Fototipp: Sternenbahnen

Sichtbar machen was man sonst nicht sieht

Betrachten wir den Himmel in der Nacht an einem wolkenfreien Tag, so scheinen die Sterne in der Momentbetrachtung auf den ersten Blick ihren festen Platz zu haben. Dabei lassen wir natürlich die Erdrotation außer Acht, die wir beim flüchtigen Betrachten des Sternenhimmels nicht wahrnehmen. Mit Hilfe der Fotografie machen wir diese Erdrotation sichtbar und werden schnell feststellen, dass viel Bewegung im Spiel ist. Wie viel, dass veranschaulicht der diesjährige Wettbewerbsbeitrag „Riffelsee“ von Pascal Kamm, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Doppelt gesehen – Spiegelungen“ bei „Blende 2016“. Ihm ist eine meisterliche Aufnahme gelungen, die wohlgeplant war. Pascal Kamm führt zu seiner Aufnahme aus: „Ich war vor einem Jahr schon mal an diesem wunderschönen Ort und wusste von da an, dass ich hierhin zurückkehren möchte. Jedoch hat es ziemlich genau ein Jahr gedauert, da dieses Bild von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Zum einen wollte ich den Himmel so wolkenlos wie möglich haben, um die Sternspuren möglichst optimal einzufangen. Zum anderen sollte es eine möglichst windstille Nacht sein, da sonst die Oberfläche des Sees geriffelt ist (daher auch der Name) und dies den spiegelnden Effekt sehr reduziert, wenn nicht sogar total zerstört. Des Weiteren spielt auch das Licht eine große Rolle. Obwohl viele Fotografen für die Astrofotografie eine Neumondnacht bevorzugen, mag ich es sehr, das Mondlicht mit einzubeziehen in meine Bilder. In dieser Nacht ging der Mond ziemlich genau hinter der Kamera auf und hat die Szene in ein wunderschönes Licht getaucht. Ich habe versucht, eine Balance zu finden zwischen nächtlicher Stimmung und doch ein wenig Licht, um die Berge sowie die Spiegelung zu betonen.“

Pascal Kamm, Riffelsee, Blende-Fotowettbewerb
Pascal Kamm, Riffelsee, Blende-Fotowettbewerb

Die Ausführungen des „Blende“-Teilnehmers Pascal Kamm veranschaulichen, dass es vieler Zutaten bedarf, um Sternenbahnen so wirkungsvoll festzuhalten. Die Fotografie kann hier aufdecken, was unserem Auge sonst verborgen bleibt. Je nach Positionierung der Kamera können die Sternenbahnen gerade oder gekrümmt sein. Letzteres nimmt umso mehr zu, je mehr man seine Kamera auf den Himmelspol ausrichtet – dieser ist ungefähr markiert durch den Polarstern.

Fotoequipment – Was wird benötigt?

Voraussetzung für überzeugende Sternaufnahmen ist eine Spiegelreflex- beziehungsweise kompakte Systemkamera sowie ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser – schon kleinste Wackler führen zu unbrauchbaren Aufnahmen. Ist es das Fotografenanliegen, Sternenbahnen imposant abzulichten, so empfiehlt sich ein Weitwinkelobjektiv, denn mit diesem lässt sich ein breiter Horizont ablichten. Auch hinsichtlich der Schärfentiefe ist die Weitwinkeloptik die erste Wahl, um auch den Vordergrund scharf eingefangen zu bekommen, was die Aufnahme deutlich interessanter macht.

Analogfotografen, die jetzt mit digitalen Aufnahmesystemen fotografieren, müssen beim Fotografieren von Sternenbahnen umdenken. Aber der Reihe nach. Wird analog fotografiert, so wird die Sternenbahn in einer Aufnahme verankert, indem eine extrem lange Belichtungszeit von einer halben Stunde und mehr bei kleiner Blende gewählt wird. Diese Vorgehensweise ist für digitale Aufnahmesysteme nicht empfehlenswert, denn die meisten Aufnahmen sind oftmals nicht zu gebrauchen. Für Digitalfotografen empfiehlt sich eine Aufnahmenserie von hundert und mehr Aufnahmen mit kürzester Belichtungszeit die dann mithilfe von Software zu einem Bild vereint werden.

Auf die Speicherkarte sollten also wenigstens 100 Aufnahmen passen. Auch, wenn RAW-Aufnahmen deutlich mehr Speicherplatz benötigen, so sollte in diesem Format fotografiert werden, da es die bestmöglichste Qualität und das geringste Bildrauschen garantiert. Entscheidet man sich für das JPEG-Format, so ist die bestmöglichste Qualität zu wählen. Der Weißabgleich sollte auf Tageslicht eingestellt sein. Empfehlenswert ist, bei ISO 800 und einer Blende von f/5,6, eine Belichtungszeit von 30 Sekunden zu wählen.

Die Nacht muss man als Fotograf nicht unbedingt zum Tage machen. Zirka eine Stunde liefert schon genügend brauchbare Aufnahmen, die anschließend am PC zu einer Sternenbahnaufnahme zusammengefügt werden können. Soll der Teppich von Sternspuren dichter ausfallen, so muss die Aufnahmezeit entsprechend verlängert werden. Als Aufnahmeart empfehlen sich die Kameraeinstellung „Kontinuierlich“ und „Lock on“ beim Fernauslöser. Die Belichtungszeit der Einzelaufnahmen sollte bei 30 Sekunden liegen.

Als Fotograf hat man zwei Optionen des Bildaufbaus. So können Sternenbahnen für sich isoliert stehen oder aber in Kombination mit einem Vordergrundmotiv, wodurch dieses sehr mystisch erscheinen kann. Damit der Autofokus nicht immer nach seinem Schärfenpunkt sucht, sollte die Einstellung „MF“ gewählt werden. Der LiveView-Modus unterstützt den Fotografen bei der richtigen Fokussierung. Empfehlenswert sind zwei, drei optimal ausgeleuchtete Aufnahmen vom Vordergrund, die dann mittels Software mit den Einzelaufnahmen der Sterne kombiniert ein tolles Gesamtkunstwerk ergeben.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

2 Kommentare

1. @ Sabine Kindschuh Sie müssen das nicht machen, ich finde die digitalen Möglichkeiten faszinierend. Sie vereinfachen und ergänzen vieles, was man früher in der Dunkelkammer machte. Jeder nach seinem Geschmack. 2. Zum Artikel Die Angaben zur Zeit verwirren mich. Kürzeste Zeit? 30 s? Aufnahmezeit verlängern (auf 30 s)? 30 s sind wohl in Ordnung.

Jürgen

von Jürgen
01. Dezember 2016, 21:10:08 Uhr

Wenn ich aus zig Aufnahmen etwas am Computer zusammenbasteln soll, hat das für mich nur nichts mehr mit Fotografie zu tun.

Sabine Kindschuh

von Sabine Kindschuh
01. Dezember 2016, 12:30:35 Uhr

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