Fototipp: Nachtfotografie – Motive modellieren

Dass nachts nicht alle Katzen grau sind, das stellten die „Blende“-Teilnehmer mit ihren Wettbewerbsbeiträgen, die sie zur 42. Runde des Zeitungsleser-Fotowettbewerbs einreichten, eindrucksvoll unter Beweis. Mehr sogar noch! Sie demonstrieren mit ihren Bildeinsendungen, wie lohnenswert es ist, nachts auf fotografischen Beutezug zu gehen. Durch das gekonnte Spiel aus Blende und Belichtungszeit unter Ausnutzung von Restlicht und/oder Einbeziehung von künstlichen Lichtquellen, modellieren sie ihre Motive, die so eine Ausstrahlung fernab des alltäglichen erfahren. Ihre Fotografien sind zugleich auch eine Bewerbung der Nachtfotografie. Diese ist weitaus vielseitiger, als man auf den ersten Blick vermutet. Voraussetzung für die Schaffung von solchen visuellen nächtlichen Highlights, wie sie den „Blende“-Teilnehmern 2016 gelungen sind, ist eine Kameraausrüstung. Hochwertige Kameramodelle bieten den größten Funktionsumfang, der nachhaltig im kreativen fotografischen Schaffungsprozess unterstützt. Wie sehr man von den Innovationen in den Bereichen der Aufnahmegeräte und der Optik profitiert, machen Vergleiche deutlich aber auch die Motivpalette, wie sie sich heute unter anderem die „Blende“-Teilnehmer erschließen. Sprach man noch von vor zirka zwei Jahren von Bildrauschen bei der Wahl einer zu hohen ISO-Empfindlichkeit, so ist dies nahezu bedeutungslos bei aktuellen hochwertigen Kameramodellen. Mit diesen kann man sich bedenkenlos den Extremen stellen, wie sie unter anderem in der Nacht vorliegen. Auch wenn Smartphones immer leistungsfähiger werden, so offenbaren diese ihre Schwäche, wenn es darum geht, Motive unter ungünstigen Lichtbedingungen, wie der blauen Stunde oder bei Nacht, festhalten zu wollen.

© Fotograf: Hans Peter Reuß, 1001-Nacht-Magie, Blende-Fotowettbewerb
Hans Peter Reuß, 1001-Nacht-Magie, Blende-Fotowettbewerb

Fotoequipment – Was braucht man

Bedingung für überzeugende Nachtaufnahmen ist neben einer Kamera – hochwertige Kompaktkameras sowie Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras garantieren den größten fotografischen Spielraum – ein standfestes Dreibeinstativ, ein Kabel-/Fernauslöser – der wesentlich besser ist als der Selbstauslöser – sowie bei sehr schwachen Lichtbedingungen eine zusätzliche Taschen-/Stirnlampe, mit der man die Kameraeinstellungen wesentlich besser im Blick hat. Ist man beispielsweise auf Landstraßen unterwegs, weil man die Lichtspuren von nächtlich vorbeifahrenden Fahrzeugen einfangen möchte, so ist eine Warnweste Pflicht. Ersatzakkus gehören wie genügend Speicherkarten in die Fototasche beziehungsweise in den Fotorucksack. Wird mit Fernauslöser fotografiert, sollte man auch für diesen die Ersatzbatterien nicht vergessen. Gerade bei langen Belichtungen beanspruchen sie einfach mehr Strom. Auch, wenn es dunkel und mit Sonne wahrlich nicht zu rechnen ist, sollte man die Sonnenblende einpacken. Sie vermeidet den Einfall von Streulicht. Sofern man darüber verfügt, sollte man den Aufsteckblitz ebenso im Gepäck haben. Mit diesem lassen sich Motive, die sich im Vordergrund befinden, wirkungsvoll aufhellen. Besitzer von Kameras mit Wechseloptik sind mit einem Weitwinkel- und/oder leichten Teleobjektiv gut beraten. Ersteres kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn ein weiter Bildwinkel, wie bei einer Übersichtsaufnahme, von einer hell erleuchteten Stadt gewünscht sind.

