Fototipp: Scharf, schärfer am schärfsten - Scharfe Fotos

© Fotograf: Joachim Hanf, Zeitspirale, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Joachim Hanf, Zeitspirale, Blende-Fotowettbewerb
Scharfe Fotos im doppelten Sinne sind das Anliegen eines jeden, der den Auslöser betätigt. Für die Bildqualität und damit die Schärfe eines Fotos sind zunächst die Leistungsfähigkeit von Objektiv, Bildsensor und Prozessor entscheidend. Begrenzender Faktor, darüber sollte man sich bewusst sein, ist immer die schwächste Komponente in der Aufnahmekette. Liefern Bildsensor sowie Prozessor Spitzenleistungen und kommt ein Objektiv mit minderer Güte zum Einsatz, so können die beiden erstgenannten ihre Stärken nicht ausspielen. Selbst wenn die technischen Komponenten eine grandiose Schärfe garantieren, so heißt dies zwangsläufig nicht, dass die Aufnahmen auch wirklich brillant sind. Handunruhe, der nicht gegengesteuert wird, hat auf die Schärfe ebenso Einfluss wie eine falsche Kamerahaltung oder beispielsweise ein Stativkopf von minderer Güte. Und wir sollten der Kamera auch die Zeit einräumen, sich auf die Begebenheiten einzustellen. Oft zeigt ein kleines Kästchen auf dem Display oder im Sucher einer Kamera an, an welcher Stelle das Scharfstellen erfolgt. Viele Geräte zeigen sogar mit einem farbigen Signal oder einem Piepen an, dass sie bereit sind. Und dann kann ausgelöst werden. Sehr hilfreich ist bei vielen aktuellen Kameramodellen, den Schärfepunkt über das Display und das angezeigte Kästchen genau festzulegen. Dies kann natürlich dorthin verschoben werden, wo man es scharf haben will.

© Fotograf: Jacqueline Sauer, Nordhorn-Almelo-Kanal, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jacqueline Sauer, Nordhorn-Almelo-Kanal, Blende-Fotowettbewerb
Schärfe beurteilen zu können setzt natürlich voraus, sie auch visuell greifbar zu machen. Viele Kameramodelle bieten deshalb die Option, in Bilder hineinzoomen zu können – das erleichtert die Beurteilung natürlich enorm. Auch wenn die Kameradisplays immer leistungsstärker werden, so kann die Brillanz von Aufnahmen unseres Erachtens aufschlussreicher über leistungsfähige große Monitore ermittelt werden. Wichtig für die Schärfeermittlung ist hier, in die Ansicht „Tatsächliche Pixel“ (auch als 100 Prozent genannt) zu wechseln.

Schärfen – Bildbearbeitung in der Kamera

Kameras mit ihrer technischen Ausstattung sind ein Spiegelbild für die Spitzenleistungen der Ingenieure. Welche Innovationen, von denen jeder Nutzer profitiert, in aktuellen Kameramodellen anzutreffen sind macht der Vergleich deutlich wenn mit einem Aufnahmegerät fotografiert wird, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Es sind Quantensprünge auch hinsichtlich des Anspruchs, zu noch schärferen Aufnahmen zu gelangen. Ohne dass die meisten von uns davon Kenntnis haben, finden vor dem Abspeichern einer Aufnahme im JPEG-Format automatisch eine Kantenkorrektur sowie eine Kontrastanhebung statt. In der Regel liefert die Schärfung innerhalb der Kamera gute Ergebnisse.

© Fotograf: Jörn-Peter Dau, Gleich gehts los !!, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jörn-Peter Dau, Gleich gehts los !!, Blende-Fotowettbewerb
Nicht alle Fotografen sind ein Freund dieser kamerainternen Schärfung, die sich bei manchen Modellen übrigens auch ausschalten lässt. Kritiker der kamerainternen Schärfung bemängeln den falschen Zeitpunkt der Scharfzeichnung. Ihres Erachtens sollte dieser immer am Ende des digitalen Workflows liegen. So macht in ihren Augen eine Schärfung erst dann Sinn, wenn die Ausgabegröße feststeht. Für den Druck, so ihre Meinung, muss stärker geschärft werden als wenn die Bilddatei digital abgelegt wird.

Schärfen mittels Bildbearbeitung

Wie Schärfe wahrgenommen wird häng maßgeblich vom Kontrast ab. Liegt ein großer Helligkeitsunterschied in den feinen Strukturen und Details vor, desto schärfer erscheint die Aufnahme auch wenn sie es technisch womöglich gar nicht ist. Viele Fotografen bedienen sich zur Steigerung der subjektiven Schärfe den Schärfefiltern, wie sie sehr viele Bildbearbeitungsprogramme anbieten. Doch Achtung – übertreiben sollte man es mit der Scharfzeichnung nicht, denn dann kommt es zu störenden Artefakten.

Zu viel Schärfe kann überfordern

© Fotograf: Dirk Hoffmann, Gletschersuppe., Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Dirk Hoffmann, Gletschersuppe., Blende-Fotowettbewerb
Kameraingenieure sind in der Lage, noch schärfere Aufnahmen zu garantieren. Doch sie nehmen Abstand davon, weil ein zu hohes Maß an Schärfe das Gehirn überfordert. Diese Erkenntnis musste auch ein Augenarzt machen, wie wir kürzlich in einem Vortrag hörten. Er hatte Augenoperationen durchgeführt mit dem Resultat, dass die Sehkraft weit über 100 Prozent lag. Ein tolles Ergebnis auf den ersten Blick. Die Patienten klagten jedoch über Kopfschmerzen, Schwindel etc. Erst eine weitere OP in der die Sehkraft wieder herabgesetzt wurde trug zum Wohlbefinden der Patienten bei.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2016

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1 Kommentare

Der Artikel zeigt einige nützliche Tipps für Schärfe auf. Oft sind auch andere Faktoren für einen unscharfen Bildeindruck verantwortlich. Da kann dann weder die interne Schärfung der Kamera (wirkt übrigens nicht auf das RAW-Format) noch eine Schärfung mittels Bildbearbeitungsprogramm einen scharfen Bildeindruck herstellen. Hier habe ich 10 Faktoren aufgelistet und jeweils die Gegenmaßnahmen zugeordnet. http://www.makro-foto.com/fotoblog.htm (Blogbeitrag: "Gründe für Schärfeprobleme und die Möglichkeiten zu deren Beseitigung")

von Hans Bechheim
12. Mai 2016, 13:33:19 Uhr

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