Fototipp: Tropfsteinhöhlen - Gut Licht und Glück auf!

Michael Demke, Märchendom
Michael Demke, Märchendom
Im Urlaub besuchten wir die Saalfelder Feengrotten und waren ganz besonders beeindruckt von der Schönheit des Märchendoms.
Tropfsteinhöhlen faszinieren mit ihren vom Boden hochwachsenden Stalagmiten sowie den Gegenstücken, von der Decke hängenden Stalaktiten. Von Stalagnat spricht man übrigens, wenn beide Typen zusammengewachsen sind. Dass Tropfsteinhöhlen Fotobegeisterte auf den Plan rufen versteht sich von selbst. Und wenn dann auch noch wie bei „Blende 2016“ die thematische Vorgabe lautete „Doppelt gesehen – Spiegelungen“, dann bieten Tropfsteinhöhlen mit ihren Spiegelungen eine Motivbandbreite, die zu sehenswerten Wettbewerbsbeiträgen führen wie die „Blende“-Fotografen Peter Gerlach, Andreas Rücknagel oder Michael Demke eindrucksvoll veranschaulichen. Solch sehenswerte Aufnahmen setzen eine entsprechende Fotoausrüstung, das gekonnte Spiel von Blende und Belichtungszeit sowie einen geschickt gewählten Bildaufbau voraus. Gerade letztgenanntes ist herausfordernd, denn in Tropfsteinhöhlen ist der Bewegungsradius meist vorgegeben und oftmals zudem sehr beengt.

Grundsätzlich eignen sich alle Kameras von hochwertigen Kompaktkameras über kompakte System- bis hin zu Spiegelreflexkameramodellen. Smartphones sind aufgrund der schlechten Lichtbedingungen nicht geeignet für aussagekräftige Aufnahmen. Gerade wenn es sich um enge Tropfsteinhöhlen handelt, dann spielen kleinere Kameramodelle ihren Trumpf aus, weil größere Gegenstände nicht mitgenommen werden dürfen. Ambitionierte Höhlentouren führen gern durch enge Spalten oder Schlupflöcher – eine sperrige Fotoausrüstung stört da. Kameras mit Vollformatsensoren punkten natürlich wegen ihrer geringeren Rauschanfälligkeit bei meist extrem schlechten Lichtverhältnissen.

Das Fotoequipment gehört in jedem Fall in einer Fototasche oder einen Fotorucksack sofern nicht fotografiert wird. Gerade in engen Tropfsteinhöhlen ist der Fototasche der Vorzug zu geben. In dunklen Stollen besteht stets die Gefahr, dass man an scharfen Felsen anschlägt, andere Tourenteilnehmer gegen die umgehängte Ausrüstung stoßen oder Wasser von der Decke tropft. Die Tasche sollte gut aufgeräumt sein, damit man sich rasch zurechtfindet, eine kleine Taschenlampe kann zudem nicht schaden. Zur Vorbereitung gehört auf alle Fälle, die Akkus für die Kamera und eventuell für ein externes Blitzgerät zu laden sowie Ersatzakkus einzupacken. Die Fotografie im Dunkeln verbraucht viel Energie: fürs Blitzen, mehrfaches Fokussieren, die Infrarot-Autofokusunterstützung und das Kontrollieren der Ergebnisse am Monitor.

Peter Gerlach, Saalfelder Feengrotte
Peter Gerlach, Saalfelder Feengrotte
Freihandaufnahme während des Grottenbesuchs.
Blitzgeräte – ob eingebaut oder zum Aufstecken – sind zunächst einmal die einfachste Art, Licht ins Dunkel zu bringen. Blitztechnik kann zudem die Scharfstellung unterstützen und bringt auch in absoluter Finsternis korrekt belichtete Ergebnisse – zumindest technisch gesehen. Denn das Auge des Betrachters erwartet eigentlich keine tageslichthellen Gesichter tief unter der Erde. Dazu sollte man mit der Blitzbelichtungskorrektur in der Menüführung – bei SLR-Modellen teilweise über entsprechende Tasten – eingreifen und die Blitzleistung etwas zurücknehmen.