© Fotograf: Hermann Mohr, Nordlicht in eisiger Nacht, Blende-Fotowettbewerb
Hermann Mohr, Nordlicht in eisiger Nacht, Blende-Fotowettbewerb

Kameraeinstellungen

Je nach Kamera kann der Fotograf die Einstellungen manuell vornehmen oder auch das Menüprogramm „Nacht“ wählen. Letzteres empfiehlt sich gerade für Einsteiger, denn sie müssen sich über irgendwelche Einstellungen keine Gedanken machen. Profis meiden übrigens oftmals Menüprogramme, da ihnen der Einfluss der Kamera oftmals zu weit geht. Welchen Weg man bestreitet, muss jeder für sich bestimmen und oftmals gibt das fotografische Experiment, also das Spiel mit den Möglichkeiten der Kamera, die Richtung an. Wichtig für überzeugende Nachtaufnahmen sind nicht nur der Blick für mögliche Motive, sondern auch Zeit, was nicht nur in der längeren Belichtungszeit begründet liegt.

Um die Rauschgefahr gerade bei älteren Kameramodellen zu minimieren, sollte die ISO-Einstellung nach Möglichkeit nicht über 800 liegen. Ein Test im Vorfeld gibt übrigens Aufschluss, ab welcher ISO-Einstellung das Rauschverhalten der Kamera inakzeptabel wird. Es gibt aktuelle Kameras, die selbst bei ISO höher als 800 kein Bildrauschen aufzeigen. Auch, wenn dem so ist, so sollte man sich eventuell doch für einen niedrigeren ISO-Wert von 200 oder 400 entscheiden, denn mit jeder ISO-Erhöhung kann die Dynamik eventuell sinken. Dies hat zur Folge, dass die Aufnahmen flau wirken können – und wer will das schon.

© Fotograf: Burkhard Schwotzer, Discovery of the moon, Blende-Fotowettbewerb
Burkhard Schwotzer, Discovery of the moon, Blende-Fotowettbewerb

A und O ist auch, in der Nachtfotografie die Belichtung im Griff zu haben. Je nach Kamera stehen einem unterschiedliche Optionen der Belichtungsmessung zur Verfügung. Im Vorfeld ist es ratsam, sich mit diesen vertraut zu machen, denn nur so verlässt man auch die „Vollautomatik“, die nicht immer weiß, was für den Fotografen das Wichtige ist.

Gängig bei allen aktuellen Kameras ist für die Ermittlung der optimalen Belichtung die Objektmessung, auch als TTL-Messung (TTL= Through The Lens) bezeichnet. Die Kamera erfasst das Licht, das vom Objekt reflektiert wird. Je nach Kameramodell stehen dem Fotografen grundsätzlich drei verschiedene Messarten mit der Integral, Mehrfeld- oder Matrix- sowie der Spotmessung zur Verfügung.

© Fotograf: Frank Wever, Spannung in der Nacht, Blende-Fotowettbewerb
Frank Wever, Spannung in der Nacht, Blende-Fotowettbewerb

