Fototipp: Sonnenuntergang - Romantik pur

© Fotograf: Remo Schulze, Islandpferde um Mitternacht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Remo Schulze, Islandpferde um Mitternacht, Blende-Fotowettbewerb
Verabschiedet sich der Tag mit der untergehenden Sonne und nehmen wir dies aktiv wahr, dann sind die meisten unter uns wie paralysiert und von Sehnsüchten getrieben. Die Faszination für Sonnenuntergänge reizt uns, sie Fotografisch festzuhalten und zu konservieren. Da reicht einem vielfach ein Bild bei weitem nicht aus. Das ist auch verständlich, denn fast schon im Sekundentakt ändert sich die Lichtstimmung, wenn die Sonne untergeht. Ohne es analytisch nachweisen zu können sind wir uns sicher, dass Sonnenuntergänge wohl das am meisten fotografierte Motiv sind – Sonnenaufgänge nur deshalb nicht, weil sie bei den meisten unter uns in die Schlafenszeit fallen.

Die schönsten Sonnenuntergänge erlebt man bekanntlich an den Küsten und in den Bergen, wenn man diese zuvor für sich eingenommen hat – es muss ja nicht immer das Gipfelkreuz sein. Aber auch in Städten wie Frankfurt am Main mit seiner Skyline oder bei landwirtschaftlich genutzten Flächen mit großer Weite, sind Sonnenuntergänge ein lohnendes Motiv.

© Fotograf: Andre Beer, nebliger Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Andre Beer, nebliger Sonnenuntergang, Blende-Fotowettbewerb
Wie immer in der Fotografie gilt auch beim Festhalten von Sonnenuntergängen, den entscheidenden Moment zu erwischen. Das klingt zunächst banal, denn wer sich mit der Thematik zuvor nicht beschäftigt und sich nicht dafür sensibilisiert hat, der weiß gar nicht, wie sich die Lichtstimmung von einer auf die nächste Sekunde ändern kann. Gerade in Bezug auf das Motiv Sonnenuntergang klingt es so simpel, den entscheidenden Moment im Bild gefrieren zu lassen. Für alle, die sich mit einer Allerweltaufnahme zufriedengeben mag das zustimmen. Wer aber das Besondere fotografisch aus seinem Sonnenuntergang herauskitzeln möchte, der sollte nicht nur mit den fotografischen Möglichkeiten spielen, sondern sich auch Zeit nehmen.

Spektakuläre Sonnenuntergänge sind kaum vorhersehbar und darin liegt auch der weitere große fotografische Reiz. Farbliche Impressionen kommen so schnell, wie sie wieder gehen. Überzeugende Sonnenuntergangsaufnahmen bedingen eine gewisse fotografische Hartnäckigkeit, oftmals sind sogar unzählige Anläufe notwendig, wobei natürlich eine gute Planung schon einmal die halbe Miete ist. So sollten Sie natürlich Informationen über den Stand der Sonne an Ihrem Standort haben. Mithilfe des Internets und speziellen Apps wie beispielsweise „LightTrac“ oder „Sun Scout“ können Sie das im Handumdrehen in Erfahrungen bringen. Sie halten Ihr Smartphone einfach gen Himmel und es zeigt Ihnen die Bahn der Sonne an.

© Fotograf: Ingrid Strohbach, Stimmungsvoller Empfang, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ingrid Strohbach, Stimmungsvoller Empfang, Blende-Fotowettbewerb
Entscheidend für tolle Sonnenuntergangsaufnahmen ist natürlich der Kamerastandort. Auch, wenn die untergehende Sonne im Mittelpunkt der Betrachtung steht, beziehen Sie andere Motive wie beispielsweise Felsformationen, Sträucher, Tiere wie Kühe, Antennen/Schüsseln, Bäume mit ein. Das macht die Aufnahme gleich sehr viel spannender und somit auch sehenswerter. Gerade wenn man erstmalig einen potentiellen Kamerastandpunkt besucht, sollte dieser mindestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang aufgesucht werden, damit man alle Ruhe hat, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Am Strand mit Ebbe und Flut muss man natürlich auch an die Gezeiten denken – nichts ist ärgerlicher, als wenn die Kamera baden geht. Apropos Strand: Wenigstens die Optik ist mit einem Filter entsprechend vor Sand und Salzwasser zu schützen. Hier wieder am Abend in den eigenen vier Wänden angekommen gehört die Kamera aus der Fototasche und gereinigt. Der Handel bietet entsprechende Reinigungsets an – bitte nur diese nutzen, denn diese sind darauf ausgelegt.

