Fototipp: Scharfe Bilder - Gegen das Verwackeln

© Fotograf: Ralf Beikirch, Red Hot Chili, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ralf Beikirch, Red Hot Chili, Blende-Fotowettbewerb
Unscharfe Bilder reißen einen nicht vom Hocker – nichts ist ärgerlicher, als wenn man ein tolles Motiv hat, das dann verwackelt eingefangen wurde. Auch, wenn heute nahezu alle Kameras mit sogenannten Bewegungsstabilisatoren ausgestattet sind, so gibt es immer wieder Situationen, in denen sie nicht ausreichend sind. Typische Beispiele sind Lichtsituationen wie in der Dämmerung oder wenn mit einer Superzoomkamera in Telestellung beziehungsweise mit einer kompakten System- beziehungsweise Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv fotografiert wird. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Nun könnte man an der Technik seiner Kamera zweifeln – muss man aber nicht, außer man fotografiert mit einer Digitalkamera, die schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Aktuelle Kameras sind mit einer Technik ausgestattet, von der in analogen Zeiten der Fotografie nicht einmal zu träumen war – das aber nur am Rande. Trotz bester Technik gibt es auch in der Fotografie Grenzen und wer diese kennt, der kann sich darauf einstellen, so dass beispielsweise verwackelte Aufnahmen künftig der Vergangenheit angehören.

Der Handunruhe begegnen

Auch, wenn wir es gar nicht so wahrnehmen, so hat jeder Fotograf – unabhängig vom Aufnahmegerät – mit einer Handunruhe zu kämpfen. Nehmen Sie Ihre Kamera einfach einmal in die Hand und beobachten Sie ihre Hände. Es sind minimale Unruhen, die sich aber beispielsweise bei längeren Belichtungszeiten sofort als Verwackler im Bild bemerkbar machen. Mit Stativen kann der Handunruhe ebenso entgegen getreten werden wie beispielsweise mit einem Bohnensack und Klemmstativen. Alternativ kann die ISO-Einstellung erhöht werden – je nach Kameramodell kann dies jedoch Bildrauschen hervorrufen. Eine weitere Option ist, für mehr Licht zu sorgen indem ein Blitz zum Einsatz kommt – somit kann die Belichtungszeit reduziert werden. Eine weitere Möglichkeit ist, die Blende zu öffnen, damit mehr Licht auf den Sensor fällt. Dies ist jedoch dann nicht empfehlenswert, wenn das Spiel mit der Schärfentiefe gewünscht ist.

Sicherer Stand

Der Handunruhe kann bis zu einem gewissen Grad durch eine gute Kamerahaltung entgegengetreten werden. Unternehmen Sie auch hier einmal den Selbstversuch, denn der verdeutlicht, auf welch wackligen Beinen Fotografen mitunter stehen. Stellen Sie sich einfach mal gerade hin, Beine und Füße geschlossen. Sie werden schnell feststellen, dass diese Haltung alles andere als zum Fotografieren geeignet ist. Im Stehen heißt die Devise, die Beine leicht auseinanderzustellen. Damit das Gewicht auf beide Füße verteilt ist, sollte der eine Fuß etwas vor dem anderen stehen. Die Position gibt Ihnen Stabilität, aber auch die erforderliche Lockerheit.

Kamerahaltung

Bei der Kamerahaltung können unterschiedliche Handpositionen eingenommen werden. Welche Sie wählen, ist vom Kameramodell, vom Gewicht der Kamera und gegebenenfalls vom Motiv abhängig. Möchte man beispielsweise über eine Menschenmenge hinweg fotografieren, so geht das nur mit nach oben ausgestreckten Armen. Diese Kamerahaltung ist nicht die stabilste und birgt auch die Gefahr von verwackelten Aufnahmen. Bei der horizontalen Kamerahaltung wird das Kameragewicht gleichmäßig auf die Hände verteilt, beide Arme nähern sich soweit wie möglich der Brust, um die Muskelanspannung zu reduzieren und die Stabilität zu erhöhen.

Je kleiner, desto größer die Verwacklungsgefahr

Mit kleineren Aufnahmegeräten neigt man in der Regel dazu, Aufnahmen schneller zu verwackeln. Sie haben sicherlich auch schon die Erfahrung gemacht, dass es wesentlich leichter ist, eine Kamera ruhig in den Händen zu halten als beispielsweise ein Smartphone. Größere Aufnahmegeräte wie Kameras lassen sich in der Regel leichter stabilisieren.

Stative die Stützen

Stative, die es in den unterschiedlichsten Ausführungen vom Ein- bis zum Vierbeinstativ und in den unterschiedlichsten Größen gibt, sind wichtige Stützen für Fotografen und gelten zu Recht als die dritte Hand des Fotografen. Stativ und Aufnahmegerät müssen eine Einheit bilden – darauf ist beim Kauf zu achten. Ein Stativ, beispielsweise für das Smartphone, ist nicht für eine kompakte Systemkamera geeignet – diese würde es förmlich in die Knie zwingen. Generell gilt: Je schwerer ein Stativ ist, umso besser stabilisiert es die Kamera. Beim Stativkauf sollte man darauf achten, dass es nicht Schwingt, denn dies kann sich als Unruhe auf die Kamera übertragen. Prüfen lässt sich dies ganz leicht, indem Sie in ausgefahrenem Zustand an ein Bein Klopfen und mit der anderen Hand fühlen, ob sich Vibrationen im Stativkopf zeigen.