Bei der Integralmessung setzt sich der Belichtungswert aus einer Vielzahl von Messpunkten zusammen, die gleichmäßig über das Bildfeld verteilt sind. Der Belichtungsmesser in der Kamera ist auf ein mittleres Grau abgestimmt, das genau 18 Prozent des einfallenden Lichtes reflektiert. Die Integralmessung empfiehlt sich für Motive ohne große Hell-Dunkel-Unterschiede weshalb sie für die Nachtfotografie nicht wirklich die erste Wahl sein sollte. Nur, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit hat, sich über die Belichtung große Gedanken zu machen, bietet sich die Integralmessung an. Eine Weiterentwicklung der Integralmessung ist die Mehrfeld- beziehungsweise Matrixmessung. Hier wird das Bildfeld in mehrere Zonen aufgeteilt, die bei der internen Belichtungsberechnung der Kamera unterschiedlich gewichtet werden. Mit in die Berechnung einbezogen werden – je nach Kamera – auch Objektentfernung, Spitzlichtwerte und die Brennweite des Objektivs. Da die ermittelten Daten mit der in der Kamera gespeicherten Erfahrungswerten aus tausenden Aufnahmen verglichen werden, garantiert diese Messung eine recht genaue Belichtung. Natürlich sind auch mit dieser Messmethode Fehlbelichtungen nicht auszuschließen. Profifotografen stehen der Mehrfeld-/Matrixmessung skeptisch gegenüber, da sie die Belichtungsberechnung oftmals nicht nachvollziehen können. Die Spotmessung, die auch gern in der Nachtfotografie zum Einsatz kommt, ist die flexibelste Belichtungsmessart. Hier wird nur ein kleiner Bereich des Bildfeldes gemessen und zur Belichtungsermittlung herangezogen. Anhand einer Markierung in der Mitte des Suchers kann der Fotograf sein Ziel punktuell anvisieren. Im Zusammenhang mit der Spotmessung trifft man auch noch auf den Begriff Selektivmessung. Beide Messarten unterscheiden sich nur in der Größe des gemessenen Bildbereiches. Bei der Spotmessung beträgt der Messwinkel etwa 2 bis 5 Prozent des Bildfeldes, bei der Selektivmessung ist der Messwinkel größer und liegt etwa bei 8 bis 10 Prozent des Bildfeldes. Ist man im Besitz einer höherpreisigen Kamera, so lässt sich die Messfeldgröße im Kameramenü einstellen. Fotografen, deren Kamera über den Menümodus „Bulb“ verfügt, setzen diesen gern für ihre Nachtaufnahmen ein. Mit dieser Einstellung kann ein Motiv so lange belichtet werden, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Natürlich auch länger als die üblichen 30 Sekunden. Ein Kabelfern- oder Funkauslöser ist hier von Vorteil, da Verwacklungen durch das Gedrückthalten des Auslösers vermieden werden.

© Fotograf: Andrea K. Ludwig, Hamburg macht blau, Blende-Fotowettbewerb
Andrea K. Ludwig, Hamburg macht blau, Blende-Fotowettbewerb

Zu Blende 2016

Inzwischen hatten alle teilnehmenden Redaktionen ihren Einsendeschluss zu Blende 2016 und damit beginnt die Zeit, in der sich alle Teilnehmer in Geduld üben müssen.

Die Jurys der teilnehmenden Tageszeitungen haben inzwischen getagt – keine leichte Aufgabe wie uns zu Ohren gekommen ist. Sofern noch nicht geschehen, werden die „Blende“-Zeitungen zeitnah über ihre Entscheidungen in ihren Printausgaben und/oder über ihre Homepages und Social Media-Kanäle berichten.

Die von den teilnehmenden Blende-Redaktionen prämierten Aufnahmen gehen zusammen mit allen Beiträgen aller Nachwuchsfotografen bis 18 Jahre zur bundesweiten Endausscheidung von Blende 2016 an uns, die Prophoto GmbH. Hier tagt die Jury noch im Dezember. Mit der Bekanntgabe der Ergebnisse darf, auch bedingt durch die Feiertage, dann ab Januar/Februar 2017 gerechnet werden. So lange heißt es für alle unsere Blende-Teilnehmer, sich zu gedulden. Wer in dieser Zeit nach fotografischer Inspiration sucht, dem empfehlen wir unsere „Blende 2016“-Galerie mit einer Auswahl an Bildeinsendungen zum laufenden Wettbewerb. Diese Galerie wird in den kommenden Tagen und Wochen um weitere Aufnahmen bereichert.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

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