© Fotograf: Erika Wenzel, Die Sonne geht unter, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Erika Wenzel, Die Sonne geht unter, Blende-Fotowettbewerb
Sonnenuntergänge können natürlich mit Smartphones, die ja als „Immer-Dabei-Kamera“ gelten, fotografiert werden. Wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat, dann bleibt einem schlichtweg auch nichts anderes übrig. Smartphones, die mit ihrem Funktionsumfang auch als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet werden, sind für den Schnappschuss bestens geeignet. Trotz der technischen Weiterentwicklungen darf man nach wie vor bei manchen Motiven – und dazu gehören auch Sonnenuntergänge – nicht zu viel von ihnen erwarten. Spätestens wenn die Lichtbedingungen kritisch werden, dann sind Smartphones schnell überfordert und die Aufnahmen alles andere als sehenswert. Da nützt einem auch der schönste Sonnenuntergang nichts mehr. Wenn Sie kreativ Einfluss nehmen möchten, dann sind höherwertige Kompaktkameras mit ihren zahlreichen Features oder Kameras mit Wechseloptik die wesentlich bessere Wahl. Erst die zahlreichen Einstellmöglichkeiten an diesen Kameras, wie beispielsweise die Wahl der Blende und damit das Spiel mit Schärfe und Unschärfe sowie mit der Verschlusszeit bringen den Sonnenuntergang wirkungsvoll zur Geltung. Aber nicht nur das – mit diesem Kameraequipment hat man alle Optionen, kreativ Einfluss zu nehmen und seinen Aufnahmen somit eine ganz persönliche Note zu verleihen.

© Fotograf: Ines von Frantzius, Der Himmel brennt, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ines von Frantzius, Der Himmel brennt, Blende-Fotowettbewerb
Ob Sie nun mit einer Kompakt- oder einer Kamera mit Wechseloptik fotografieren – ein Stativ ist Pflicht. Wir würden uns für ein Drei- beziehungsweise Vierbeinstativ entscheiden, natürlich geht auch ein Einbeinstativ (Monopod). Sofern Sie mit einer Kamera mit Wechseloptik, also einer Spiegelreflex- beziehungsweise kompakten Systemkamera, fotografieren, so würde unsere Entscheidung auf ein Objektiv mit kurzer Brennweite im Bereich von 17 bis 35 mm fallen. Als Kameraeinstellung ist die Zeitautomatik optimal, denn somit haben Sie die volle Kontrolle über die Schärfentiefe. Ist eine durchgängige Schärfe vom Vorder- bis zum Hintergrund gewünscht, ist eine Blende zwischen f/11 und f/16 eine gute Wahl. Der ISO-Wert sollte möglichst niedrig gewählt werden, denn das wirkt sich positiv auf die Bildqualität aus. Empfehlenswert ist auch ein Grauverlaufsfilter von drei Blendenstufen, denn bei Sonnenuntergang übersteigt der Kontrastunterschied zwischen hellem Himmel und dämmrigen Vordergrund schnell den Dynamikumfang Ihrer Kamera. Hat man diesen nicht zur Hand, muss, mittels Bildbearbeitung, zu Hause nachgebessert werden. Achten Sie an Ihrer Kamera auch auf den Weißabgleich. In der Regel liefert der automatische die gewünschten Bildergebnisse. Manchmal ist es jedoch auch ratsam, die Voreinstellung „bewölkt“ zu wählen. Dadurch wird er in Richtung „warm“ verschoben, und das kommt den natürlichen Farben des Sonnenuntergangs zugute. Ist man ein Freund der kamerainternen Filter, so liefern diese beeindruckende und mitunter überaus sehenswerte Effekte. Bei zahlreichen Kameras kann die Einstellung so vorgenommen werden, dass das Motiv mit dem einmaligen Auslösen automatisch, hintereinander mit allen zur Verfügung stehenden Effektfiltern, aufgenommen wird. Packen Sie genügend Speicherkarten in Ihre Fototasche und auch Ersatzakkus. Und vergessen Sie, wenn Sie in den Bergen, am Strand oder in der Landschaft unterwegs sind die Taschenlampe nicht – diese erleichtert Ihnen den Rückweg in der Dunkelheit.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2016

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