Fototipp: Den Moment nicht verpassen - Serienbildfunktion und 4K

© Fotograf: Ernst Hobscheidt, Da stehen ja wieder Fotografen, Blende-Fotowettbewerb
„Da stehen ja wieder Fotografen“ von Ernst Hobscheidt, Blende 2015 (Westfalen-Blatt)
In der Sekunde soll es allein in Deutschland über 2.000 Mal „Klick“ machen – wenn man sich so umschaut könnte man denken, der Auslöser wird noch öfter gedrückt. Die Anzahl der Aufnahmen wird dank immer schnellerer Serienbildfunktionen und auch durch 4K weiter steigen. Inhaltlich sicherlich nicht mehr ganz korrekt ist im Zusammenhang mit 4K von „Klick“ zu reden, handelt es sich hierbei doch um Videos aus denen Standbilder extrahiert werden können. Wir bleiben dennoch beim „Klick“, denn dieser ist uns so geläufig, dass man das Geräusch in die Jetztzeit übernommen hat auch wenn das Auslösen ein absolut geräuschloser Vorgang im digitalen Zeitalter ist. Mit jedem „Klick“ werden einzelne Momente aussagekräftig konserviert. Wir müssen unweigerlich an das Zitat „Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.“ von Paul Cézanne denken. Sein Zitat, mit dem sich der Impressionist des 19. Jahrhunderts eher auf die schnell wechselnden Lichtsituationen oder die wandelbaren Impressionen in der Natur bezog, beschreibt aber auch vortrefflich unser Jahrhundert und unsere Gesellschaft. Alles ist von einer enormen Schnelligkeit geprägt und damit verbunden sind Veränderungen oftmals in Sekundenbruchteilen. Die Fotografie verhilft uns, Momente zu konservieren und damit auch Veränderungen sichtbar zu machen, so dass wir sie möglicherweise auch erst dadurch wahrnehmen können.

Momente gibt es so viele wie Augenblicke, sie sind nicht an ein fotografisches Sujet gebunden. Dem „Blende“-Fotograf Ernst Hobscheidt ist mit seiner Aufnahme „Da stehen ja wieder Fotografen“, die er zu „Blende 2016“ eingereicht hatte und mit der er in der bundesweiten Endausscheidung erfolgreich war, ein Sonntagsschuss gelungen, der uns einen Basstölpel zeigt, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben. Ernst Hobscheidt war zum richtigen Zeitpunkt nicht nur am richtigen Ort, sondern hat es verstanden, in einem einzigartigen Moment alle Faktoren – Hauptmotiv, Horizontlinie, Blende, Belichtungszeit, Schärfebereich, Kamerabewegung – stimmig zusammenzubringen. Solche Aufnahmen sind kein Selbstläufer und setzen auch nicht nur allein fotografisches Geschick und Intuition voraus.

Aktuelle Kameras bieten mit ihren Features die Grundvoraussetzungen den Momenten heute noch näher zu sein und sie so einzufangen wie Ernst Hobscheidt. Technische Raffinessen wie die Serienbildfunktion, aktuell 4K und Schnellfokussierung bilden somit die notwendige Basis, Augenblicke einfrieren zu können. Paul Cézanne würde heute vermutlich sagen, dass mit dem Auslösen der Kamera die Pausetaste gedrückt und damit im übertragenen Sinne die Hektik des Alltags ein wenig entschleunigt wird.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2016

24 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden