so Greither.

Armin Greither begeistert an seiner Aufnahme die Geschichte, die sie zu erzählen weiß. „Wird jemand verfolgt oder ist die verwischte Person ein nächtlicher Spaziergänger auf dem Heimweg? Mir gefällt die ganze morbide Szenerie in der Gasse sowie dieses eigentümliche Licht der Straßenlaternen. Natürlich mag ich solche Altstadtgassen und hier ist auch was von der Neuzeit zu sehen mit dem Kneippenschild sowie dem Gekritzel auf der gegenüberliegenden Hauswand.“

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Fotografieren in der Praxis 11 / 2017

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