Fototipp: Streetfotografie - Respektvoll, einfühlsam, sensibel

© Fotograf: Marius Heil, Taubenmann, Blende-Fotowettbewerb
Marius Heil, Taubenmann, Blende-Fotowettbewerb
Die Streetfotografie hat viele Seiten – sicherlich einer der Gründe, warum sie so viele Anhänger hat, die ihr aktiv nachgehen. Ein Sujet der Streetfotografie ist die Abbildung von Menschen im urbanen Lebensraum. Im Blickpunkt des Aufgenommen sind vielfach Szenerien außerhalb des Alltäglichen. Oftmals stehen „Randgruppen“ im Blickpunkt – also Menschen, die rein äußerlich oder vom Verhalten von der sogenannten Norm – wie auch immer die definiert wird – abweichen. Die Motivationsgründe für das Ablichten sind vielschichtig. Da geht es um die Faszination für das Motiv ebenso wie um Belustigung auf Kosten anderer oder beispielsweise darum, auf Missstände aufmerksam zu machen. Unabhängig davon warum der Auslöser betätigt wird ist es wichtig, die Grenzen der Menschen vor der Linse nicht zu überschreiten. Eine Gradwanderung, sind doch diese Grenzen nicht klar definiert.

© Fotograf: Jens Ackermann, Mobiler Draht nach ganz oben, Blende-Fotowettbewerb
Jens Ackermann, Mobiler Draht nach ganz oben, Blende-Fotowettbewerb

Respektvoll, einfühlsam, sensibel …

Steht der Mensch im Mittelpunkt der fotografischen Betrachtung, dann erfordert die fotografische Umsetzung nicht nur fotografisches Können, sondern ebenso den respektvollen wie einfühlsamen und sensiblen Umgang mit der Szenerie, in der Menschen die Hauptakteure sind. Ein Streetfotograf sollte vor dem Auslösen immer hinterfragen, ob er nicht gegebenenfalls die Grenzen des Gegenüber überschreitet. Bei der Festlegung dieser Grenzen kommt es nicht darauf an, ob die Aufnahmen ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt sind – das ist in diesem Moment für den Abgebildeten zweitrangig. Dieser weiß auch nicht um die Kameraeinstellung und ob er beispielsweise in Unschärfe verschwimmt. Der Abgelichtete weiß nur, dass die Kamera auf ihn gerichtet ist und er nicht mit einbezogen wurde, warum dem so ist. Um die nicht zu überschreitenden Grenzen für sich als Streetfotograf besser auszuloten zu können hilft es, sich in die Situation der abzubildenden Person hineinzuversetzen.

© Fotograf: Frank Hojenski, Uli der Strandkorbvermieter, Blende-Fotowettbewerb
Frank Hojenski, Uli der Strandkorbvermieter, Blende-Fotowettbewerb

Heimlich oder Involviert

Als Streetfotograf steht man vor der entscheidenden Frage, ob man aus dem Verborgenen heraus fotografieren soll oder ob man die Personen, die man ablichten möchte, in sein Vorhaben einbezieht. Eine allgemeingültige Antwort gibt es auf diese Frage nicht, sind es doch mehrere Aspekte, die für die Beantwortung berücksichtigt werden müssen. Die zwei sicherlich ausschlagenden Punkte für die Antwortfindung sind die Situation als solches und das zum Einsatz kommende Fotoequipment. Mit einem Normalobjektiv muss man wesentlich näher am Geschehen sein, um es formatfüllend abzulichten, als mit einem Teleobjektiv. Je näher man also am Geschehen als Fotograf dran ist, desto unwahrscheinlicher ist es, aus dem Verborgenen heraus fotografieren zu können. Übrigens: Um als Streetfotograf weniger aufzufallen nutzen diese gern die handlichen kompakten Systemkameras.

© Fotograf: Bernd Ullrich, Einsam und verlassen, Blende-Fotowettbewerb
Bernd Ullrich, Einsam und verlassen, Blende-Fotowettbewerb

Nimmt man die Motivsituation eines schlafenden Menschen auf der Straße, so würde man ihn sicherlich nicht wecken und fragen, ob man ihn fotografieren darf. Die Szenerie samt Bildidee wäre Pfutsch und zwar auch deshalb, weil sich die Person vor der Kamera anschließend gegebenenfalls inszenieren würde, wenn das Fotografieren für sie in Ordnung ist. Doch diese inszenierten Aufnahmen sind in der Regel für Streetfotografen ein No-go, wünschen sie die Authentizität.

Ist man auf einem Wochenmarkt oder beispielsweise auf einem Straßenfest als Streetfotograf unterwegs und ist hier die persönliche fotografische Aufgabenstellung, die Betreiber an ihren Ständen zu fotografieren, dann muss das nicht aus dem Verborgenen heraus erfolgen. Man kann die Standbetreiber aktiv in sein Vorhaben einbeziehen – Zeit sollte man sich dann aber anschließend nehmen, damit die im Fokus stehenden Personen die Kamera quasi vergessen und die Aufnahmen auch die gewünschte Authentizität haben. Vergessen sollte man nicht, den abgebildeten Personen seine Aufnahmen zu zeigen und ihnen einige Abzüge davon auch zu übermitteln.

© Fotograf: Annik Susemihl, Streetart - Wenn die Straße zur Leinwand wird, Blende-Fotowettbewerb
Annik Susemihl, Streetart – Wenn die Straße zur Leinwand wird, Blende-Fotowettbewerb

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“ ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2017

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