Stativkopf – Die halbe Miete

Ein Stativ ist nur so gut wie sein Stativkopf, auf dem die Kamera befestigt wird. Kugelköpfe garantieren Fotografen die größten fotografischen Freiheiten. Wichtig ist beim Kauf darauf zu achten, dass der Stativkopf mit dem Stativ eine Einheit bildet und robust ist.

Spiegelvorauslösung

Fotografieren Sie mit einer Spiegelreflexkamera, so wird bei der Spiegelvorauslösung der Spiegel vor dem Öffnen des Verschlusses hochgeklappt – der Verschluss wird erst etwas später geöffnet. Die Spiegelvorauslösung kann es mit sich bringen, dass es zu leichten Schwingungen kommt, die sich in verwackelten Aufnahmen bemerkbar machen. Wenn Ihre Kamera die Funktion unterstützt, dann schalten Sie in den LiveView-Modus – hier entfällt der Spiegelschlag komplett.

Fernauslöser

Schon das Betätigen des Auslösers kann die Kamera in Schwingungen versetzen, die zu unscharfen Aufnahmen führen. Ein probates Mittel dagegen sind Fernauslöser. Ob Sie sich für einen Kabel- oder Funkfernauslöser entscheiden, ist egal. Erstgenannte gelten als „ausfallsicherer“. Ist kein Fernauslöser zur Hand, hilft auch der Selbstauslöser.

Mehr Licht durch Blitz

Lange Belichtungszeiten lassen sich durch mehr Licht, also den Einsatz des Biltzes, reduzieren. Positiver Nebeneffet ist, dass Sie stärker abblenden können, um den optimalen Abbildungsbereichs Ihres Objektivs zu nutzen.

Spiel mit dem Belichtungsdreieck

Das Belichtungsdreieck setzt sich zusammen aus ISO, Belichtungszeit und Blende. Dabei handelt es sich um drei Variable, auf die Sie, je nach Kameramodell, Einfluss nehmen können. So können Sie den ISO-Wert erhöhen, wodurch sich die Belichtungszeit reduziert. Sie haben aber auch die Option, die Blende weiter zu öffnen.

Kamera Zeit geben

Je nachdem mit welchem Aufnahmesystem fotografiert wird, muss man seiner Kamera auch die Zeit einräumen, sich auf die Begebenheiten einzustellen. Oft zeigt ein kleines Kästchen auf dem Display oder im Sucher einer Kamera an, an welcher Stelle das Scharfstellen erfolgt. Viele Geräte zeigen sogar mit einem farbigen Signal oder einem Piepen an, dass sie jetzt so weit sind. Und dann kann ausgelöst werden. Sehr hilfreich ist bei vielen aktuellen Kameramodellen, den Schärfepunkt über das Display und das angezeigte Kästchen genau festzulegen. Dies kann natürlich dorthin verschoben werden, wo man es scharf haben will.

Fotografieren in der Praxis 01 / 2015

4 Kommentare

Eine schöne Alternative sind die Einbeinstative! Man ist wesentlich mobiler als mit den Dreibeinern. Und bei der Freihandfotografie immer schön die Ellenbogen am Körper halten. Dadurch ist die Kamera beim Fotografieren mit dem Monitor zwar sehr dicht vor den Augen, aber man kann eigentlich gar nicht mehr verwackeln. Ansonsten sollte der Sucher genutzt werden. Wenn man die Kamera leicht an den Kopf drückt, ergibt sich ein dritter Fixierungspunkt, neben den beiden Händen, die den Apparat halten - also ist ein Verwackeln kaum noch möglich.

Torsten Klose

von Torsten Klose
08. Januar 2015, 08:19:44 Uhr

Und wer es noch genauer wissen will, was alles Fotos scharf und unscharf macht, dem empfehle ich mein Buch "Scharfe Fotos mit der Digitalkamera" :)

Sam

von Sam
07. Januar 2015, 22:11:07 Uhr

Danke für den Artikel. Ich vermisse allerdings den Hinweis, dass die Kamera nach Möglichkeit immer mit beiden Händen gehalten werden sollte, auch wenn man bei Einsatz einer Kompakten dann schon mal belächelt wird.

Bernd

von Bernd
07. Januar 2015, 14:18:01 Uhr

Das ist doch mal der richtige Start ins neue Jahr! viele habe eine neue Kamera unterm Weihnachtsbaum gefunden, (In meinem Bekanntenkreis schon mal zwei)denen habe ich gleichmal den Link zu Euch weiter geleitet. VG Casjen

Casjen Müller

von Casjen Müller
07. Januar 2015, 11:26:01 Uhr

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