Aufsteckblitzgeräte können zudem indirekt über die Höhlendecke oder seitlich über die Wände abgefeuert werden. Gut ausgestattete Systemblitzgeräte können zudem als sogenannte Slave-Blitze zum Einsatz kommen. Eine Technik, mit der man zum Beispiel größere Kammern ausleuchten oder Spots an besondere Stellen, wie Wasserfälle oder Tropfsteine, setzen kann. Dazu wird ein Slave-Gerät (oder mehrere) an einer entfernten Stelle aufgestellt. Es zündet automatisch durch den Masterblitz der Kamera.

Die schönsten, weil natürlichsten Aufnahmen entstehen unter Tage, aber ohne Blitzgerät. Bei der Available-Light-Fotografie muss der Sensor der Kamera so viel wie möglich vom vorhandenen Licht nutzen. Dazu ist es wichtig, die Empfindlichkeit auf ISO 1.000 oder noch mehr zu erhöhen. Je nach Kameramodell kann die Erhöhung zu Bildrauschen führen – aktuelle Kameramodelle sind übrigens inzwischen weniger rauschanfällig.

Auch, wenn nahezu alle aktuellen Kameramodelle über Bildstabilisierungssysteme verfügen so sollte nach Möglichkeit immer ein Stativ zum Einsatz kommen, wenn dies möglich ist. Für Höhlentouren sollten es leichte sein, etwa aus Carbonmaterial, die sich zudem auf geringe Transportmaße zusammenschieben lassen. Für leichtere Kameras eignen sich auch Ministative. Manche besitzen Beine, die sich in alle Richtungen flexibel verbiegen lassen. Das kann auf den oft unebenen Untergründen von Vorteil sein. Eine Alternative ist ein Bohnensack, der sich dem Untergrund perfekt anpasst, aber nur bodennahe Aufnahmen ermöglicht – falls sich nicht gerade ein Felsvorsprung findet.

Andreas Rücknagel, Feengrotten in Saalfeld
Andreas Rücknagel, Feengrotten in Saalfeld
In der Enge der Höhle bieten sich zunächst kürzere Brennweiten an. In die Fototasche gehören also vor allem Weitwinkelobjektive oder Zooms, die diesen Bereich mit abdecken. Doch auch Telebrennweiten haben unter Tage ihre Berechtigung, dann nämlich, wenn Details herausgearbeitet werden sollen. Das kann die Grubenlampe im Bergwerk sein, der glitzernde Edelstein, der an der Decke einer Untertagemine hängt, oder einer der tierischen Bewohner der Unterwelt. Naturfreunde werden nirgendwo sonst die Gelegenheit haben, eine Höhlengrille oder einen Höhlenkrebs zu fotografieren.

Späteren Präsentationen geben solche Detailaufnahmen das gewisse Etwas. Sonst wird die Bilderschau schnell zum öden Marsch durch die Steinwüste. Motive für mehr Abwechslung können als Details herausgearbeitete Tropfsteine, technische Ausrüstung wie Loren, Stützen oder Grubenlampen, und natürlich Menschen sein. Der Mensch als Maß aller Dinge hilft später auch, die Dimensionen der Höhlen auf Bilder darzustellen. Auf Langzeitbelichtungen wirken sich bewegende Menschen wie Schatten, die durchs Bild huschen. Das Tüpfelchen auf dem „i“ ist dann eine Langzeitbelichtung in Verbindung mit einem Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang. Klingt kompliziert, macht aber jede bessere Kamera automatisch, wenn man den entsprechenden Menüpunkt gefunden hat. Im Ergebnis friert der Blitz die sich bewegende Person am Ende ihres „Schattens“ ein.

Für solche Experimente ist eine gute Vorbereitung das A und O. Die beginnt damit, dass man sich mit den Möglichkeiten seiner Ausrüstung vertraut macht. Viele denkbare Situationen kann man in einem abgedunkelten Raum vorher austesten. Während der Höhlentour im Halbdunkel kann es später stressig werden, die richtigen Tasten-Einstellrad-Kombinationen herauszufinden. Das wäre schade, denn die Wanderung selbst soll ja auch noch Spaß machen. In diesem Sinne: Gut Licht und Glück auf!

Fotografieren in der Praxis 11 / 2016

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